Bayern-Triumph gegen Barcelona  So können sie auch siegen

Philipp Lahm im Mittelfeld, Toni Kroos als alleiniger Sechser, David Alaba im Dauerlauf: Bayern-Trainer Guardiola hat das Spiel gegen Barcelona für weitere Experimente genutzt. Das funktionierte famos - nur Innenverteidiger Dante musste einen Rüffel einstecken.

Von Sebastian Winter, München


Thomas Müller ist eigentlich ein dankbarer Gesprächspartner, seine Sätze sind oft ungeschliffen, eine Rarität im Fußballprofi-Zirkus. Doch am Mittwochabend, nach dem 2:0-Testspielsieg seines FC Bayern München gegen den FC Barcelona, gab sich selbst der redegewandete Offensivspieler in der Münchner Arena geschlagen: "Wir tun uns zurzeit ein bisschen schwer damit, immer wieder dasselbe zu sagen. Aber die Qualität in unserem Kader ist einfach enorm hoch", so Müller.

Das Duell gegen Barcelona bezeichnete der 23-Jährige als Gradmesser, "und wenn man gegen Barça gewinnt, auch wenn sie nicht in Bestbesetzung antreten, dann ist das immer positiv. Für mich haben diese Testspiele aber nicht die höchste Priorität".

Das sagt schon vieles über die als Uli-Hoeneß-Cup vermarktete Partie, die immerhin 71.000 Zuschauer ins ausverkaufte Stadion trieb und 2,5 Millionen Euro Spendengelder für verschiedene Stiftungen einbrachte. Manche Fans hatten für das Spiel stundenlang im Stau gestanden, weil die U-Bahn-Verbindung wegen Bauarbeiten unterbrochen war.

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Sie wurden während der ersten starken 15 Minuten etwas entschädigt. Nach und nach wurde aus dem Klassiker jedoch ein immer lauerer Sommerkick. Sicher auch, weil Barcelona zwar Dauer-Weltfußballer Lionel Messi aufgeboten hatte, aber nicht Xavi, Andres Iniesta und Neymar. Und weil Bayerns Linksverteidiger David Alaba der einzige Spieler auf dem Rasen war, der die kompletten 90 Minuten durchgespielt hatte. Das Wort Rotation hat in diesem Test eine ganz neue Bedeutung bekommen.

Dennoch blieben am Ende der Partie einige Erkenntnisse, auch in spieltaktischer Hinsicht.

Auffällig war nicht nur, dass Bayern-Trainer Pep Guardiola zunächst Toni Kroos als einzigen Sechser beginnen ließ, sondern zudem Kapitän Philipp Lahm erneut nicht auf seine rechte Verteidiger-Position stellte - sondern davor ins Mittelfeld. Lahm spielte dort sehr ansehnlich, er schaltete sich oft ins Offensivspiel um den starken Franck Ribéry, Müller, Arjen Robben und Thiago ein. Den Lohn erhielt Lahm bereits in der 14. Minute, als er eine Flanke von Ribéry per Kopf zur 1:0-Führung ins Tor verlängerte. Doch ob ihm dieses Tor so richtig gefallen hat, ist fraglich. Denn es zementierte nur Guardiolas Ansicht.

"Ich möchte Tito alles Gute wünschen"

"Bei Philipp habe ich das Gefühl, er kann überall spielen, linker Verteidiger, rechter Verteidiger, oder etwas offensiver. Mir gefallen Spieler, die flexibel einsetzbar sind, auch wenn ich weiß, dass Philipp eigentlich auf der rechten Außenverteidiger-Position spielt. Aber wer weiß, vielleicht passiert ja mal etwas. Ich möchte einfach viel ausprobieren", sagte der Bayern-Trainer. Lahm erwiderte, er habe kein Problem mit der neuen Rolle, sehe aber seine große Stärke als Rechtsverteidiger: "Ich glaube schon, dass wir im Mittelfeld genügend gute Leute haben." Viel deutlicher kann man seine Präferenzen nicht formulieren.

Guardiola bemängelte ganz allgemein, dass der Torabschluss noch besser werden müsse - und er kritisierte den manchmal fahrigen Innenverteidiger Dante, zumindest indirekt. "Was Jerômé Boateng, Jan Kirchhoff und Daniel Van Buyten in der letzten Periode gelernt haben, hat Dante noch nicht gelernt. Wir hatten in den ersten 15 Minuten einige einfache Ballverluste, das ist gefährlich gegen Barcelona."

Bei schnellen Barça-Gegenstößen, wenn die Spanier vom Halbfeld ins Offensivzentrum zogen, hatten die Bayern Probleme. "Das war ein guter Test, wir haben versucht, ein bisschen was zu zeigen", so Guardiola.

Der 42-Jährige versuchte zudem den Spagat, auch Sympathien für seinen alten Club zu zeigen - und damit die Wellen der vergangenen Wochen wieder zu glätten, als er dessen Verantwortliche kritisiert hatte. "Barcelona spielt einen einzigartigen Fußball, den sie früh in der Jugend lernen. Es hat mir viel Leidenschaft gegeben, aber ich möchte mich auf das Neue konzentrieren", sagte Guardiola, und schickte dem gerade wegen seiner Krebserkrankung zurückgetretenen Barcelona-Trainer Tito Villanova fernmündlich noch Genesungswünsche: "Ich möchte Tito alles Gute wünschen, das ist das Wichtigste."

Wenn schon nicht das Spiel, so hatte doch das Drumherum wenige Tage vor dem Supercup-Duell gegen Dortmund einige Pointen zu bieten. Auch diese: Statt "Guten Abend" sagte Guardiola zu Beginn der Pressekonferenz nur: "Gute Nacht."

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Seite 1
frubi 25.07.2013
1. .
Zitat von sysopGetty ImagesPhilipp Lahm im Mittelfeld, Toni Kroos als alleiniger Sechser, David Alaba im Dauerlauf: Bayern-Trainer Guardiola hat das Spiel gegen Barcelona für weitere Experimente genutzt. Das funktionierte famos - nur Innenverteidiger Dante musste einen Rüffel einstecken. http://www.spiegel.de/sport/fussball/bayern-sieg-gegen-barcelona-guardiolas-testet-lahm-im-mittelfeld-a-912986.html
Die Bayern sind echt schon sehr weit. Es wird interessant zu beobachten sein, was passiert, wenn Spieler X länger auf der Bank sitzt als ihm lieb sein kann. Die Meisterschaft sollte dennoch kein Problem sein.
etzt_rede_ich. 25.07.2013
2. Schauen wir nach vorne...
Die Saison 2013 ist schon gelaufen, abgehakt, die Bayern werden Meister - betrachten wir die Tabelle ohne Platz 1 und haben unseren Spaß mit allen anderen Teams.
huelin 25.07.2013
3. Buenas noches
Zitat: Statt "Guten Abend" sagte Guardiola zu Beginn der Pressekonferenz nur: "Gute Nacht." Ist ja klar, in Spanien sagt man "buenas noches" für "guten Abend" und für "gute Nacht". Spätestens seit gestern hat er den Unterschied aber wohl gelernt. ;)
Diplom1 25.07.2013
4. Keine guten Entwicklungen
Uns das Ganze im Grunde europaweit... Man muss sich tatsächlich ernsthaft die Frage stellen warum man überhaupt noch Fussball schauen will... Jetzt ist, wenn auch mit Verzögerung, auch in Deutschland die Situation eingetreten dass im Grunde der Fussball berechenbar geworden ist und es nur noch ganz wenige Mannschaften gibt, die überhaupt Titel holen können...Super...freuen wir uns doch alle wenn die Barcas und Bayerns und Reals alle Spiele mittlerweile fast zweistellig gewinnen... GAAANZ toll....den gemeinen Bayernfans ohne EGO gefällt das natürlich jedes Spiele zu gewinnen...vielleicht weil man selbst weder ne Beziehung noch den Job geregelt bekommt udn sich auch mal groß und wichtig fühlen möchte?! Metropolen wie München oder London oder Madrid oder Mailand haben eh schon riesige Vorteile durch Einwohnerzahlen und Unternehmen...! Alle Großsponsoren scheren sich um kleinere Vereine daher NULL...!!!!!!!!! Was soll das Ganze...ich sehe nicht ein Applaus zu klatschen für München oder Madrid...wie toll man doch managen könnte....denn diese Entwicklungen sind fast schon Selbstläufer...da benötigt man nicht mal einen Hoeness....!
jüttemann 25.07.2013
5. Bayern-Triumpf?
Hallo? Warum wird aus einem Bayern-Sieg in der Vorbereitung eigentlich immer sofort ein "Triumpf"? Ein wenig mehr Sachlichkeit, bitte.
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