Bayern-Präsident Hoeneß "So stark waren Inters Verteidiger nicht"

Das Triple wurde verfehlt, doch von großer Enttäuschung will Uli Hoeneß nach der Niederlage im Champions-League-Finale gegen Inter Mailand nichts wissen. Der Präsident beklagt im Interview zwar das Fehlen von Superstar Franck Ribéry, gibt aber zu: Das Team von Trainer Mourinho war besser - wenn auch längst nicht auf allen Positionen.
Bayern-Präsident Hoeneß (Archiv): "Unsere Mannschaft hat eine große Zukunft"

Bayern-Präsident Hoeneß (Archiv): "Unsere Mannschaft hat eine große Zukunft"

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Frage: Herr Hoeneß, wie sehr schmerzt Sie die Niederlage gegen Inter Mailand im Champions-League-Finale?

Inter Mailand

Hoeneß: Man sollte die Enttäuschung nicht so lange anhalten lassen, denn wir haben eine grandiose Saison gespielt, in der wir an unser Limit gegangen sind. Wir haben vor diesem Spiel gesagt, diese Saison lassen wir uns nicht mehr schlechtreden und dann sollten wir auch nach dieser Niederlage nicht damit beginnen. Wenn mir im Oktober oder November jemand gesagt hätte, wir haben zwei Titel, sind in Madrid und verlieren gegen , hätte ich es ihm nicht geglaubt.

Frage: Dennoch, woran lag es, dass Sie gegen Mailand verloren haben?

Hoeneß: Wir haben einen Gegner gefunden, der vielleicht noch ein Quäntchen abgeklärter, cleverer, auch erfahrener ist als unsere Mannschaft. Da muss man nicht traurig sein. Uns war klar, dass wir Inter nur schlagen können, wenn alles passt. Das war heute nicht hundertprozentig der Fall, jedenfalls nicht so, wie das beispielsweise gegen Lyon gelaufen ist.

Frage: Was hat Mailand besser gemacht als die Bayern?

Hoeneß: Mailand hat zum richtigen Zeitpunkt aus drei Chancen zwei Tore gemacht und wir haben die wichtige Chance zum 1:1 kurz nach der Halbzeit nicht machen können, weil Thomas Müller den Ball nicht ins Tor schießt. Aber was soll man das kritisieren. Er hat als junger Mann eine unglaubliche Saison gespielt, er hat fast alles erreicht, was man erreichen kann in dem Alter und er soll sich jetzt nicht grämen.

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Frage: Waren Sie zu ausrechenbar durch das Fehlen von Franck Ribéry?

Hoeneß: Mit Franck wäre die Chance besser gewesen. So stark waren Mailands Verteidiger nicht. Aber man muss sie immer in den Eins-gegen-Eins-Zweikampf bringen, und das haben wir über weite Strecken des Spiels nicht geschafft. Wenn man Mailand nur von einer Seite aus unter Druck setzen kann, ist das zu wenig. Heute war es ziemlich schwierig, weil Arjen Robben ziemlich isoliert war.

Frage: Hatte Mailands Trainer José Mourinho einfach die besseren Spieler zur Verfügung?

Louis van Gaal

Hoeneß: Mourinho hat eine etwas erfahrenere Mannschaft, als wir sie jetzt haben. Auch , der eine grandiose Saison mit seiner Mannschaft gespielt hat, sollte nicht traurig sein. Denn unsere Mannschaft hat eine große Zukunft, weil wir viele junge Spieler haben. Vor einem Jahr hat Holger Badstuber gegen Memmingen oder Pfullendorf gespielt, jetzt spielt er gegen Inter Mailand.

Frage: Welchen Gegner wünschen Sie sich nun in der kommenden Saison im Finale?

Hoeneß: Es hat gar keinen Sinn, darüber zu spekulieren. Schauen Sie mal, wir können im nächsten Jahr im Viertelfinale Real Madrid, Barcelona oder Inter Mailand bekommen. Es ist doch fast frevelhaft, jetzt über das Finale im nächsten Jahr zu reden. Es ist ein Weg von zwölf Spielen, bis man im Finale ist und da müsste ich ja Hellseher sein, wenn ich sage, wir schaffen das wieder. Die nächsten Champions-League-Finals sind 2011 im Wembley-Stadion in London und 2012 in München. Also es gibt noch schöne Visionen und Ziele für unsere Spieler, wohin man kommen könnte.

Das Interview entstand in der Mixed Zone des Bernabéu-Stadions nach dem Champions-League-Finale, aufgezeichnet von Sebastian Winter
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