Bayern München gewinnt Bundesliga-Auftakt Verwundet, verregnet, verwandelt

Sieg dank zweier Zugänge und des Videobeweises: Der Deutsche Meister Bayern München ist mit einem Erfolg gegen Bayer Leverkusen in die Saison gestartet. Und offenbarte dabei große Schwächen.

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Die Neuen: Bei den Bayern traf Niklas Süle nach Vorlage von Sebastian Rudy zum 1:0, Corentin Tolisso erzielte das 2:0. Auf der Gegenseite sah Dominik Kohr die erste Gelbe Karte der Saison und Sven Bender musste verletzt ausgewechselt werden. Spielerischer Traumstart für München und Trauma für Leverkusen? Könnte man meinen, doch weit gefehlt.

Das Ergebnis: Bayern München besiegte Bayer Leverkusen im Saisoneröffnungsspiel 3:1. Hier geht es zum Spielbericht.

Der Wetterbericht: In der 35. Minute konfrontierte ZDF-Kommentator Béla Réthy die Zuschauer das erste Mal mit einer "Unwetterwarnung für München". Minuten später regnete es so stark, dass die Stadionbesucher eilig ihre Plätze verließen. Da auch noch Gewitterblitze hinzukamen, pfiff Schiedsrichter Tobias Stieler die zweite Halbzeit erst mit einer viertelstündigen Verspätung an. Der Regen ließ etwas nach, fortan geriet vor allem die Bayern-Defensive ins Schwimmen.

Der Videobeweis: Erstes Spiel, erster Einsatz, erste Korrektur, erster Elfmeter, erstes Tor. In der 51. Minute ließ Stieler nach einem Zupfer von Charles Aránguiz an Robert Lewandowski erst weiterspielen. Nach Absprache mit dem Video-Assistenten Jochen Drees entschied er dann doch auf Elfmeter. Eine wohl richtige Entscheidung, die in ihrer Umsetzung keine Minute in Anspruch nahm. Lewandowski nutzte die Strafstoßsituation und verwandelte zum 3:0.

Die erste Halbzeit: Ein strammer Schuss Tolissos (5. Minute) läutete einen turbulenten Durchgang ein. Erst versenkte Süle eine Freistoßflanke von Rudy per Kopf (9.), dann vergaben Admir Mehmedi und Karim Bellarabi eine ansprechende Doppelchance, bevor Tolisso erneut per Kopf treffen konnte (18.). In der Folge verpassten Kevin Volland (20.) und Bellarabi (37.) den Anschluss für die Gäste, Tolisso (Pfosten, 23.) und Thomas Müller (27.) das 3:0 für den Rekordmeister.

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Bundesligastart in München: Starkregen und ein Videobeweis

Die zweite Halbzeit: Herrlich stellte auf eine Dreierkette um, was prompt zu Leverkusener Dominanz führte. Dann der Nackenschlag: Nach Aránguiz' Berührung fiel Lewandowski im Strafraum, der Videobeweis resultierte in einem Elfmeter und dem 3:0. Danach drückte wieder Bayer: Brandt (56.), Kohr (57.) und Bellarabi (59.) ließen teils beste Chancen liegen, bevor Mehmedi den Ball unter die Latte jagte (65.). Gute Konterchancen ergaben sich für die Bayern erst in den letzten zehn Minuten. Diese wurden allerdings ohne Zielstrebigkeit und Fortune zu Ende gespielt.

Viele Ideen, wenig Ertrag: Carlo Ancelotti ließ Müller nicht auf dem Flügel, sondern zentral neben Lewandowski agieren. Rechts bildeten dafür Kimmich und Tolisso ein gutes Duo. Der Einbau eines dritten Mittelfeldspielers statt einer weiteren Offensivkraft führte zu überraschend wenig Ballbesitz: Ganze 54 Prozent zu Gunsten der Gastgeber in Halbzeit eins, dazu viele Bälle in den Rücken Alabas. Sven Ulreich musste hinter einem erstaunlich verwundbaren Defensivverbund in 90 Minuten mehr Paraden zeigen als Manuel Neuer in einer gewöhnlichen Halbserie.

Erleichterte Bayern-Spieler
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Erleichterte Bayern-Spieler

Bayers Chancenwucher: Wer nicht schießt, kann nicht treffen. Diesen Vorwurf darf man der Mannschaft von Heiko Herrlich nicht machen. Wer nicht trifft, kann nicht gewinnen. Diesen schon eher. So viele gute Möglichkeiten hatten in den vergangenen Jahren nicht viele Teams in München. Leverkusen spielte einen feinen Ball, agierte mutig und war nicht nur punktuell das aggressivere, bessere Team. Thomas Tuchel hätte es wohl als "4:4, verkleidet als 3:1" bezeichnet.

Hard-Kohr: In seinem 100. Bundesligaspiel holte sich der Leverkusener seine 37. Gelbe Karte ab. Mit erst 23 Jahren ist er damit auf dem allerbesten Weg, Rafinha (66 Verwarnungen) als amtierenden Gelb-König der Bundesliga einzuholen. Der musste hilflos mitansehen, wie Kohr bereits in der achten Minute formschön hinlangte und direkt Gelb sah. Ab der 62. Minute (Rafinha kam für den verletzten Hummels) hätte der Brasilianer zurückschlagen können, doch sein schwungvoller Tritt gegen Julian Brandt (82.) blieb folgenlos. Ärgerlich für Rafinha.

FC Bayern München - Bayer 04 Leverkusen 3:1 (2:0)
1:0 Süle (9.)
2:0 Tolisso (18.)
3:0 Lewandowski (52., Foulelfmeter)
3:1 Mehmedi (65.)

München: Ulreich - Kimmich, Süle, Hummels (62. Rafinha), Alaba - Tolisso, Rudy, Vidal , Ribéry (77. Coman) - Müller (61. Robben), Lewandowski
Leverkusen: Leno - Henrichs, Tah, S. Bender (46. Dragovic), Wendell - Kohr, Aránguiz (61. Kampl) - Bellarabi, Mehmedi, Bailey (46. Brandt) - Volland
Schiedsrichter: Stieler
Gelbe Karten: Vidal / Kohr, Aránguiz
Zuschauer: 75.000 (ausverkauft)



insgesamt 22 Beiträge
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tomy1983 19.08.2017
1. Hoffe nur,
dass der Videobeweis jetzt nicht wieder dazu führt, dass jeder Zupfer einen Elfmeter nach sich zieht. Sonst sind wir wieder da, wo wir schon mal waren. Die Italiener würd' freuen... In der Hinsicht waren die Schiedsrichter in den letzten Jahren sehr gut. Andererseits wurde für die Bayern ja auch schon immer ein anderes Maß angelegt. Also abwarten...
braindead0815 19.08.2017
2. gruselig fc bayern
bayer leverkusen hatte in der 2. hz einen geilen fußball gespielt. als wären sie die heimmannschaft. nur mit dem toreschießen hat es nicht so geklappt. während tolisso so eine gurke nach ecke reinmacht, verstolpert bayer so ein ding (kimmich rettet auf der linie). wenn das 3-2 gefallen wäre? hat mich irgendwie an das spiel deutschland - schweden erinnert. als D schon 4-0 führte, noch das 4-0 in hz. 2 geschossen hat aber die schweden einfach anstürmten. schade das ein paukenschlag zu saisonbeginn nicht stattgefunden hat. die ganze liga hat aber gesehen, wie man die bayern (im wahrsten sinne des wortes) zum schwimmen bringt. pressen - schnell umschalten und ab geht die post. das war ja standfußball und schauspieler lewandowski, wie theaterreif er sich nach dem zupfer fallen läst.
spon-facebook-10000174191 19.08.2017
3. Bayern -Leverkusen
Bei vielen Sportreportern wünscht man sich die Ausschaltung ihres Tones wie bei Sky. Können das die Rechtlichöffentlichen nicht auch technisch hinkriegen? Zum Spiel, Lewandowski ist, von der Technik her, sehr bedürftiger Spieler. Wenn er mal den Ball nicht verliert und ihn unter Kontrolle bekommt, dann verliert er ihn beim Abspielen, mindestens beim Abspielen zu Müller. Die Trainer haben aber Angst ihn auszuwechseln, weil er sonst mit Abwanderung droht. Statt diesen glatten Ausfall auszuwechsel, wechselt der Trainer die treibende Kraft im Angriff aus. Nicht das erste mal. War auch das letzte Jahr öfter zu sehen und wird so weiter gehen bis Müller seine ganze Einzigartigkeit verloren hat. Als er aus dem Spiel war, spielten die Levies fast nur noch in der Bayernhälfte. Lewadowski verkaufen, solange noch Geld für ihn zu bekommen ist und dafür einen wendigen, ballfertigen Spieler holen. Keine Spieler aus der Jugend vorhanden?
offenheit238 19.08.2017
4. Immer das Gleiche
Die Presse scheint die Dominanz der Bayern klein und am Ende sind die mit großem Vorsprung Meister. Gähn!
letitbe 19.08.2017
5. 55. Saison
Immer das Gleiche mit Vizekusen. Aber in der Form dürfte es der selbstverliebte BVB schwer haben unter die ersten Drei zu kommen. Und heute bitte einen Wolfsburger Sieg! Mia San Mia
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