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Pleite gegen Chelsea: Bayerns Suche nach Gewinnern

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Münchner Einkaufspläne Bayern braucht jetzt einen Beißer

Nie wieder so eine Pleite! Nach der Niederlage gegen Chelsea will Bayern München seinen Kader krisenfest machen. Präsident Uli Hoeneß vermisst einen Kerl wie den früheren Grätscher Jens Jeremies - doch ausgerechnet diesen Spielertyp hatte der Club bisher nicht auf dem Einkaufszettel.

Berlin - Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat es derzeit nicht leicht. Nach dem schmerzhaften Champions-League-Finalunglück beklagte er zuletzt auch noch die Abwesenheit eines Spielers. Genauer gesagt: eines Spielertypen. Er habe in der Bayern-Mannschaft "keinen Jens Jeremies gesehen, der dem Gegner schon beim Einlaufen in die Waden beißt", verkündete der geplagte Vereinsboss. Das Bemerkenswerte daran: Die Münchner haben schon drei neue Feldspieler für die kommende Spielzeit verpflichtet - ein Jeremies ist nicht dabei. Im Gegenteil.

Der frühere Bayern-Verteidiger, der von 1998 bis 2006 die Knochen für den Club hinhielt, war keiner aus der Feinkostabteilung. Eher einer, der für vieles stand, was Fußball-Ästheten ablehnen. Ein Grätscher, einer, der das Spiel kaputt machte, ein Zerstörer. Einer, der kein enges Verhältnis zum Spielgerät pflegte. Manchmal wirkte er wie ein Anti-Fußballer. Aber er war auch einer, der sich die Lunge aus dem Leib rannte, der jeden Grashalm im Olympiastadion mit Vornamen kannte. Solche Profis werden nicht in Weltauswahlen berufen. Dafür ist ihnen aber der Status des Publikumslieblings gewiss.

Hoeneß hat recht: Ein solcher Spieler fehlt im Bayern-Kader, seit Mark van Bommel im Vorjahr vor seinem Landsmann und Trainer Louis van Gaal die Flucht Richtung Mailand ergriff. Man sollte auch nicht zu viele davon haben, von den Kämpfern, von den Wühlern, von den Gattusos und Puyols. Vor 20 Jahren waren sie noch die Bestimmer des Fußballs, und die Spiele sahen oft dementsprechend aus. Prinzipiell ist es gut, dass die Zeit über das Prinzip Jeremies hinweggeht. Auch ein Torsten Frings ist nicht mehr die Heldenfigur des Fußballs von heute.

Lahm und Schweinsteiger füllen am ehesten diese Lücke

Aber einer im Team, der die Ärmel aufkrempelt, der sich vor einem Elfmeterschießen nicht abduckt, sondern ganz selbstverständlich antritt - einer von dieser Sorte hätte dem FC Bayern am Samstag, als es drauf ankam, vermutlich sehr gut getan.

Kapitän Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger kommen aus der aktuellen Mannschaft diesem Typus noch am nächsten. Kein Wunder, dass beide auch zu denen gehörten, die Mut beim Elfmeterschießen besaßen - wenn auch mit unterschiedlichem Schussglück. Aber beide sind bei aller Einsatzfreude und bei aller Bereitschaft keine Jeremies-Fußballer. Sie würden Vergleiche mit dem einstigen Wadenbeißer vehement zurückweisen. Sie haben spielerisch weit mehr zu bieten.

Der Deutsche Meister Borussia Dortmund hat so einen Typen noch. Er heißt Sven Bender, ist sicherlich auch einer, der fußballerisch um vieles begabter ist, als es Jeremies je war. Aber Bender bringt diese Mentalität mit, Aufräumer zu sein, sich vollkommen in den Dienst der Mannschaft zu stellen um den Preis, einer der Unauffälligen der Mannschaft zu bleiben. Ein Beißer.

In Basel den falschen Spieler erwischt

Hoeneß hat also eine Leerstelle im Team entdeckt - praktische Folgen für die Transferpolitik des Rekordmeisters hat das aber noch nicht gehabt. Stattdessen vermelden Münchner Medien am Tag nach dem Final-Kater die angebliche Verpflichtung von Bremens Stürmerstar Claudio Pizarro. Ein Spieler, der für seine eingebaute Torgarantie genau so bekannt ist wie für sein regelmäßiges Phlegma und seine Partytauglichkeit. Zuvor haben die Münchner sich auch schon den eleganten Innenverteidiger Dante von Borussia Mönchengladbach geangelt, unverdächtig, einer für die Drecksarbeit zu sein.

Ebenso wie Xherdan Shaqiri, den der Rekordmeister vom FC Basel verpflichtet hat. Dieser trägt zwar den Spitznamen "Kraftwürfel", als seine Hauptqualitäten gelten aber Spiel- und Dribbelstärke. Er wird in München wohl in Konkurrenz zu Toni Kroos und Thomas Müller oder gar Franck Ribéry treten. Noch ein Offensiver mehr.

In Basel war es nicht Shaqiri, sondern vornehmlich dessen junger Nebenmann Granit Xhaka, der fürs Grobe zuständig war. Ein Sechser, der beim Schweizer Titelträger für die Dominanz in der Defensive sorgte.

Auch Xhaka wechselt in die Bundesliga - aber er geht zum Liga-Konkurrenten Borussia Mönchengladbach. Möglicherweise hat der FC Bayern den falschen Mann aus Basel geholt.

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