Bayerns Remis gegen Freiburg Doch nicht zu groß für die Bundesliga

Künftig nur noch gegen Barcelona, PSG und Chelsea? Die Gegenwart ist trister: Seit Mitte September wartet der FC Bayern auf einen Heimsieg. Weder Kimmichs neue Rolle noch Gnabrys spätes Tor konnten das ändern.

Bayern-Spieler nach dem Remis gegen Freiburg
REUTERS

Bayern-Spieler nach dem Remis gegen Freiburg


Spieler des Spiels: War neun Minuten lang Serge Gnabry, der mit einer sehenswerten Einzelleistung in der 80. Minute das zähe Bundesligaduell zwischen München und Freiburg scheinbar zugunsten der Gastgeber entschieden hatte. Ein 1:0-Arbeitssieg für den FC Bayern - nichts, worüber man lange reden müsste. Aaaaaber: In der 89. Minute verlor Gnabry seinen Titel jäh wieder, weil Freiburgs Lucas Höler noch der Ausgleichstreffer gelang.

Das Ergebnis: 1:1 (0:0). Freiburg entführt überraschend einen Punkt aus München. Hier finden Sie die übrigen Ergebnisse des Nachmittags.

Lucas Höler bejubelt das 1:1
RONALD WITTEK/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Lucas Höler bejubelt das 1:1

Thema des Tages: Waren die aktuellsten #FootballLeaks-Recherchen, denen zufolge ein Geheimbund um den FC Bayern monatelang an der Umsetzung einer privaten Eliteliga gearbeitet haben soll. Das hatte der Klub bereits am Freitag dementiert. Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge sagte vor dem Spiel gegen den SC Freiburg noch einmal: "Wir stehen total zu unserer Mitgliedschaft in der Bundesliga." Der anschließende Auftritt zeigte, dass der FC Bayern dort sportlich aktuell auch sehr gut aufgehoben ist.

Die erste Hälfte: Begann mit viel Bewegung beim FC Bayern, zumindest eine Viertelstunde lang zeigte die Vierer-Mittelfeldreihe, dass sie die Anweisung von Trainer Niko Kovac ("Wir müssen zusehen, dass wir hinter die Kette kommen") verstanden hatte. Danach wurde es minütlich biederer. Die größte Chance vergab Robert Lewandowski (26.), der frei vor SC-Keeper Alexander Schwolow partout mit dem rechten Fuß abschließen wollte und Schwolow anschoss, Arjen Robben scheiterte zudem mit einem Super-League-tauglichen Seitfallzieher (34.), viel mehr war allerdings nicht. 72 Prozent Ballbesitz, aber 0:0. Der FC Bayern im Herbst 2018.

Pausenfazit: Nach 45 Minuten gab es vereinzelte Pfiffe im Münchner Stadion. Sicher, unschön für die Bayern-Spieler, aber nichts, das den Schutzbereich der Menschenwürde (Art. 1 I GG) gestreift hätte. Zumal das Publikum wohl weniger den Eigenwert der ausgepfiffenen Individuen schlechthin infrage stellte als die Tauglichkeit des Münchner Angriffsspiels. In dubio pro zahlender Kunde.

Lernen von Löw: Auf gleich sechs Positionen hatte Kovac seine Elf im Vergleich zum mühsamen 2:1-Sieg beim Viertligisten Rödinghausen umgestellt. Der prominenteste "Neue" war dabei paradoxerweise ein Spieler, der zuvor in ausnahmslos jedem der vorherigen neun Bayern-Spiele in der Startformation gestanden hatte. Stammaußenverteidiger Joshua Kimmich durfte in dieser Saison erstmals auf der Sechserposition ran - wie zuletzt auch in der DFB-Auswahl. Empfehlen konnte sich der sonst so zuverlässige Kimmich dort jedoch weniger, er leistete sich mehrere überflüssige Ballverluste.

Die zweite Hälfte: Startete mit der vermeintlichen Führung für den Außenseiter, Freiburgs Tim Kleindienst köpfte nach einem Freistoß ein, stand aber knapp im Abseits (54.). Drei Minuten später sprang der Ball Manuel Gulde an die Hand, Felix Zwayer aber entschied auch nach laaangem Studium der TV-Bilder auf Eck- statt Strafstoß. Richtig so. Franck Ribéry kam ins Spiel, Müller ebenso, Freiburg hielt konzentriert dagegen. Dann kam Gnabry. Dann kam Höler (siehe oben).

Erkenntnis des Spiels I: Der SC Freiburg hat nur eins seiner vergangenen acht Bundesligaspiele verloren. In München konnte man sehen, warum. Stark organisiert, nach einer guten Viertelstunde auch gegen die individuell natürlich überlegenen Bayern-Spieler perfekt eingestellt - dazu noch mit dem Selbstvertrauen und den Fähigkeiten, nach dem späten Rückstand noch einmal zu drei eigenen Chancen zu kommen. Freiburg funktioniert als Team! Respekt, Christian Streich.

Erkenntnis des Spiels II: Und jetzt? Muss Bayern eben weiter auf einen Heimsieg warten, nicht mehr und nicht weniger. Weder lässt sich mit diesem Remis die Krisenerzählung weitertreiben, noch taugt es als Wendepunkt. Ein bisschen wie in TV-Serien, bei denen den Produzenten nach acht oder neun Folgen auffällt, dass sie ein wenig aufs Budget achten müssen, um dann eine Episode mit wenigen Schauplätzen und komplett ohne Spezialeffekte einzubauen. Die nächste Folge wird wieder spektakulärer: BVB gegen FC Bayern, Samstag, 10. November, 18.30 Uhr (Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: Sky). Und mit ein bisschen Glück fühlt sich das dann ein wenig an wie die Super League.

Bayern München - SC Freiburg 1:1 (0:0)
1:0 Gnabry (80.)
1:1 Höler (89.)
Bayern München: Neuer - Rafinha, Süle, Boateng, Alaba - Kimmich - Sanches, James (71. Müller) - Robben (63. Ribéry), Gnabry (83. Goretzka) - Lewandowski
SC Freiburg: Schwolow - Stenzel, Gulde, Heintz, Günter - Koch, Höfler - Haberer, Frantz (68. Terrazzino) - Höler (90. Lienhart), Kleindienst
Gelbe Karten: Rafinha / Schwolow
Schiedsrichter: Felix Zwayer
Zuschauer: 75.000



insgesamt 36 Beiträge
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Thorkh@n 03.11.2018
1. Vielleicht ...
... sollte Holstein Kiel in der Super League spielen, die "Störche" haben jüngst Freiburg im Pokal bezwungen.
gammoncrack 03.11.2018
2. Lob an SPON
Sehr vorsichtig das Spiel der Bayern beschrieben. So will es das Grundgesetz nun einmal.
spon1899 03.11.2018
3.
Es ist eine Respektlosigkeit kurz vor Schluss den Ausgleich zu machen. Das werden wir uns zukünftig nicht mehr gefallen lassen und entsprechend reagieren.
hajueberlin 03.11.2018
4. Mich überrascht
die "Schwäche" der Bayern nicht. Müller wollte weg, Boateng und Lewandowski auch(noch Andere? Bin kein Fussballfan und habe kein tiefes Wissen. Schaue nur ab und zu und habe ein gerütteltes Maß an Lebenserfahrung.). Irgendwie wurden sie gezwungen zu bleiben. Sie reden zwar positiv über ihren Verein/Job, aber ich nehme es ihnen nicht ab. Sie zeigen nicht das, was sie wirklich können. Auf mich machen sie den Eindruck, als wenn sie keine Lust hätten/nur Dienst nach Vorschrift machen würden, damit sie Einsätze haben und die Prämien bekommen. Vielleicht sind sie auch in einem Zustand der inneren Kündigung. Weiß nicht. Dabei gebe ich ihnen keine Schuld. Der Fisch fängt immer vom Kopf her an zu stinken. Wenn ein Mitarbeiter gehen will, soll man ihn gehen lassen. Reisende soll man nicht aufhalten. Höneß und Rummenigge reden doch allerweil davon, dass so viele Spieler der Nationalmannschaft von den Bayern sind. Yo. Oder Ex-Bayern. Die Geschichte kennt einige Beispiele. Warum, frage ich mich, haben die Beiden die Spieler nicht gehen lassen? Am Geld kann es nicht liegen. So, wie die immer mit ihrer Kohle angeben. Zumal sie ja auch hohe Ablösen bekommen hätten. Eine zufriedene Mannschaft "sieht" anders aus. Und die Unzufriedenheit färbt ab. Ich denke, die Spieler sind alle sehr gut, aber der Mannschaftsgeist fehlt. Rummenigge und Höneß haben in die Lebens-/Karriereplanung von Menschen eingegriffen. Und bekommen jetzt die Rechnung (Ihrer Arroganz, andere Menschen nicht zu respektieren.). Wobei ich nicht verstehe, dass die Spieler sich das gefallen lassen. Sicher, Verträge müssen eingehalten werden. ABER... im Profifußball gelten andere Regeln. Langfristige Verträge haben nur den Sinn, die Ablösen in die Höhe zu treiben. Na ja... muss ich ja auch nicht verstehen. Viel Spaß trotzdem hajue
fizzybubblech 03.11.2018
5. Die Bayern und Superliga...
... das wird doch nix! Erstmal in der Bundesliga zeigen, dass man mit dem BvB mithalten kann!
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