Bayern Münchens Coman und Gnabry Vorboten des Umbruchs

Mit Tempo und Abschlussstärke könnten Bayerns junge Flügelspieler Serge Gnabry und Kingsley Coman das Rennen um die Meisterschaft mitentscheiden. Allein ihre Verletzungshistorie bietet Grund zur Sorge.

Serge Gnabry
Federico Gambarini/dpa

Serge Gnabry

Aus Düsseldorf berichtet


Fußball ist, das sagen besonders Fußballlehrer sehr gern, ein Ergebnissport. Deshalb entscheidet ein Ergebnis auch darüber, was aus einer kleinen Schlägerei im Training gemacht wird. Der FC Bayern gewann sein Spiel bei Fortuna Düsseldorf, das ihm so viel Anstrengung wie Freude bereitete wie ein Sonntagsspaziergang am Rheinufer, mit 4:1.

Die Prügelei, die es drei Tage zuvor im Training zwischen Kingsley Coman und Robert Lewandowski gegeben hatte, wirkte aufgrund dieses Ergebnisses plötzlich sogar lustig. "Emotionen gehören dazu, wir sind eine lebhafte Truppe", grinste Niklas Süle, bevor er mit angemessenem Ernst klarstellte: "Wir wissen, dass es sich nicht gehört, sich gegenseitig aufs Maul zu hauen."

"Wir haben die Aggressivität gut umgesetzt", nahm Hasan Salihamidzic Bezug auf den Streit zwischen Coman und Lewandowski. Der Sportdirektor fand großen Gefallen an dem Beitrag eines Reporters, der angesichts der beiden Tore von Coman von einem "schönen Doppelschlag" sprach. "Schönes Wortspiel", lachte Salihamidzic und ging zum Mannschaftsbus, in dem Manuel Neuer schon etwas länger saß. An Krücken war der Torhüter dorthin gegangen. Neuer erlitt einen Muskelfaserriss in der Wade an "derselben Wade, die ihm vor zwei, drei Wochen Probleme gemacht hat", wie Niko Kovac sagte. Der Trainer hoffte auf ein gutes Ergebnis der ausstehenden Untersuchung: "Eine neue Verletzung würde uns schon treffen."

Gut in Form und bestens drauf

Die Zeiten, in denen ein längerer Ausfall von Manuel Neuer jedoch einen Verein und seine Fans in tiefe Sorge treibt, sind vorbei. Ganz anders wäre dies, wenn sich zwei Vorboten des Umbruchs in den letzten Wochen des Meisterschaftsstreits mit Borussia Dortmund abmelden müssten. Serge Gnabry, 23 Jahre alt, schoss in Düsseldorf ein Tor und gab eine Vorlage.

Das war ihm auch in drei der vier Bundesligaspiele zuvor gelungen, darunter beim glanzvollen 5:0 gegen den BVB. Gnabry, der rechte Flügelspieler, ist in der heißen Phase der Saison in bester Form. Das ist umso wichtiger für die Münchner, da Arjen Robben weiterhin ausfällt und vielleicht kein Spiel mehr machen kann, bis sein Vertrag im Sommer die Gültigkeit verliert.

Auch der linke Flügelspieler, der 22 Jahre alte Kingsley Coman, ist bestens drauf. Seine bisherigen fünf Saisontore schoss er seit dem 22. Spieltag.

"Was er alles kann, ist einmalig. Aber er kann noch viel mehr", schwärmte Salihamidzic von dem Franzosen, der 2015 als Nachfolger seines Landsmannes Franck Ribéry von Juventus Turin geholt worden war. Coman, das ist inzwischen Konsens unter Fußballfans und Fachleuten, wird dieser hohen Erwartung gerecht werden können. Allein die Verletzungshistorie gibt zu denken. Ein Kapselriss im Sprunggelenk, ein Außenbandriss im Knie, zwei Syndesmosebandrisse: Das sind die schlimmeren Verletzungen, die Coman während seiner Zeit bei den Bayern erlitt. Hinzu kommen weitere kleinere Blessuren.

"Cobry" statt "Robbery"

Die Zeit von Robben und Ribéry, genannt "Robbery", läuft aus. Jetzt kommen "Cobry" über die Flügel, bringen ihr Tempo und ihre Abschlussstärke ein. Jedes der Bundesligaspiele, in denen Coman und Gnabry in dieser Saison zusammen in der Startelf standen, gewannen die Bayern. Allerdings waren es auch erst sechs Spiele, in denen das zutraf.

Die Verletzungshistorie von Gnabry hat auch schon viele Einträge mit mehreren wochen- und gar monatelangen Ausfällen. Die beiden Flügelspieler dürften neidisch auf Robert Lewandowski sein, der in seinen inzwischen fast neun Jahren in der Bundesliga nie länger als zwei Wochen wegen einer Verletzung ausfiel. Auch die Schlägerei mit Coman überstand der Mittelstürmer gut. "Es ist schon längst wieder alles okay zwischen uns. Er hat zwei Tore gemacht, ich freue mich für ihn", sagte Lewandowski in Düsseldorf. Dort war er zum ersten Mal nach zuvor fünf Partien mit einem oder zwei Toren wieder ohne Treffer geblieben.

Das Ergebnis stimmte trotzdem.



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telarien 15.04.2019
1. Guter Artikel
Beide Flügelstürmer sind schon heute sehr stark. Robbery ersetzen, das sind große Vorgaben, ich traue es beiden aber zu. Robben war dabei ja auch immer verletzungsanfällig. Was mir nicht gefallen hat, ist Gnabrys Kaspertheater auf dem Foto aus dem Dortmundspiel. Das wirkt schon etwas wie verhöhnen geschlagener Gegner, sowas muss nicht sein, bei keinem Verein.
Nonvaio01 15.04.2019
2. ????
Zitat von telarienBeide Flügelstürmer sind schon heute sehr stark. Robbery ersetzen, das sind große Vorgaben, ich traue es beiden aber zu. Robben war dabei ja auch immer verletzungsanfällig. Was mir nicht gefallen hat, ist Gnabrys Kaspertheater auf dem Foto aus dem Dortmundspiel. Das wirkt schon etwas wie verhöhnen geschlagener Gegner, sowas muss nicht sein, bei keinem Verein.
ich dachte die geste hatte etwas mit Kochen oder backen zu tun? Ich hab leider nicht mitbekommen was Gnraby zu dieser geste sagte, haben Sie dazu ein link oder aenhliches wo der Sinn dieser Geste von Gnarby oder einem anderen FCB spieler erklaert wird? Danke
ge1234 15.04.2019
3. Genau...
... wegen der Verletzungsanfälligkeit Cobrys wäre Pepes (und nicht Werners) Verpflichtung so immens wichtig! Davies muss erstmal beweisen, dass er auf diesem Niveau mithalten kann!
ferryh 15.04.2019
4. Das ist sein persönlicher Torjubel
Zitat von telarienBeide Flügelstürmer sind schon heute sehr stark. Robbery ersetzen, das sind große Vorgaben, ich traue es beiden aber zu. Robben war dabei ja auch immer verletzungsanfällig. Was mir nicht gefallen hat, ist Gnabrys Kaspertheater auf dem Foto aus dem Dortmundspiel. Das wirkt schon etwas wie verhöhnen geschlagener Gegner, sowas muss nicht sein, bei keinem Verein.
macht er auch nicht erst seit dem Dortmundspiel. Ein Lewandowski hat längere Zeit mit einer Angelhaken-Pose gejubelt, ein CR7 hat auch seinen eigenen Torjubel. Was man davon halten mag muss jeder selbst wissen, aber ich glaube nicht dass es was mit Verhöhnung des Gegners zu tun hat. Dass die Freude beim Spitzenspiel beim Spielstand von 4:0 entsprechend größer ist, ist ja schon verständlich.
Galluss 15.04.2019
5. Beides sind gute Fussballer
Beide sind im besten Fussballeralter (22/23). Und trotzdem sind sie bisher den Beweis schuldig geblieben, genauso so gut wie Ribery (35) und Robben (35) zu sein. Diese Flügelzange wäre nur mit Kimmich und Reus zu ersetzen. Die beide nicht auf ihren Idealpositionen spielen. Aber genau dann -wenn sie mal durften- auf diesen Aussenstürmer-/Läuferpositionen ihre besten Leistungen abliefern. Sorry, aber ich sehe nicht das Potential in den beiden Münchnern Nachfolgespielern. Gut ja. aber nicht gut genug. Warum Kimmich? Der hat Herz, taktisches Verständnis und Ballgefühl. Warum Reus? Der kann selbst Tore schiessen (wie einst Podolski). Und schiesst nie meterweit übers Tor. Mit Wucht und Schnelligkeit sich festzurennen ist wahrlich uneffektiv.
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