Bayern-Präsident Hoeneß "Das ist für den FC Bayern der GAU"

Sieben Spiele, acht Punkte: Die Lage beim FC Bayern ist durch die Niederlage gegen Dortmund noch prekärer geworden. Die Stürmer treffen nicht, die Defensive schwächelt, die Stars Arjen Robben und Franck Ribéry sind verletzt. Im Interview schlägt Bayern-Präsident Uli Hoeneß Alarm.


Frage: Uli Hoeneß, nach einer guten ersten Halbzeit mit einigen ungenutzten Chancen hat Bayern München bei Borussia Dortmund letztlich verdient verloren. Wie bewerten Sie die Leistung?

Hoeneß: Wir haben in der ersten Halbzeit sehr ordentlich gespielt, sicher. Aber dass wir die guten Chancen nicht verwerten, reicht mir als Erklärung nicht mehr aus. Wir gewinnen zu wenig Zweikämpfe. Wir dürfen uns nicht mehr in die Tasche lügen.

Frage: Betrifft das vor allem die Nationalspieler, die immer wieder die hohen Belastungen der Vorsaison als Erklärung für die Misere anführen?

Hoeneß: Einige kommen nach der tollen Vorsaison und der WM mit der Höhenluft nicht zurecht. Es ist endgültig der Zeitpunkt gekommen, dass wir den Mantel der Nächstenliebe weglegen und die Dinge deutlich ansprechen. Sonst gibt es ein böses Erwachen.

Frage: Wie sehr wurmt Sie denn die Tatsache, dass die Mannschaft nach dem 0:1 nichts mehr zuzulegen hatte?

Hoeneß: Wir haben am Dienstag in Basel gespielt, Dortmund am Donnerstag gegen Sevilla. Ich habe mir gedacht: Eigentlich müssten die in der zweiten Halbzeit einbrechen. Aber was passiert? Wir waren es, die am Ende nichts mehr draufhatten.

Fotostrecke

16  Bilder
Fotostrecke: BVB verkloppt FCB, der VfB verzweifelt
Frage: Als weitere Erklärung für die spielerische Not wird auch das Fehlen von Arjen Robben und Franck Ribéry immer wieder angeführt - auch von Ihnen?

Hoeneß: Dass sie fehlen, ist eine Erklärung. Diese spielerische Substanz kann man nicht auffangen. Aber es muss Schluss sein damit, ständig zu trauern und den beiden nachzujammern. Da müssen eben auch mal andere in die Bresche springen.

Frage: Die Lage in der Bundesliga ist für Bayern-Verhältnisse schon fast dramatisch.

Hoeneß: Acht Punkte nach sieben Spielen: Das kann nicht sein! Mainz hat 13 Punkte Vorsprung, das ist für den FC Bayern der Super-GAU! Ich kann mich nicht erinnern, dass wir jemals nach nur einem Viertel der Saison so viele Punkte Rückstand hatten.

Frage: In der Champions League sieht es nach zwei Siegen in zwei Spielen freundlicher aus. Ein Lichtblick?

Hoeneß: Die Erfolge in der Champions League sind schön und gut, aber mit der Gesamtsituation kann man nicht zufrieden sein. Wir müssen uns selbst zurufen: 'Hallo wach!' Wir müssen jetzt aufhören, ständig mit guter Laune und pfeifend herumzulaufen. Schluss damit!

Aufgezeichnet von Christoph Leuchtenberg, sid

insgesamt 75 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
loncaros 04.10.2010
1. t
Was ist denn ein "böses Erwachen" für UH?
WvdV 04.10.2010
2. Klinsmann
Wenn Klinsmann so ewtas abgeliefert hätte, wäre dieser längst zum Abschuss frei gegeben und im Kruzifix-Bayern längst gekreuzigt worden. Herr v. Gaal gilt bei Bayern M. halt als sakrosankt und kann sich vieles leisten. Bayern messen mit zweierlei Mass. Tut mir eigentlich leid um Klinsmann.
avollmer 04.10.2010
3. Spitzen-zentriertes Spielkonzept versagt
Der FC Bayern zentriert sein Spiel auf seine Stars und muss es auch um die Ausgaben zu rechtfertigen und für die Sponsoren die passenden Köpfe heraus zu heben. Ein Fußballspiel ist aber nicht nach Marketinggesichtspunkten optimierbar. Vertikale Hierarchien sind nie effektiv, selbst beim Militär nicht mehr. Ein Teil der Spieler hat bei der WM eine positive Erfahrung mit horizontaler Hierarchie gemacht und ist dadurch für das alte Konzept "verdorben". Pech gehabt. Ideen von Löw im Kopf und strategische Anweisungen von van Gaal im Ohr, das geht schief. Das Gegenteil sieht man bei Mainz 05, hier schreibt man die zeitgemäßen Konzepte fort. Bayern muss aufpassen, dass es den Anschluss nicht auf allen Feldern verliert, nicht nur in der Tabelle.
rkinfo 04.10.2010
4. Anno 2015 ...
Zitat von sysopSieben Spiele, acht Punkte: Die Lage beim FC Bayern ist durch die Niederlage gegen Dortmund noch prekärer geworden. Die Stürmer treffen nicht, die Defensive schwächelt, die Stars Arjen Robben und Franck Ribéry sind verletzt. Im Interview schlägt Bayern-Präsident Uli Hoeneß Alarm. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,721064,00.html
Früher gabs dann den Nachwuchs der die Lücke füllte - und jetzt ? Bayern und Schalke haben auf teurer Stars gesetzt die man irgendwie zu einer Top-Mannschaft verlöten wollte - wie die Jahre davor. Aber die Anderen zeigen was heute tatsächlich Erfolg verspricht im Top-Fußball. Anno 2015 muß vielleicht ein Bayern München mit Spielern aufs Feld welche die bayerische Sprache und maximal 200km rund um das Stadion einmal aufgewachsn sind um Meister werden zu können ?!
Johanna.1.15, 04.10.2010
5. Gerechte Niederlage
Ein Blick durch die Bilder auf Spiegel Online genügt um zu erkennen, dass die Niederlage absolut gerechtfertigt ist: kaum ein Club in der Bundesliga hat Spieler, die öder und uninteressanter und ungepflegter aussehen als die Bayern. Die Dortmunder hingegen - Model-Niveau. Fussball hat schliesslich was mit Attraktivität zu tun! Von letzteren wollen wir mehr sehen - und je weniger von den Bayern, desto besser.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.