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Bayern-Sieg gegen Stuttgart Mia san ziemlich viele

Der Kantersieg der Bayern gegen Stuttgart zeigt, wie beflügelnd Konkurrenzkampf sein kann. Stammkräfte wie Schweinsteiger, Müller oder Gustavo spielen stark, Neuzugänge drängeln von der Bank. Das Gerangel um die Plätze entfacht vor allem einer: Javier Martínez.
Von Sebastian Winter

Die 51. Minute lief, als Bastian Schweinsteiger den Ball zum 6:1 ins Tor köpfte. Es war zugleich der Endstand, Bayern München hatte dem überforderten VfB Stuttgart eine bittere Lektion erteilt. "Wir hätten uns diese Lehrstunde gerne erspart", sagte VfB-Trainer Bruno Labbadia nach der Partie, VfB-Torschütze Martin Harnik beschrieb das sportliche Desaster nach 20 starken Anfangsminuten der Gäste so: "Wir sind eingebrochen, es war eine Demütigung."

In der Mixed Zone fand Bastian Schweinsteiger nach dem zweiten klaren Erfolg der Münchner im zweiten Ligaspiel endlich wieder Worte. Er hatte seit dem verlorenen Champions-League-Finale gegen Chelsea nicht mehr in der heimischen Arena gespielt, nach dem EM-Aus hatte er sich verletzt und etwas zurückgezogen.

"Ich bin seit einer Woche einen Tick glücklicher, weil ich keine Probleme mehr habe am Fuß. Seit Februar habe ich das erste Mal das Gefühl, dass der Körper ganz gesund ist", sagte Schweinsteiger. Er schloss seinen Kommentar mit einem interessanten Satz, dessen Ende er auch auf sich selbst bezog: "Ich sehe das Potential der Mannschaft, die Qualität und auch den gewissen Hunger."

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Bayern-Sieg gegen Stuttgart: Schweinsteigers starkes Comeback

Foto: GUENTER SCHIFFMANN/ AFP

Hunger, das ist im Fußball das Synonym für Motivation, Zielstrebigkeit, den Willen, unbedingt etwas erreichen zu wollen. Es ist das Attribut, das den Bayern fehlte in der vergangenen Saison, nicht nur im Elfmeterschießen gegen Chelsea. Wohl auch, weil relativ klar war, wer auf welcher Position zur Stammbesetzung zählt. Genau das hat sich nun geändert. Der Kampf um die Plätze in der Startelf ist bei den Bayern voll entbrannt. Und die Mannschaft profitiert bislang davon.

Die arrivierten Spieler waren gegen Stuttgart im Vergleich zum Endspurt der vergangenen Saison kaum wiederzuerkennen. Der damals ausgelaugt wirkende Thomas Müller sprühte vor Spielfreude und schoss zwei Tore, Toni Kroos wirbelte die Stuttgarter Abwehr durcheinander und traf ebenfalls. Selbst der defensive Mittelfeldspieler Luiz Gustavo traute sich nach vorne und erzielte mit einem Fernschuss das 3:1.

Währenddessen fehlten Arjen Robben (Grippe) und Mario Gomez (Sprunggelenksverletzung). Wenn sie zurückkehren, müssen sie um ihre Stammplätze bangen. Gut möglich, dass Heynckes den Begriff Stammplatz bald komplett aus dem Bayern-Vokabular verbannt. Shaqiri sagte nach der Partie: "Konkurrenzkampf gibt es überall, aber bei uns ist er noch größer als anderswo."

Martínez zeigt Präsenz auf dem Feld

Ein Mann hat diesen Kampf nun noch mehr entfacht: der 40 Millionen Euro teure Zugang Javier Martínez. Auch wenn Trainer Jupp Heynckes ihn an seinem 24. Geburtstag erst in der 77. Minute einwechselte. Martínez spielte in seinen ersten Bayern-Minuten ein paar schnelle, exakte Pässe und zeigte bei seinen Zweikämpfen in der Defensive, dass er ein robuster Spieler ist. Einer, der dazwischengehen kann und der eine gewisse Präsenz hat auf dem Feld. Martínez wird in der Länderspielpause nicht bei der spanischen Mannschaft sein, sondern in München trainieren. Wie auch Konkurrent Schweinsteiger.

Thomas Müller steht hingegen im deutschen Aufgebot, er hat dort zurzeit weitaus weniger Konkurrenz als in München. "Ich werde heute zufrieden ins Bett gehen. Die Konkurrenzsituation ist jetzt verschärft, aber wir haben viel Spaß hier." Kaum hatte Müller dies gesagt, kam Martínez vorbei. Fast alle Journalisten wendeten sich nun dem Spanier zu.

"Gott sei Dank", entfuhr es Müller, dann ging er. Neue Konkurrenz kann also auch entlastend sein.

Bayern München - VfB Stuttgart 6:1 (3:1)
0:1 Harnik (25.)
1:1 T. Müller (32.)
2:1 T. Kroos (33.)
3:1 Luiz Gustavo (43.)
4:1 Mandzukic (47.)
5:1 T. Müller (50.)
6:1 B. Schweinsteiger (51.)
Bayern München: Neuer - Lahm, J. Boateng, Dante, Badstuber - Luiz Gustavo, B. Schweinsteiger (77. Javi Martínez) - T. Müller, T. Kroos, Ribery (73. Shaqiri) - Mandzukic (69. C. Pizarro)
VfB Stuttgart: Ulreich - Sakai, Tasci, Maza, Boka - Kvist, Gentner - Harnik (89. Traore), Hajnal (46. Torun), Okazaki (69. Bah) - Ibisevic
Schiedsrichter: Kinhöfer
Zuschauer: 71.000
Rot: Keine - Ibisevic (74./Tätlichkeit)
Gelbe Karten: J. Boateng - Gentner