Bayern-Sieg gegen Aachen Tristesse nach dem Triumph

Der Sieg der Bayern im DFB-Pokal war deutlich - doch das 4:0 gegen Aachen hellt die Stimmung im Club nicht auf. Die Spieler bedauern den Abgang ihres Kapitäns Mark van Bommel. Und Trainer van Gaal reagiert dünnhäutig auf Kritik. Der Coach braucht jetzt dringender denn je eine echte Erfolgsserie.

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Auch nach erfolgreicher Arbeit lastete eine merkwürdige Schwere auf den Gemütern der Reisegruppe aus München: Der Jubel über den Einzug ins Halbfinale des DFB-Pokals blieb verhalten, der zweifache Torschütze Thomas Müller lächelte bemüht, Bastian Schweinsteiger verschwand nach dem deutlichen 4:0 (1:0) bei Alemannia Aachen wortlos im Bus.

Und Trainer Louis van Gaal wurde so oft zu dem Wechsel von Mark van Bommel zum AC Mailand befragt, bis ihm irgendwann der Kragen platzte.

"Am Anfang war das noch ein sehr hohes Niveau auf dieser Pressekonferenz, aber jetzt…", stieß er hervor, als ein Reporter wissen wollte, ob der Münchner Trainer in der einzigen Druckphase der Aachener mal an seinen ehemaligen Kapitän und dessen kompromisslose Spielweise gedacht habe. Eigentlich war das eine gute Frage, denn van Bommels Widerborstigkeit hätte den Bayern in der einzigen schwierigen Phase möglicherweise wirklich geholfen. Aber van Gaal sah das anders: "Es ist schade, dass immer wieder diese Fragen kommen."

"Verlust eines perfekten Kapitäns"

Die Bayern sind dünnhäutig in diesem Winter, daran konnte auch der von allen Seiten erwartete Sieg bei dem Zweitligisten von der holländischen Grenze nichts ändern. Präsident Uli Hoeneß wünscht sich nun in der nächsten Pokalrunde "ein Heimspiel gegen Schalke 04" und verkündete eilig, er wolle "nicht zu Personalien" befragt werden. Es ist bekannt, dass es clubintern unterschiedliche Meinungen zu van Gaals Personalpolitik gibt.

Weil Zugang Luiz Gustavo die taktischen Besonderheiten des Systems noch nicht verinnerlicht hat, bilden vorerst Andreas Ottl und Danijel Pranjic die Doppelsechs, erläuterte der Trainer. Die beiden haben ihren Job am Mittwoch gut erledigt. Wenn der Gegner aber nicht mehr Aachen heißt, sondern Inter Mailand, könnte dieser Mannschaftsteil ohne van Bommel zur Schwachstelle werden, schätzen die Kritiker des Trainers. In großen Spielen sei die Erfahrung des langjährigen Münchner Kapitäns unverzichtbar.

Solche Überlegungen machen van Gaal zornig. Diese These sei "ein Medienthema", hielt der Holländer dagegen, "ich bin mit lauter 17-, 18- und 19-Jährigen Europapokalsieger geworden, Erfahrung ist immer ein alter Quatsch". Allerdings sind es nicht nur die Medien, die van Bommel vermissen, auch die Spieler machen sich ihre Gedanken.

25 Treffer in sechs Partien

Arjen Robben findet den Weggang "traurig", wollte aber "lieber nicht so viel darüber reden", und Mario Gomez sprach vom "Verlust eines perfekten Kapitäns", der sich für einen Vereinswechsel entschied, weil van Gaal ihm mitgeteilt hatte, dass er keine tragende Rolle mehr in seinen Planungen spiele. Zu schwerwiegend seien die spielerischen Mängel des Routiniers. "Mark ist froh, ich bin froh", behauptete der Trainer, dessen Personaldecke derzeit so dünn ist, dass in Aachen Leute wie Nicolas Jüllich oder Boy Deul zum Kader gehörten.

Es wäre wirklich interessant gewesen, Uli Hoeneß' Meinung zu van Gaals Anmerkungen über den Wert von Erfahrung zu hören. Zum Versöhnungsprozess zwischen dem Trainer und dem Präsidenten, die sich seit Monaten gegenseitig provozieren, trägt die seltsame Theorie sicher nicht bei. Im Gegenteil, van Gaal manövriert sich mit seiner Eigenwilligkeit immer tiefer in eine Situation hinein, aus der ihn nur noch ein ganz großer Coup retten kann: der Titel in der Champions League oder eine erfolgreiche Aufholjagd in der Bundesliga.

Kleinere Siege wie jener von Aachen helfen dem Pokaltitelverteidiger längst nicht mehr, die sensibel gestörte Stimmung nachhaltig aufzuhellen. Die Bayern wirkten angestrengt, getrieben, kein Vergleich zur freudvollen Leichtigkeit des Frühjahrs 2010, die bis ins Champions-League-Finale führte. "Es wird mal Zeit, dass wir eine Serie starten, erst durch Erfolge kommen wir ins Rollen", sagte Philipp Lahm, der neue Kapitän, dabei befinden die Bayern sich längst inmitten einer beeindruckenden Erfolgsphase.

Zumindest was die reinen Ergebnisse betrifft. Bundesliga und Pokal zusammengenommen, haben sie fünf der zurückliegenden sechs Partien gewonnen, sind in dieser Zeit ungeschlagen und haben beeindruckende 25 Treffer erzielt. Das Problem scheint zu sein, dass dieser Club derzeit menschlich irgendwie nicht besonders gut funktioniert, und deshalb fühlt sich der Moment selbst nach einem klaren Erfolg wie jenem von Aachen irgendwie nach Krise an.

insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
loncaros 27.01.2011
1.
vG braucht keine erfolgsserie, er muss nur ein einziges Spiel gewinnen. Das am 28.5. Sonst war es das.
Freifrau von Hase 27.01.2011
2. Van Bommel hin......
...van Bommel her.....Jetzt mal ehrlich: Sportlich gesehen ist van Bommel einfach ein Auslaufmodell. Im Sommer wäre er sowieso gegangen, dann akzeptiert seinen Wunsch, nochmal bei einem anderen großen Verein zu spielen. Und das mit der Erfahrung? Dominiert nicht gerade die weitgehend unerfahrene Truppe vom BVB die Liga? Erst jüngst sagte ein Sportredakteur zu mir: "Die 18, 19, 20-Jährigen sind so perfekt ausgebildet und spielen auf so einem hohen Niveau, da ist es schwer, als 30-Jähriger gegenzuhalten. Auch wenn du mehr Erfahrung hast." Im übrigen ist es ja nicht so, dass bei den Bayern das defensive Mittelfeld jetzt verwaist ist. Mit Schweinsteiger und Gustavo stehen zwei gute Leute parat. Van Gaal muss nur endlich aufhören, den Schweini auf die 10 zu stellen. Da gehört der Kroos hin. Aber das sieht Louis zurzeit ja leider anders......
langsamer 27.01.2011
3. Medienheuchler
Zitat von sysopDer Sieg der Bayern im DFB-Pokal war deutlich - doch das 4:0 gegen Aachen hellt die Stimmung im Club nicht auf. Die Spieler bedauern den Abgang ihres Kapitäns Mark van Bommel. Und Trainer van Gaal reagiert dünnhäutig auf Kritik. Der Coach braucht jetzt dringender denn je eine echte Erfolgsserie. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,741896,00.html
Dringender denn je hätten die Medien wie SPON einen Misserfolg der Bayern in Aachen gebraucht, um ihr mittlerweile aberwitziges Kesseltreiben gegen den FC Bayern fortzusetzen. Der 4:0-Auswärtssieg passt Euch da natürlich nicht so in den Kram ... also weiterhetzen. Zum Gähnen, wie durchschaubar die Medien sind.
Cortado#13, 27.01.2011
4. Hoffentlich
bleibt dem Coach von Bayern die ersehnte und erhoffte Erfolgsserie versagt. Für mich ist v.G. der unsympathischste Trainer, den der FC Bayern je hatte. Arrogant, im Umgang mit der Presse ungeeignet und wie die Holländer sich selbst nennen, ein "Käskopp". Eigentlich sehr schade, denn der FCB könnte sich ohne weiteres eine TOP-Trainer-Persönlichkeit leisten!
Gani, 27.01.2011
5. Unfug
Dieser Unfug, von wegen van Bommel hätte in der Aachener Drangphase den Unterschied gemacht, kann ja wohl nicht ernst gemeint sein. Solche Situationen gab es mut van Bommel schon dutzendweise, und sie wurden mit ihm auch nicht besser gelöst. Insofern ist seine Aufregung zu dieser dummen Frage berechtigt. Auch die abstruse Theorie man wäre in Spielen gegen Inter unbedingt auf van Bommels Erfahrung angewiesen ist reichluch lächerlich wenn man weiss das ein Schweinsteiger oder Lahm eigentlich nicht weniger internationale Erfahrung haben - sie sind halt nur kein Holzfäller nach Bommels Art. Auf der anderen Seite feiert ihr Medienfritzen doch ständig die ach so tollen jungen wilden, zuletzt Dortmund, in der tollsten Liga Europas (eure Worte). Ja was denn nun? ist Jugend gut oder doch nicht? Ist die Bundesliga nicht mit einem strauchelnden Inter zu vergleichen? Etwas weniger Widersprüche bitte! Es gibt durchaus weniger hanebüchene Gründe mit van Gaal kritisch ins Gericht zu gehen.
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