Münchner Sieg in Piräus Zum Rekord gewackelt

Vorn traf Robert Lewandowski, hinten gab es mal wieder zwei Gegentreffer. Das 3:2 gegen Piräus war ein übliches Bayern-Spiel. Es endete mit dem Erreichen einer neuen Bestmarke.

Sven Hoppe/DPA

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Rekordbayern: Zum elften Mal in Folge - acht Siege, drei Remis - blieben die Münchner in einem Auswärtsspiel der Champions League ungeschlagen. Einmal mehr als bei der bislang besten Serie zwischen 2012 und 2014. Die Tücken der Statistik: Damals durfte man währenddessen einen Titel in der Königsklasse bejubeln. Von einem solchen scheinen die aktuellen Bayern weit entfernt. Aber wie schon Platon sagte: "Nichts Unvollendetes kann für etwas Maßstab sein."

Das Ergebnis: Bayern München hat am dritten Spieltag der Gruppe B 3:2 (1:1) bei Olympiakos Piräus gewonnen. Hier geht es zum Spielbericht.

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Champions League: Lewandowski trifft doppelt, Tolisso lässt sein Tor sprechen

Und/oder: Philippe Coutinho ODER Thomas Müller in zentraler Position hinter Robert Lewandowski? Diese Frage beantwortete Bayern-Trainer Niko Kovac erstmals mit einem UND: Müller rückte von der Bank zunächst auf den rechten Flügel, da Kingsley Coman einen "müden Eindruck" hinterlassen habe. Im Laufe der Partie rückte er immer weiter ein, Serge Gnabry wechselte die Seiten, und Coutinho fand sich plötzlich auf dem linken Flügel wieder.

Die erste Hälfte: Die Münchner begannen mit deutlich mehr Ballbesitz und vorsichtigen Torannäherungen, Piräus mit einigen defensiven Stockfehlern und einem Tor: Joshua Kimmich ließ Konstantinos Tsimikas flanken, Youssef El-Arabi sprang höher als Lucas Hernández und köpfte zum 1:0 (23. Minute) ein. Selbstredend Robert Lewandowski (38. Treffer im 50. Gruppenspiel der Champions League) sorgte für den Ausgleich (34.).

Neuer wie Kahn: Mit seiner 103. Partie in der Champions League zog Manuel Neuer nach Einsätzen mit Oliver Kahn gleich. Der erste Ball auf sein Tor war prompt drin. Der nach Meinung von Ulrich Hoeneß und Joachim Löw beste deutsche Torwart schien von dieser Tatsache derart überrumpelt, dass selbst der obligatorische Reklamierarm nicht zur Anwendung kam. In der zweiten Hälfte holte er sich dafür Gelb wegen Reklamierens ab. Immerhin.

Reingequatscht: Niko "Ich stelle die Mannschaft auf" Kovac musste in den vergangenen Wochen allerlei Ratschläge über sich ergehen lassen, welcher seiner Reservespieler denn nun auf den Rasen gehöre. Müller zum Beispiel. Oder auch Javi Martínez. Der Bayern-Trainer hat seinen Platon drauf: "Lerne zuhören, und du wirst auch von denjenigen Nutzen ziehen, die nur dummes Zeug reden." Gemerkt, umgesetzt: Martínez brachte er ebenfalls, allerdings hatte der 31-Jährige als einziger Sechser seine liebe Müh und Not, die schnellen Gegenstöße der Gastgeber zu unterbinden.

Die zweite Hälfte: In der zweiten Hälfte unterband der angeschlagene Martínez nichts mehr, für ihn kam in der 46. Minute Corentin Tolisso. Da auch Lucas Hernández eine knappe Viertelstunde später verletzt vom Feld humpelte, schien für mutiger spielende Gastgeber sogar mehr als nur ein Punkt möglich. Doch nach großem Gestocher und dem zweiten Assist von Müller war es wieder Lewandowksi, der zum 2:1 traf (62.). Auch der zweite Torschuss der Bayern saß: Tolisso erhöhte mit einem schönen Fernschuss auf 3:1 (75.). Vier Minuten später verkürzte Guilherme noch einmal mit einem abgefälschten Schuss.

Mit Lucas Hernández droht der nächste Innenverteidiger auszufallen
Costas Baltas/REUTERS

Mit Lucas Hernández droht der nächste Innenverteidiger auszufallen

So schlau als wie zuvor: Das Spiel der Bayern ähnelte den Bundesligadellen gegen Hoffenheim (1:2) und Augsburg (2:2): Vorne bringt die individuelle Klasse die Anzeigetafel zum Umspringen, hinten wackelt und bröckelt es so vor sich hin. Die nahbaren Bayern sind immer für ein Gegentor gut. Oder besser gesagt: für zwei. Das genügt wahrscheinlich für Platz eins in der Gruppe, höhere Weihen scheinen mit dieser Art des Fußballspiels schwer erreichbar.

Wie ist die Stimmung in der Gruppe? Wie erwartet. Die Münchner führen mit neun Punkten, Tottenham (5:0 gegen Roter Stern) steht mit nun vier Punkten vor Belgrad (drei) und Piräus (ein Zähler) auf Rang zwei. Den nächsten Schritt Richtung Gruppensieg können die Bayern am 6. November im Rückspiel gegen Piräus (18.55 Uhr, Liveticker SPIEGEL) machen. Die aktuell drängendste Frage: Welche Defensivspieler werden den Münchnern neben dem lange ausfallenden Niklas Süle nicht zur Verfügung stehen? Kennt Kovac Diogenes? "An seinen Feinden rächt man sich am besten dadurch, dass man besser wird als sie."

Olympiakos Piräus - Bayern München 2:3 (1:1)
1:0 El-Arabi (23.)
1:1 Lewandowski (34.)
1:2 Lewandowski (62.)
1:3 Tolisso (75.)
2:3 Guilherme (79.)
Piräus: José Sa - Elabdellaoui, Rúben Semedo, Meriah, Tsimikas - Guilherme - Podence, Bouchalakis (69. Lovera), Camara (88. Randjelovic), Masouras (79. Guerrero) - El-Arabi
München: Neuer - Kimmich, Pavard, Hernández (59. Boateng), Alaba - Martínez (46. Tolisso) - Müller (86. Perisic), Thiago, Coutinho, Gnabry - Lewandowski
Schiedsrichter: Danny Makkelie (Niederlande)
Gelbe Karten: Rúben Semedo, El-Arabi / Thiago, Neuer
Zuschauer: 30.000



insgesamt 28 Beiträge
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lordnephilim 23.10.2019
1. Man darf gespannt sein
wie es in München weiter geht. 85 Millionen für einen verletzungsanfälligen Hernandez der seine "Weltklasse" schon in Madrid oft genug schuldig geblieben ist, erscheint mir nicht nur heute viel zu viel. Die Defensive insgesamt ist Null Champions League tauglich....( wenn sie wüssten wen wir schon alles sicher haben) Als nächstes kommt Union. Man darf gespannt sein...
RalfHenrichs 23.10.2019
2. Kein Pech sondern schlechtes Management
Es war schon vor der Saison klar, dass der Kader für drei Hochzeiten viel zu klein ist. Unklar war nur, wann und auf welcher Position dies zum Tragen kommen würde. Formal haben die Bayern jetzt noch vier Abwehrspieler: Alaba, Pavard, Boateng (eigentlich ausgemustert), Kimmich (gehört eigentlich auf die 6, also ins Mittelfeld). Aus dem Mittelfeld wurde schon Martinez geholt. Wie lange er verletzt ist, ist wohl noch unklar (wohl eher nur kurzfristig). Wenn Hasan jetzt Frankreich kritisiert, wird es peinlich. Hernandez hat sich nicht dort verletzt sondern bei den Bayern. Warum haben sie ihn in Piräus eingesetzt, wenn er kurz vor einer Verletzung stand? Panik aufgrund der geringen Kaderstärke? Wahrscheinlich.
doppelnass 23.10.2019
3. Schade
Kovac lässt sich von der Presse zu sehr leiten. Warum er Müller spielen lässt, wenn Coman mal draußen bleibt, liegt auf der Hand. Es wurde zu viel drüber geschrieben. Ich würde mir mal in einem solchen Spiel Peresic wünschen. Der spielt ja kaum. Vielleicht auch mal Thiago ne Pause gönnen, schließlich hat man Tolisso. Goretzka spielt gar nicht mehr. Irgendwas stimmt da nicht.
Orthoklas 23.10.2019
4. Jupp!
Geh mal ans Telefon, Jupp ;o)
cooki14 23.10.2019
5. Verteidiger sind zweikampfschwach
...und lassen viel zu viele Flanken zu. Alaba war gestern offensiv nicht zu sehen und defensiv schwach. Kimmich war da nur unwesentlich besser.Und im Mittelfeld ist Thiago nicht in Form. Davies sollte mehr Einsatzzeiten bekommen.
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