Bayerns Sieg in Belgrad Lewandowski, Lewandowski, Lewandowski, Lewandowski

Gerade mal 15 Minuten brauchte Bayern-Stürmer Robert Lewandowski, um sich in die Geschichtsbücher einzutragen. Historisch wurde es auch beim Treffer von Leon Goretzka.

Robert Lewandowski (l.) war der Mann der zweiten, Leon Goretzka der der ersten Hälfte
Andrej Isakovic/AFP

Robert Lewandowski (l.) war der Mann der zweiten, Leon Goretzka der der ersten Hälfte

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Die Szene des Spiels: Ganz allein stand Philippe Coutinho in der 14. Minute im rechten Halbfeld. Der Brasilianer schaute ob des Freiraums ganz verdutzt, legte sich den Ball zurecht und zirkelte ihn auf den Kopf von Leon Goretzka, der aus elf Metern ins linke Eck vollendete. Der erste Champions-League-Treffer des 24-Jährigen war bereits der achte Torschuss der Münchner nach nicht einmal 15 Minuten. Mann des Tages war Goretzka damit allerdings nicht - da stahl ihm Vierfachtorschütze Robert Lewandowski die Schau.

Das Ergebnis: Der FC Bayern München hat bei Roter Stern Belgrad 6:0 (1:0 ) gewonnen und den fünften Sieg im fünften Gruppenspiel geholt. Hier geht es zum Spielbericht.

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Bayerns Robert Lewandowski: Vier in 15

Dieses verfluchte Tor: Goretzkas Treffer fiel auf der linken Seite des Stadion Rajko Mitic, des Marakana von Belgrad. Er traf in jenes Tor, über das Ex-Bayern-Präsident Uli Hoeneß im Elfmeterschießen des EM-Finals 1976 seinen Strafstoß in den seit jenem Abend berühmt gewordenen "Nachthimmel von Belgrad" gejagt hatte. Aus Klubsicht noch schlimmer: 1991 hatte sich Torhüter Raimond Aumann im Halbfinal-Rückspiel des Landesmeister-Cups in letzter Minute den Ball ins eigene Netz gepatscht. Die Bayern waren raus, Roter Stern gewann den Pokal. Ein Trauma für ältere Bayern-Fans, vergleichbar mit der 1:2-Niederlage im Champions-League-Finale 1999 gegen Manchester United.

Die erste Hälfte: Wenn das Fußballphrasenungetüm "Einbahnstraßenfußball" einmal seine Berechtigung besaß, dann in diesen 45 Minuten. 14:0 Torschüsse für die Münchner gab es, die besten Gelegenheiten vergaben Lewandowski (12. Minute und 28.), Goretzka (7., 16.), Kingsley Coman (12.) und Coutinho (14.). Es war vor allem in den ersten 30 Minuten ein beeindruckender Auftritt des FC Bayern, der den Gastgebern keine Luft zum Atmen, geschweige denn zum Kontern ließ.

Die zweite Hälfte: Belgrad begann forscher, München traf: In der 52. Minute gab es Handelfmeter für die Gäste, Lewandowski verwandelte ins rechte Eck. 15 Minuten später hatte Lewandowski einen Viererpack auf die Anzeigetafel gebracht - das 3:0 fiel in der 60., das 4:0 in der 64., das 5:0 in der 67. Minute. Corentin Tolisso traf in der 84. Minute die Latte und in der 89. Minute zum 6:0.

Nicht zu stoppen: Lewandowski steht nun bei 63 Treffern in der Champions League, 27 Tore hat er in 20 Pflichtspielen in dieser Saison erzielt. Da bereits Serge Gnabry viermal beim 7:2 in Tottenham getroffen hatte, sind die Münchner der erste Klub, der in einer Champions-League-Saison gleich zwei Vierfachtorschützen zu verzeichnen hat.

Der Flick-Zug nimmt weiter Fahrt auf: Viertes Spiel, vierter Sieg, 16:0 Tore, Startrekord für einen Bayern-Trainer - Hansi Flick sammelt Siege und damit Argumente für eine längerfristige Weiterbeschäftigung. Thiago ließ er dabei erstmals in der Startelf ran. Der bis dato Zurückgehaltene dankte es mit einem energischen Auftritt, vielen gewonnenen Zweikämpfen und feinen Zuspielen. Joshua Kimmich sah erstmals seit dem Champions-League-Aus im März gegen Liverpool zunächst zu, David Alaba blieb wegen anstehender Vaterfreuden gleich ganz zu Hause. Sportlich vermisst wurden beide nicht, da Flick den Seinen das Gegenpressing in einem 4-1-4-1-System beigebracht zu haben scheint.

Marko Marin ist gefragt: In Belgrad hat der ehemalige deutsche Nationalspieler sein sportliches Glück gefunden. Er ist Kapitän, trägt die Rückennummer zehn und spielt so groß auf wie in seinen besten Zeiten. Gegen die Bayern allerdings war von ihm eher wenig zu sehen, gleiches gilt für die Teamkollegen. Grämen muss er sich nicht, gefragt ist er in Duellen auf Augenhöhe - beim 3:1 gegen Piräus hatte er zwei Treffer aufgelegt. Bei den Griechen bestreitet Belgrad nun sein Endspiel um den dritten Platz und die Europa League.

Schaulaufen mit Ziel: Am letzten Gruppenspieltag empfangen die Münchner José Mourinhos neuen Klub Tottenham Hotspur (11. Dezember, 20:45 Uhr, Liveticker: SPIEGEL ONLINE). Unabhängig vom Ergebnis ziehen die Bayern als Erster und die Spurs als Zweiter in die K.-o.-Phase ein. Ein Ziel gibt es für Flicks Team allerdings noch: als einziges Team die Gruppenphase ohne Verlustpunkt zu beenden.

Roter Stern Belgrad - FC Bayern München 0:6 (0:1)
0:1 Goretzka (14.)
0:2 Lewandowski (53. Handelfmeter)
0:3 Lewandowski (60.)
0:4 Lewandowski (64.)
0:5 Lewandowski (67.)
0:6 Tolisso (89.)
Belgrad: Borjan - Gobeljic, Degenek, Milunovic, Rodic - Cañas (61. Vulic), Petrovic (76. Ivanic) - Vukanovic, Marin, García (69. Pankov) - Boakye
München: Neuer - Pavard, Martínez (68. Kimmich), Boateng, Davies - Thiago - Coman, Goretzka, Tolisso, Coutinho (61. Perisic) - Lewandowski (77. Müller)
Schiedsrichter: Kuipers (Niederlande)
Gelbe Karten: Milunovic / -
Zuschauer: 50.000



insgesamt 70 Beiträge
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Wolfgang Maier 27.11.2019
1. Naja,
spätestens im Achtelfinale wenn die ersten richtigen Gegner kommen ist für die Bayern eh Schluß. Dann brauchen die Medien auch nicht weiter über die "Superbayern" berichten und sich auch mal anderen Clubs zuwenden.
swandue 27.11.2019
2.
Zitat von Wolfgang Maierspätestens im Achtelfinale wenn die ersten richtigen Gegner kommen ist für die Bayern eh Schluß. Dann brauchen die Medien auch nicht weiter über die "Superbayern" berichten und sich auch mal anderen Clubs zuwenden.
Habe mir mal die Gruppenzweiten angeguckt und nach einer Mannschaft gesucht, welche gegen die Bayern ganz bestimmt erfolgreich sein wird . . .
steveleader 27.11.2019
3. Gratulation an den FCB.
Jedoch wird dieser nicht am Ausgang der CL beteiligt sein. Tipp: Liverpool und Manchester City machen das unter sich aus.
Tobi2995 27.11.2019
4. @Kommentar #1
Sie würden also lieber über die Erfolgsgeschichten der anderen deutschen Vereine auf internationaler Bühne lesen? Zum Beispiel über die erfolgreichen Auftritte des Tabellenführers Gladbach, der 6:0 gegen ein österreiches Team gewonnen hat? Hm - das lief anders glaube ich...
marcuhlig 27.11.2019
5.
Zitat von Wolfgang Maierspätestens im Achtelfinale wenn die ersten richtigen Gegner kommen ist für die Bayern eh Schluß. Dann brauchen die Medien auch nicht weiter über die "Superbayern" berichten und sich auch mal anderen Clubs zuwenden.
und wenn nicht, dann eben im Viertelfinale. Oder im Halbfinale. Oder dann halt im Finale. Irgendwann treffen die Bayern auf einen richtigen Gegner und dann ist Schluss.
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