Bayern-Niederlage gegen Leverkusen Die Widerlegung des Müllerschen Gesetzes

Wenn Thomas Müller in der Bundesliga trifft, verliert der FC Bayern nicht. In 87 Spielen hatte sich das bewahrheitet - bis jetzt.

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Szene des Spiels: Die Zielstrebigkeit war es, die beide Teams an diesem Abend unterschied. Den Bayern fehlte sie mehrfach, am deutlichsten war dies bei der Chance von Ivan Perisic genau vor der Pause zu beobachten. Drei Bayern liefen auf Leverkusens Torwart Lukas Hradecky zu, Serge Gnabry legte zum Kroaten quer, doch der zögerte zu lang, um den Ball über die Linie zu drücken. So konnte Lars Bender noch heranrauschen und mit einer beherzten Grätsche die Führung in die Pause retten.

Ergebnis des Spiels: 2:1 stand es zur Halbzeit, 2:1 blieb es bis zum Ende. Lesen Sie hier den Spielbericht.

Die erste Hälfte: War geprägt durch Aktionen und Reaktionen. In der 9. Minute hatte Gnabry die erste große Bayern-Chance, scheiterte jedoch am Pfosten. 40 Sekunden später traf Leon Bailey auf der Gegenseite zur Führung für Leverkusen (10.). Thomas Müller machte es in der 34. Minute genauer als Gnabry und glich das Spiel aus. Nur 113 Sekunden später war Bailey erneut zur Stelle und stellte die Führung der Gäste wieder her (35.).

Es müllert wieder: Fast neun Monate ist es her, dass Thomas Müller zuletzt in der Bundesliga traf. Sein Tor war sein erstes seit dem Treffer am 9. März beim 6:0-Erfolgder Bayern gegen Wolfsburg.

Ende einer Selbstverständlichkeit: Es gab beim FC Bayern ein Gesetz: Wenn Müller in der Bundesliga trifft, verliert der FC Bayern das Spiel nicht. 82-mal gewann der Klub, wenn Müller zuschlug, fünfmal gab es ein Remis. Eine Niederlage trotz Müller-Tor ist neu.

Die zweite Hälfte: Die Chancen waren durchaus da, nur die Tore fielen nicht. Leon Goretzka traf in der 77. Minute mit dem Kopf nur den Pfosten, kurz vor Schluss köpfte Robert Lewandowski den Ball an die Latte (90.+2). Alle anderen Gelegenheiten vereitelte der hervorragend aufgelegte Hradecky im Leverkusener Tor. Auch die Überzahl nach der Roten Karte gegen Jonathan Tah in der 81. Minute konnten die Gastgeber nicht nutzen.

Dominante Bayern: Leverkusen spielt unter Peter Bosz Offensivfußball, liebt es, das Tempo zu diktieren. Vor der Partie hatte nur der FC Bayern in der Liga öfter auf das gegnerische Tor geschossen als Bayer. In München nahm sich das Team zurück und überließ den Bayern das Spiel. Bayer hatte nur 26 Prozent Ballbesitz, so wenig wie noch nie unter Bosz. 26 Schüsse gaben die Bayern ab, elf gingen auf das Tor. Vier Großchancen hatte das Team. Es brachte nichts.

Endstation Hradecky: Beim Gegentor wurde der Schuss von Müller unglücklich von Sven Bender abgefälscht, ansonsten hielt Leverkusens Keeper alles, was auf sein Tor kam. Zehn Paraden zeigte der Finne, besonders stark reagierte er in der 62. Minute, als er erst den Schuss von Lewandowski und dann auch noch den Nachschuss von Müller abwehrte.

Verloren unter Flick: Noch eine Serie ist gerissen, wenn auch eine deutlich jüngere. Vier Spiele, 16:0 Tore - Hansi Flick war besser gestartet als jeder Bayern-Trainer vor ihm. Damit ist es jetzt vorbei.

Rauschende Feste, schlimmer Kater: In dieser Bundesligasaison ist es erst das zweite Heimspiel, das der FC Bayern verloren hat. Beiden Niederlagen gingen große Galaabende in der Champions League voraus. Anfang Oktober war es das 1:2 gegen Hoffenheim, das auf den 7:2-Triumph bei Tottenhamfolgte. Die neuerliche Niederlage ist das erste Spiel nach dem Sechs-Tore-Schützenfest, das der FC Bayern unter der Woche in Belgrad gefeiert hatte.

Uli Hoeneß hatte seinen Posten als Bayern-Präsident vor zwei Wochen an Herbert Hainer übergeben
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Uli Hoeneß hatte seinen Posten als Bayern-Präsident vor zwei Wochen an Herbert Hainer übergeben

Gefeiert wurde trotzdem: Allerdings vor allem vor dem Spiel. Da wurde Uli Hoeneß zeremoniell als Präsident verabschiedet und in den Stand des Ehrenpräsidenten erhoben. Die vier Vorstandsmitglieder Karl-Heinz Rummenigge, Jan-Christian Dreesen, Andreas Jung und Jörg Wacker überreichten ihm einen Gamsbart und einen Blumenstrauß. Zudem wird eine Lounge im Stadion zukünftig nach Hoeneß benannt.

Bayern München - Bayer Leverkusen 1:2 (1:2)
0:1 Bailey (10.)
1:1 Thomas Müller (34.)
1:2 Bailey (35.)
München: Neuer - Pavard, Martinez (80. Thiago), Alaba, Davies - Kimmich, Goretzka - Gnabry, Thomas Müller (69. Coutinho), Perisic (69. Coman) - Lewandowski
Leverkusen:
Hradecky - Lars Bender, Tah, Sven Bender, Wendell (65. Sinkgraven) - Aranguiz (80. Demirbay), Baumgartlinger - Bailey (63. Bellarabi), Amiri, Diaby - Volland
Schiedsrichter: Guido Winkmann
Gelbe Karten: Goretzka - Baumgartlinger, Bellarabi, Sven Bender
Rote Karte: Tah
Zuschauer: 75.000 (ausverkauft)

insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
ardiles 30.11.2019
1. Kimmich und Müller
Kimmich ist auf seiner aktuellen Position weder mit als auch ohne Ball besser wie Thiago. Das Problem: Auf rechten Seite ist Pavard auch besser wie er. Gegen starke Mannschaften schwimmt Kimmich immer in der Verteidigung und ist ein Unsicherheitsfaktor. Bei Müller ist es eine Never-ending-Story: Müller verstolpert, Müller verliert Bälle, Müller ist unflexibel. Außerdem schnappen sich Müller und Goretzka gegenseitig immer die Räume weg. Nirgendwo in Europa würde Müller als Stammkraft auflaufen aber bei den Münchenern steht seine bayerische Wurzel scheinbar höher in der Gunst wie seine Performance auf dem Platz.
citycity 30.11.2019
2.
Schöner Sieg von Leverkusen... der zweite in Folge in der Bundesliga, Anfang des Jahres gab es in der BayArena auch ein 3:1. Aber vielleicht könnte man den Artikel noch ein klein wenig mehr aus der Bayernsicht schreiben? Wenn man die Überschrift ließt kommt man nämlich doch darauf, wer hier Gegner und Gewinner des Spiels war, sieht nicht so aus als ob der Spiegel das beabsichtigt hatte. Ironie aus: Warum schreibt man so einen Artikel komplett nur aus Sicht der Bayern und Thomas Müller? Bitte ein bisschen objektiver.
maxbeck54 30.11.2019
3. Müller hatte
schon die WM versemmelt und ist noch davon gekommen. Bei Bayern war er der Intrigant gegen Niko K. Mal sehen, ob er diesmal mit seinen nicht Top-Leistungen noch Mal davon kommen wird?
ardbeg17 30.11.2019
4. Arme Leverkusener
Gewöhnlich rächt es sich, in einem Spiel gegen die Bayern so viel Dusel zu haben. Die drei gewonnen Punkte werden sie in den nächsten Wochen dreifach wieder verlieren.
hausfeen 30.11.2019
5. Eher ein Kollektivversagen. Vom Platzwart bis in die Spitze.
Hoeneß wurde gefeiert, als sei er gerade verstorben. Das zeigt, wie krank das System Bayern ist. Wer kritisiert ist automatisch ein bayernfeindlicher Grantler. Da kommt nix an Vernunft an. Kovac hat zu diesem Spezl-Haufen nie eine Beziehung finden können. Und wenn, dann hätte es auch nicht geholfen. Dass er von Frankfurt weg ging, war ein riesiger Fehler. Die Eintracht stünde heute u.U. in der Tabelle vor den Bayern.
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