Erste Bayern-Pleite Plötzlich Problemchen

Nun hat es die Bayern erwischt. Nach acht Siegen verloren die Münchner erstmals in der Liga. Gegen Leverkusen fehlte dem Team die Zielstrebigkeit in der Offensive, in der Abwehr agierte es zu sorglos. Vor allem aber konnte die Mannschaft ihren derzeit wichtigsten Mann nicht ersetzen.
Bayern-Profi Müller: Erste Niederlage nach acht Siegen in der Liga

Bayern-Profi Müller: Erste Niederlage nach acht Siegen in der Liga

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Vielleicht wird Jérôme Boateng irgendwann über die Szene lachen können. Über diese 86. Minute im Heimspiel des FC Bayern gegen Leverkusen, als Münchens Innenverteidiger vermutlich das Eigentor der Saison unterlief. Es gehört schon sehr viel Fantasie dazu, sich eines auszumalen, das an den verbleibenden 25 Spieltagen kurioser sein soll als das von Boateng, von dessen Gesicht der Ball ins Bayern-Tor sprang, nachdem Leverkusens Sidney Sam die Kugel direkt auf die Nase des 24-Jährigen geköpft hatte.

Das Tor war bezeichnend für das Spiel der Bayern gegen Bayer, denn alles an diesem Sonntagabend lief irgendwie gegen die Gastgeber. Die 1:2-Pleite ist kein Drama, schließlich waren die Münchner das klar bessere Team; aber das Spiel sollte zumindest ein Warnschuss sein für den mit acht Siegen in acht Bundesligaspielen so furios gestarteten Spitzenreiter. Er hat nach dieser Niederlage kein großes Problem - dafür aber mehrere Problemchen.

Die erste Erkenntnis: Trotz ihrer spielerischen Klasse darf sich die Mannschaft zu keinem Zeitpunkt Nachlässigkeiten leisten. Das klingt abgenutzt. Es trifft aber den Kern, wenn man sieht, wie sorglos Philipp Lahm vor dem 0:1 verteidigte oder wie weit Boateng vor dem 1:2 zu weit weg stand von Sam - bei allem Unglück in dieser Situation.

Es sind solche Unachtsamkeiten, die Bayerns Sportchef Matthias Sammer wütend machen. Genau deshalb hatte er nach dem Auswärtsspiel in Bremen die Mannschaft angezählt. Weil er glaubte, einen gewisse Zufriedenheit bei den Spielern festgestellt zu haben. Damals gingen die Bayern bei Werder als Sieger vom Feld, weshalb einige den Zeitpunkt von Sammers Kritik für falsch hielten. Nach dem Leverkusen-Spiel hätten die Worte des Sportchefs perfekt gepasst.

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Weil Sammer dieses Mal aber schwieg, war es an Trainer Jupp Heynckes, das Spiel zu kommentieren. "Die Niederlage wird uns nicht umwerfen", sagte der Coach: "Aber wir müssen unsere Lehren daraus ziehen."

Eine weitere ist die Erkenntnis, dass in diesem exzellenten Bayern-Kader jede Position doppelt gut besetzt ist, alle Ausfälle qualitativ und quantitativ kompensiert werden können. Mit einer Ausnahme: Ist der in den vergangenen Wochen überragende Franck Ribéry nicht dabei, fehlt für die linke Außenbahn eine echte Alternative.

Weil der Franzose mit Oberschenkelproblemen pausierte, lief David Alaba im linken offensiven Mittelfeld auf. Das konnte schon deshalb kaum funktionieren, weil der Österreicher gerade erst sein Comeback nach mehrmonatiger Verletzungspause gefeiert hatte. Toni Kroos wäre noch ein Kandidat für links gewesen, aber wer hätte dann als Spielmacher agieren sollen? Thomas Müller wäre dafür eine Option, aber dann hätte Heynckes wiederum rechts eine Lücke gehabt, die der ebenfalls gerade erst genesene Arjen Robben noch nicht wieder füllen kann.

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Der Niederländer wäre wohl auch deshalb kein optimaler Kandidat gegen Bayer gewesen, weil die Gäste fast über 90 Minuten darauf bedacht waren, kein Gegentor zu bekommen und dafür die Mitte dicht machten. Vor der vier Mann starken Abwehrkette agierten in Simon Rolfes, Stefan Reinartz und Lars Bender drei Spieler, deren Job es in erster Linie ist, Tore zu verhindern.

Robbens Art zu spielen, von rechts nach innen zu ziehen und dann mit links den Abschluss zu suchen, wäre nicht das Mittel gewesen, um dieses Bollwerk zu knacken. Eher so, wie Ribéry gerne spielt: Bis zur Grundlinie gehen und dann scharf in die Mitte passen. Genau so kamen die Bayern zu großen Chancen Anfang beider Halbzeiten, als Müller über rechts und später Xherdan Shaqiri über links die Vorlagen gaben. Auch das zwischenzeitliche 1:1 durch Mario Mandzukic fiel nach Vorlage von links, Claudio Pizarro hatte geflankt.

Den Bayern - und das ist ein weiterer Grund für die Niederlage - fehlten gegen Leverkusen über die gesamte Spielzeit die Zielstrebigkeit und Explosivität, diese letzte Konsequenz in den Aktionen, die Ribéry im speziellen und das Team im allgemeinen unter anderem beim 5:0-Sieg gegen Fortuna Düsseldorf zeigte. Wenn dann noch ein überragender Gäste-Torwart (Bernd Leno) und Pech (Pizarros Kopfball auf die Latte in der Schlussphase) dazukommen, verliert auch der FC Bayern Spiele wie gegen Bayer.

"Die Mannschaft wird nach der Niederlage Druck kriegen, damit muss sie fertig werden", sagte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge: "Wir müssen jetzt zeigen, dass wir mit dem Druck besser umgehen können als im letzten Jahr zum selben Zeitpunkt."

Damals war der FC Bayern Ende Oktober Tabellenführer, genau wie jetzt. Damals wie heute hatte der Club vier Punkte Vorsprung auf den FC Schalke 04. Meister wurde am Ende der vergangenen Saison Borussia Dortmund.