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05. August 2002, 14:50 Uhr

Bayern München

"Unsere Mannschaft wird schwer zu schlagen sein"

Mit dem Gewinn des Jubiläumsturniers bei Real Madrid hat der FC Bayern München einmal mehr bewiesen, dass er ein Angstgegner für die "Königlichen" bleibt. In den Saisonstart der Bundesliga geht der Rekordmeister voller Selbstvertrauen.

Bayernspieler Linke, Robert Kovac, Kahn: "Immer in die Bedrouille"
AP

Bayernspieler Linke, Robert Kovac, Kahn: "Immer in die Bedrouille"

Madrid - Knapp eine Woche vor dem Saisonauftakt hat sich der FC Bayern München mit der stärksten Leistung der Vorbereitung das nötige Selbstvertrauen für die Bundesliga geholt. "Das war ein Erfolgserlebnis zum richtigen Zeitpunkt", freute sich Trainer Ottmar Hitzfeld nach dem Finalsieg über Real Madrid, für das es einen seltsamen Pokal in Form des Bernabeu-Stadions gab. "Ich bin der Meinung, wir gehen gut vorbereitet in die Saison", glaubt auch Manager Uli Hoeneß.

Beim 2:1 (1:0)-Finalsieg über die Madrilenen anlässlich des 100-jährigen Real-Jubiläums demonstrierten die Bayern, dass nach einem Jahr ohne "Pott" wieder mit ihnen zu rechnen ist. Wie schon zuvor beim 2:1 über den AC Mailand (Tore: Tarnat und Scholl) bot der "beste Kader aller Zeiten" (Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge) durchaus Ansprechendes. "Das ist gut für das Selbstbewusstsein. Wir haben gegen zwei europäische Top-Mannschaften starke Leistungen gezeigt. Natürlich ist das auch gut im Hinblick auf unser erstes Bundesliga-Spiel gegen Mönchengladbach", resümierte Kahn, der mit zahlreichen Glanztaten die Gastgeber zur Verzweiflung gebracht hatte.

Ballack wie Zidane


Ein großes Sonderlob gab es auch für Ballack, der gegen die "Königlichen" bei einem Gegentreffer von Figo (83.) vor 60.000 Zuschauern ebenso traf (26./Handelfmeter) wie Hasan Salihamidzic (65.). "Für mich steht er schon auf einer Stufe mit Zinedine Zidane", verglich Trainer Ottmar Hitzfeld den Zugang mit Madrids Superstar. "Er gehört zum Besten der Bundesliga", schwärmte Franz Beckenbauer. Ballack selbst, der für 6,3 Millionen Euro von Bayer Leverkusen an die Isar wechselte und dort den ausgemusterten Stefan Effenberg ersetzen soll, versprach: "Ich werde beim FC Bayern Zeichen setzen."

Voller Respekt beurteilte die spanische Presse den Auftritt des deutschen Rekordmeisters in Madrid. "Die Bayern sind für Real zu einem Schreckgespenst geworden. Immer wenn sie im Bernabeu-Stadion auftauchen, geraten die Madrilenen in die Bredouille", kommentierte beispielsweise die Sportzeitung "As".

Allerdings hat Real gerade mit der Vorbereitung begonnen und steigt erst im September in die Saison ein. "Diesen Sieg darf man nicht überbewerten", bremste Hitzfeld deshalb gleich die Erwartungen. "Nächsten Samstag wird es schwieriger. Wir haben in der Vorbereitung einen weiteren Schritt gemacht, mehr aber nicht." Real-Präsident Florentino Perez lieferte einen anderen Grund für die Niederlage im eigenen Haus: "Die Bayern müssen in der Champions League durch die Qualifikation und waren daher viel austrainierter als wir. Für uns kam das Turnier zu früh."

"Eine Bulldogge, die auf eine Wespe beißt"


Kahn sah vor allem psychologische Vorteile. "So etwas bleibt immer hängen, wenn man in der Vorbereitung zwei solche Mannschaften wie Milan und Real schlägt, auch wenn beide Mannschaften noch lange nicht ihr Leistungsniveau erreicht haben", so der Nationaltorhüter, der nach dem Urlaub schon wieder Bestform zeigte und so das Publikum zu Pfiffen und die Kommentatoren zu Bösartigkeiten veranlasste. "Oliver Kahn sieht furchtbarer aus als eine Bulldogge, die auf eine Wespe beißt. Den Madrilenen hat er die Moral gefressen", fabulierte "As".

Nach vier Wochen Vorbereitung dürfte Hitzfeld inzwischen seine Startelf für die Bundesliga gefunden haben. Auch Zé Roberto bestand nach auskurierten Leistenbeschwerden den Härtetest. Offenbar wartet Hitzfeld in der neuen Saison auch mit einer System-Neuheit auf. In Madrid liefen die Bayern nur mit einer echten Sturmspitze sowie dem etwas weiter zurück versetzten Mehmet Scholl als zweiter Offensivkraft auf.

Fehlen werden beim Saisonstart die Verletzten Sebastian Deisler, Bixente Lizarazu und Roque Santa Cruz. Kahn freut sich jetzt schon auf ihre Rückkehr: "Wenn alle an Bord sind, wird es ganz, ganz schwer, unsere Mannschaft zu schlagen."

Real Madrid - Bayern München 1:2 (0:1)
0:1 Ballack (26., Handelfmeter)
0:2 Salihamidzic (64.)
1:2 Figo (Foulefmeter)
FC Bayern: Kahn – Tarnat (75. Zickler), R. Kovac, Linke, Sagnol – Hargreaves (46. Fink), Ballack, Zé Roberto (69. Feulner), Scholl, Salihamidzic – Elber
Zuschauer: 60.000
Gelbe Karten: Helguera - Linke, Fink, Ballack, Scholl, Sagnol, Pizarro

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