FC Bayern vor Real-Rückspiel Der April macht, was er will

Ancelottis stärkste Zeit sei der Frühling: Die Bayern wurden in der Vergangenheit nicht müde, das zu betonen. Dennoch droht dem Klub dasselbe Schicksal wie unter Vorgänger Guardiola.

Carlo Ancelotti
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Carlo Ancelotti

Aus Madrid berichtet Florian Kinast


Für die Routiniers des FC Bayern könnte das Rückspiel gegen Real Madrid der letzte Auftritt in der Champions League sein. "Daran denke ich nicht", sagte Philipp Lahm trotzig: "Wir haben eine große Qualität, um auch auswärts gegen gute Mannschaften zu gewinnen." Der 33-Jährige beendet nach der Saison seine Karriere.

Genauso wie Xabi Alonso, seine Zeit droht gegen seinen Ex-Klub zu enden. Der 35-Jährige sagte, man müsse gegen Real "ein großes Spiel" machen, um sich nach dem 1:2 in München doch noch fürs Halbfinale zu qualifizieren, und Carlo Ancelotti sprach gar von einem "perfekten Spiel", das für ein Weiterkommen nötig sei. Auch sonst übten sich die Akteure des FC Bayern in Optimismus und sprachen sich kollektiv Mut zu. Was bleibt ihnen auch anderes übrig?

Xabi Alonso (li.) und Philipp Lahm
AFP

Xabi Alonso (li.) und Philipp Lahm

Vor dem Abflug am Montagvormittag hatten sich auch die Klubbosse geäußert. Uli Hoeneß setzte am Münchner Flughafen einen entschlossenen Blick auf und sagte zu den Personalsorgen um die angeschlagenen Innenverteidiger Mats Hummels und Jérôme Boateng: "Egal wer spielt, jeder wird sich reinknallen." Karl-Heinz Rummenigge versuchte es mit einer Floskel, die jeder Amateurkicker kennt: "Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren." Ein Zitat, das wechselweise Bertolt Brecht und Rosa Luxemburg zugeschrieben wird, fußballerisch aber auch nicht mehr als eine Binsenweisheit ist.

Rummenigge nannte noch etliche Adjektive, um die nötigen Charaktereigenschaften für ein Wunder im Estadio Santiago Bernabéu aufzuzählen. "Mutig", "engagiert", "geduldig" müsse man spielen, und ergänzte: "Der FC Bayern ist berühmt-berüchtigt, dass er in solchen Spielen mit einem außerordentlichen Willen reingeht." Warum die Bayern den außerordentlichen Willen gerade in der zweiten Hälfte des Hinspiels nicht zeigten, ließ er offen.

Die entscheidende Frage wird sein, ob sich die Bayern genau von diesem Hinspiel wieder erholt haben. Ob sie wieder von sich und ihrem Spiel überzeugt sind. Und, ob sie wieder den Glauben an sich selbst finden, von dem sie am vergangenen Mittwoch abgefallen sind. Die momentan große Verunsicherung war auch beim und nach dem 0:0 in Leverkusen zu sehen, als die Spieler, allen voran Thomas Müller, mit sich haderten und schimpften.

Vor allem die desaströsen zweiten 45 Minuten gegen Real hatten die Mannschaft nachhaltig gehemmt und zu einer lange nicht mehr dagewesenen Verunsicherung geführt. Hinfort scheint auch die Überzeugung, dass mit Carlo Ancelotti alles besser würde als unter Pep Guardiola, dass sie endlich wieder die Champions League gewinnen. Nun droht das Aus im Viertelfinale, noch früher sogar als unter Guardiola, der es in seinen drei Bayern-Jahren immer bis ins Halbfinale schaffte.

Dabei wirkte alles auf einem so guten Weg. Nach einer holprigen Hinrunde schienen Ancelotti und die Mannschaft in der Winterpause endlich zueinander gefunden zu haben. 13 Siege und zwei Unentschieden in 16 Pflichtspielen des Kalenderjahres 2017 sprachen bis vergangene Woche für sich. Das 0:1 in Hoffenheim Anfang April mutete dabei nur wie ein Schönheitsfehler an. Es gab furiose Torspektakel wie gegen Hamburg (8:0) oder Augsburg (6:0), brillante Spitzenspiele gegen Arsenal in der Champions-League (5:1, 5:1) und in der Liga gegen Dortmund (4:1). Rummenigge und Hoeneß frohlockten, dass Ancelottis stärkte Zeit ja immer schon der Frühling war. Alles ging so leicht, bis zum Hinspiel gegen Real.

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Wer erreicht das Halbfinale?

Was die Bayern vor dem Rückspiel (20.45 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE) nachdenklich stimmt, ist, wie sehr sie sich vom verschossenen Elfmeter von Artúro Vidal und dem Platzverweis von Javi Martínez aus dem Konzept bringen ließen. Dass sie keinen Plan B hatten und es nur Manuel Neuers Paraden zu verdanken haben, dass sie überhaupt noch eine kleine Chance in Madrid haben. Dass sie sich gerade in solch bedeutsamen Spielen, die über eine erfolgreiche Saisonbilanz entscheiden, so vorführen ließen, entsetzte die Spieler besonders.

Rummenigge beschwor noch einmal die "Magie des Carlo Ancelotti", mit der er sicher auch Wunderdinge vollbringen könne. Wichtig wird erst einmal sein, dass der Magier Ancelotti wieder die Überzeugung in die Spieler hineinzaubert. Reinknallen allein, wie Hoeneß sagte, reicht nicht. Sie müssen auch daran glauben.

Ans Halbfinale und an sich selbst.

insgesamt 26 Beiträge
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Orthoklas 18.04.2017
1. Meine Güte!
Ancelotti ist ein klasse Trainer und Bayern ein klasse Team. Punkt. Wenn jetzt im Viertelfinale gegen Real Schluss ist, dann ist das keine Schande! Einer muss nunmal raus. Real würde nicht weniger jammern. Das ist einfach Lospech. Was immer für ein Wirbel gemacht wird. Hoffentlich wirds ein schönes Spiel ohne Verletzte - und vielleicht mit positivem Ausgang für die Bayern.
ardbeg17 18.04.2017
2.
Besser als mit Pep wollten die Bayern sein bzw. hat der Boulevard gefordert. Genau das ist aber das Problem. Bayern hat unter Pep den Takt vorgegeben und war nur von den spanischen Top-Teams zu stoppen - ausser im Jahr nach dem CL-Sieg sogar nur bei gleichzeitigem Ausfall mehrerer Stammspieler. Barca ohne Messi oder Real ohne Ronaldo hat zuletzt auch keine CL gewonnen. Also kommt mal alle auf den Teppich. Den Pott wird übrigens Juve holen. Gegen Monaco.
malaconciencia 18.04.2017
3. Wird schon...
1:3 reicht. Und wenn nicht, auch nicht schlimm. Gegen Real ausgeschieden? Kann passieren. Daß dies im Viertelfinale passiert - Künstlerpech. Anderenfalls wäre ja der Titelverteidiger schon im Viertelfinale raus. Auch blöd. Und außer Barca und Real haben alle anderen Teams in Europa eine längere Durststrecke bezgl. CL Sieg zu verzeichnen als Bayern. Und wie Real ohne Ronaldo und mit einem verschossenen Elfer von Ramos zurechtgekommen wäre, sei auch mal dahingestellt. Naja, vielleicht wird ja das Stadion nach dem Spiel heute Abend in SanThiago BernatBeu umbenannt. Ansonsten: 2018 ist auch wieder in CL Finale.
ihawk 18.04.2017
4. Bayern kann nicht immer gewinnen
... aber dieses Mal muß es sein. Ein kleines Wunder von Madrid wird Sky-TV Rekordumsätze bescheren ... schade dass ARD/ZDF in diesem Kommerz-Zirkus nicht mithalten können ... und meines Erachtens auch nicht sollen.
payblack 18.04.2017
5. Gibt es einen Beleg für die ersten zwei Sätze ihres Beitrags?
Die Bayern wurden nicht müde zu betonen, dass der Frühling die beste Zeit bei Ancelotti ist? Und was sollte es bringen, das dauernd zu betonen, zumal es ja so ist, das man in allen Wettbewerben bisher sehr souverän bis glanzvoll aufgetreten ist. Will man mit diesem Anfang der Berichterstattung suggerieren, dass Bayern praktisch mit Ancelotti den CL-Sieg eingetütet hat? Bayern hatte jetzt eine schlechte Halbzeit gegen Real Madrid, hat verdient zu Hause verloren und die Wahrscheinlichkeit ist recht hoch, dass man in der CL ausscheidet. Gegen Real Madrid, seines Zeichen klarer Tabellenführer in Spanien und amtierender CL-Titelträger. Es ist ja verständlich wenn Journalisten immer einen nahenden "Skandal" wittern, aber über manche Berichterstattung kann man eigentlich nur den Kopf schütteln. Letztendlich geht es um einen einzigen(!!!) verschossenen Elfmeter von Vidal, mit dem man hier versucht eine Trainerleistung oder Mannschaftsleistung zu hinterfragen. Steht es zur Halbzeit 2:0 läuft alles anders. Diese im Grunde winzige Situation ist es. Mehr nicht. Wobei ich ausdrücklich betonen möchte, dass ein 2:0 zur Halbzeit nicht gleichzeitig das Weiterkommen gesichert hätte - dafür ist Real zu gut. (wobei ich ausdrücklich
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