Unzufriedenheit beim FC Bayern Was macht eigentlich ... Carlo Ancelotti?

Acht Siege in Serie, doch beim FC Bayern herrscht vor dem Schalke-Spiel Unzufriedenheit. Die Rolle von Trainer Ancelotti ist noch immer unklar. Vielleicht liegt genau darin der Schlüssel zum Erfolg?

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Von Florian Kinast, München


Zumindest auf seiner Homepage verbreitete der FC Bayern noch ein wenig Euphorie. Von einem wahren "Freude-Monat für die Fans" frohlockte der Klub am Freitag auf seiner Website angesichts der sechs anstehenden Spiele in den kommenden 21 Tagen. Der Februar, so jauchzte der Verein mit einem Blick in die Statistik, sei nämlich ein wahrer Glücksmonat, schließlich sei man seit 2012 im zweiten Kalendermonat des Jahres in sämtlichen 25 Pflichtspielen ungeschlagen geblieben.

Der Freude-Monat also. Heißa. Immerhin das. Ansonsten ist von Freude derzeit wenig zu spüren an der Säbener Straße. Es herrscht schlechte Stimmung, das Betriebsklima ist durchwachsen und freudlos.

Unzufriedenheit, die erst einmal seltsam anmutet, beim Blick auf die Zahlen und auf die Tabelle. In den ersten beiden Spielen des Jahres 2017 gab es zwei Siege in zwei Auswärtsspielen bei zwei unangenehmen Gegnern, in Freiburg und in Bremen, jeweils 2:1. Die Münchner sind Tabellenführer, an diesem Samstag (15.30 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE) empfangen sie zum ersten Heimspiel des Jahres das kriselnde Schalke. Es könnte alles so harmonisch sein. Ist es aber nicht.

Was ist passiert?

Die Souveränität der vergangenen Jahre ist dahin, die Dominanz, die vermeintliche Unverwundbarkeit. "Wir müssen von der Ordnung auf dem Platz besser stehen", sagte Torwart Manuel Neuer: "Spielerisch ist da noch Luft nach oben. "Neuer bemängelte gerade die fehlende Struktur beim Umschaltspiel zwischen Defensive und Offensive und umgekehrt - genau jene Probleme, mit denen sich die Mannschaft schon durch die gesamte Hinrunde quälte.

Probleme, die beseitigt schienen, als das Team im letzten Spiel vor Weihnachten nach der besten Saisonleistung dem härtesten Verfolger aus Leipzig mit einem deutlichen 3:0 die Grenzen aufzeigte, als alles wieder gut schien beim FC Bayern. Doch dann kam die Winterpause. Und danach die alten Sorgen. Jetzt herrscht Alarmstimmung beim FC Bayern.

Arjen Robben forderte in dieser Woche: "Wenn wir in dieser Saison etwas erreichen wollen, dann müssen wir ganz anders auftreten als in den letzten beiden Spielen. Ruhe, Kontrolle, Ordnung, Organisation, das alles muss besser werden." Aber auch das hat Robben schon öfters gesagt in dieser Saison. Es mag ein Jammern auf extrem hohem Niveau sein, es verdeutlicht aber auch, dass die Bayern sich selbst und ihren Ansprüchen nicht genügen.

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Das größte Rätsel dabei ist Trainer Carlo Ancelotti, der seit mehr als einem halben Jahr in der Verantwortung steht, und dessen persönliche Note, seine Strategie, sein System im Spiel der Bayern immer noch nicht sichtbar ist. "Wir können besser spielen, und wir müssen besser spielen", sagte Ancelotti einmal mehr, ein Spruch, der bei seinen Auftritten in der obligatorischen Presserunde vor einem Spieltag schon mehrmals zu hören war.

Von Unruhe freilich ist beim Trainer immer noch wenig zu spüren, mehr noch, manchmal wirkt Ancelotti gar teilnahmslos. "Du kannst nicht immer gut spielen", sagte er am Freitag eher beiläufig, und schob nach: "Fußball ist nicht immer Ästhetik. Fußball ist Ergebnis." Die Rückkehr eines alten und bei Bayern längst verschollenen Pragmatismus - und ein Bruch mit der Philosophie seines Vorgängers Josep Guardiola, der als oberste Maxime immer das schöne und perfekte Spiel ausgab. Bei Ancelotti darf's gerne auch schmutzig sein. Sofern es ein schmutziger Sieg ist.

Unzufriedenheit zum richtigen Zeitpunkt?

Ancelotti gab als Binsenweisheit auch noch zu Protokoll, dass man 90 Minuten konzentriert spielen müsse, das sei "der Schlüssel zum Erfolg". Ob er selbst den Schlüssel für eine erfolgreiche Zeit in München schon gefunden hat, ist schwer abzusehen.

Die Unzufriedenheit hat in jedem Fall auch einen positiven Aspekt. Die Bayern laufen nicht mehr Gefahr, wie in den vergangenen drei Jahren vor Selbstverliebtheit ins eigene Spiel in eine gewisse Überheblichkeit zu verfallen - bevor sie dann im Frühling in der Endphase der Saison gerade in der Champions League jedes Mal böse gerupft wurden. Für Eitelkeiten gibt es nun keinen Anlass. Die Berauschtheit ist einer momentan massiven Ernüchterung gewichen, vielleicht auch eine gesunde Basis für die kommenden Monate.

Und wer den derzeit fehlenden Spaß vermisst - die Freude kommt jetzt eh ganz von allein. Es ist ja Februar.



insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
brazzo 04.02.2017
1. @sonntag500
Ja und? Der Neuer hat seit 125358 Minuten nicht getroffen und darf auch noch mitspielen.
Bueckstueck 04.02.2017
2.
Wer soll das denn sein?
Immereine andere Meinung 04.02.2017
3. Haha ..... er nun wieder!
Findet kein Ende unser Nobelpreisträger!
zeisig 04.02.2017
4. Selbstkritik ist etwas Positives.
Und das permanente Streben nach Verbesserung ist ebenso etwas Positives. Wenn hier der Begriff "Unzufriedenheit" verwendet wird, dann muß man das im Falle Bayern München natürlich gehörig relativieren und richtig einordnen. Als Bayern München ist man nie zufrieden. Zufriedenheit bedeuted Stillstand. Also, alles bestens !
Immereine andere Meinung 04.02.2017
5. Wie rechtfertigt sich ein Tabellenführer?
Tabellenführer in der Liga, Pokal und CL noch dabei – aber das Spektakel fehlt! Mit Ausnahme gegen Leipzig. Mir hat die Dominanz von Pep auch ein wenig besser gefallen, aber dafür muss ich nun 90m am Ball bleiben, bis Bayern gewinnt. War das nicht etwas, worauf sich Fußballdeutschland gefreut hat? Solange die Bayern, wie gegen Leipzig, ihre Leistung punktgenau abrufen können, wenn es von Nöten ist, darf es für meinen Geschmack so weitergehen. Nicht immer so spektakulär, aber wer trinkt schon jeden Tag Schampus?
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