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Dortmund-Sieg in München: Götze schießt den BVB ins Glück

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Bayern-Pleite gegen Dortmund Schweinsteiger-Ersatz dringend gesucht

Der Bayern-Angriff versagte gegen Dortmund, Kroos war als Ersatz von Schweinsteiger überfordert. Vor dem wichtigen Champions-League-Match gegen Villarreal wird deutlich, dass die Münchner ohne ihren Spielmacher nur wenig Offensivdrang entwickeln. Alternativen gibt es kaum.
Von Sebastian Winter

Bayern Münchens Torhüter Manuel Neuer saß nach der 0:1-Niederlage gegen Borussia Dortmund in einem Gang und schaute sich auf einem Fernsehbildschirm noch einmal die entscheidenden Szenen des Spiels an: Die orientierungslose Pirouette, die sein Innenverteidiger Jérôme Boateng vor dem Treffer des Dortmunder Stürmers Mario Götze im Strafraum gedreht hatte.

Franck Ribérys schnellen Konter, der in einer starken Parade des BVB-Torwarts Roman Weidenfeller geendet hatte.

Die anrennenden Bayern hatten zwar noch ein paar Chancen durch Luiz Gustavo, Holger Badstuber und Nils Petersen, aber keinen Erfolg.

Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sah den Grund in der starken Abwehrleistung seiner Mannschaft: "Wenn man die Offensiv-Streitmacht der Bayern kennt, ist es schon ein Zeichen guter Organisation, wenn so wenige Chancen passieren."

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Grafische Analyse: Verzweifelter Robben, Laufwunder Bender

Foto: MICHAEL DALDER/ REUTERS

Das ist die eine Seite der Wahrheit. Die andere Seite findet man in der großen Zahl von Fehlpässen und Missverständnissen, die ein entscheidender Faktor dafür waren, dass die Bayern nach 23:0 Toren in den vergangenen fünf Liga-Heimspielen nun die zweite Niederlage kassierten.

Denn der Mannschaft von Jupp Heynckes gelang an diesem Abend kaum eine schnell herausgespielte Kombination, jenes überfallartige Spiel aus der geordneten Defensive, das sie zuletzt ausgezeichnet hatte. Kaum einmal war sie in der Lage, schnell vor das Tor der Dortmunder zu kommen und die Defensive des Titelverteidigers in Verlegenheit zu bringen. "Wir hatten insgesamt zu wenig Bewegung im Spiel nach vorne heute, es war nicht geprägt von Aktionen und großem Laufradius", begründete Bayern-Kapitän Philipp Lahm diese Ungenauigkeiten, die man lange nicht mehr in dieser Form im Bayern-Spiel gesehen hatte.

Heynckes hatte die Mannschaft umstellen müssen, weil neben dem mit einem Schlüsselbeinbruch auf der Tribüne sitzenden Bastian Schweinsteiger auch der rotgesperrte Anatolij Timoschtschuk fehlte. Der Bayern-Trainer konnte somit auf zwei wichtige Defensivsäulen nicht zurückgreifen. Dafür rückte Toni Kroos erstmals unter Heynckes bei den Bayern ins defensive Mittelfeld, Thomas Müller nahm Kroos' zentrale Offensivposition ein, der wieder genesene Arjen Robben spielte auf dem rechten Flügel.

Kroos kam mit seiner neuen Rolle nicht zurecht

Heynckes hatte also nicht nur den zuletzt so erfolgreichen Angriffsblock Ribéry - Kroos - Müller gesprengt, sondern gezwungenermaßen seinem in der Offensive zuletzt so starken Spieler Kroos die Rolle des Regisseurs und Ballverteilers zugedacht.

Nach der Dortmund-Niederlage muss man sagen, dass diese Rochade misslungen ist.

Müller war für Kroos an diesem Tag kein adäquater Ersatz in der Offensivmitte. Und weder war der von seinem Gegenspieler Marcel Schmelzer bestens abgeschirmte Robben besonders effektiv, noch brachte Kroos die Passsicherheit, Struktur und Übersicht in das Bayern-Spiel hinein, die Heynckes sich vom Schweinsteiger-Ersatz erhofft hatte.

"Das darf kein Problem sein, wir haben ja nicht das System verändert. Toni hat auch in der Nationalmannschaft auf dieser Position gespielt", sagte Philipp Lahm zu dieser Problematik. Doch zugleich betonte er erneut, wie sehr sie Schweinsteiger, der wohl bis zur Winterpause ausfällt, als Ideengeber auf dem Rasen vermissen: "Durch seine Erfahrung, das Passspiel, die Präsenz auf dem Spielfeld fehlt uns Bastian."

Es sind nicht nur diese drei Punkte, die Kroos an diesem Abend von Schweinsteiger unterschieden. Der 21-Jährige, der sich in der zentralen Offensive besser aufgehoben sieht als in der Sechser-Rolle, hatte das Spiel nicht so dirigieren können, wie Schweinsteiger es zuletzt getan hat.

"Einfach Schnauze abputzen und wieder gewinnen"

Der FC Bayern München, der nach wie vor Tabellenerster ist, könnte in den kommenden Wochen vor einem größeren Problem stehen, als ihm lieb ist. Denn nach Schweinsteigers Verletzung im Champions-League-Spiel gegen den SSC Neapel haben die Bayern nicht mehr wirklich überzeugen können: Gegen die Italiener gaben sie fast noch den Sieg aus der Hand, beim knappen Erfolg in Augsburg wirkten sie ebenfalls nicht souverän, nun folgte die Niederlage gegen Dortmund.

Heynckes hat nur wenige Alternativen: Falls er im wichtigen Champions-League-Spiel gegen Villarreal am kommenden Dienstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) Kroos nun doch wieder in die Offensive stellen würde, müssten Robben oder Müller auf die Bank. Der in der Champions League nicht gesperrte Timoschtschuk könnte dann neben Gustavo wieder ins defensive Mittelfeld. Womöglich ist dies der bessere Weg, um wieder zu jener Offensivkunst zurückzufinden, die die Bayern bis zum Neapel-Spiel ausgezeichnet hatte.

"Das war kein guter Spieltag für uns. Die Ligaspitze ist jetzt enger zusammengerückt", sagte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge am Abend, zugleich gab er der Mannschaft vor, wie sie das Spiel gegen Villarreal nun angehen solle: "Einfach Schnauze abputzen und wieder gewinnen."

Bayern München - Borussia Dortmund 0:1 (0:0)
0:1 Götze (65.)
München: Neuer - Rafinha (79. Petersen), Boateng, Badstuber, Lahm - Luiz Gustavo, Toni Kroos - Robben (72. Alaba), Thomas Müller (72. Olic), Ribery - Gomez Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Felipe Santana, Hummels, Schmelzer - Sven Bender, Kehl (79. Leitner) - Götze, Kagawa (89. Perisic), Großkreutz - Lewandowski (90. Barrios)
Schiedsrichter: Peter Gagelmann (Bremen)
Zuschauer: 69.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Luiz Gustavo (2), Badstuber (2) - Kehl (3)

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