Bayern-Sieg gegen Wolfsburg Robben, der Retter

Die Erwartungen waren riesig, Arjen Robben hat sie übertroffen: Mit zwei Toren beim Liga-Debüt schoss der neue Bayern-Stürmer den Meister aus Wolfsburg fast allein ab. Zusammen mit Frank Ribéry soll der Niederländer die Spielkultur zurück nach München bringen - und seinem Trainer den Job sichern.

dpa

Von Sebastian Winter, München


Es war eine Woche, die ein Regisseur nicht besser hätte inszenieren können: Die Bayern hatten in Mainz verloren, eine Halbzeit lang waren sie lustlos über den Platz geschlichen, als Schatten ihrer selbst. Es musste Kritik hageln, die löchrige Abwehr samt Torwart Rensing wurde in Frage gestellt, die Zugänge, gar das ganze System. Trainer Louis van Gaal wurde sehr dünnhäutig, keine Rede mehr vom dicken Wintermantel, als den er den FC Bayern bei seinem Antritt bezeichnet hatte. Der Holländer hatte gar Gedanken geäußert, wonach er gehe, falls er kein Vertrauen mehr spüren sollte.

Doch dann platzte ein Mann in dieses bayerische Krisentheater nach dem schlechtesten Saisonstart seit 43 Jahren, der alle überraschte: Arjen Robben. In einem Blitztransfer hatten die Münchner den 25-jährigen Flügelstürmer von Real Madrid verpflichtet, wo der holländische Nationalspieler nicht mehr erwünscht war. "Er ist seit langer Zeit unser absoluter Wunschspieler, wir waren an ihm schon vor Jahren interessiert", sagte Sportdirektor Christian Nerlinger zu dem Last-Minute-Einkauf. Alles musste sehr schnell gehen, Freitag bis 12 Uhr musste Robben auf die Transferliste gesetzt werden, damit er gegen Wolfsburg spielen kann. Auch dies gelang, und so nahm die Geschichte ihren Lauf, an der Louis van Gaal maßgeblichen Anteil hatte - schließlich hatte der Bayern-Trainer kürzlich mit Robben telefoniert, "was mir sehr geholfen hat", sagt der Angreifer.

Zur Dramaturgie des Stückes passt es, dass sich der spektakuläre Zugang das zweite Heimspiel der Bayern gegen den amtierenden Meister VfL Wolfsburg erst von der Bank anschaute. Doch spätestens, als Robben sich in der Halbzeitpause im Trikot mit der Nummer zehn (die seit dem Abschied von Roy Makaay 2007 nicht mehr vergeben worden war) vor der jubelnden Südkurve aufwärmte, war klar: Die Fans hatten den schnellen Offensivspieler schon als Retter auserkoren. Als die zweite Halbzeit begann, stand er plötzlich auf dem Platz, für den wenig überzeugenden Hamit Altintop, als rechter Flügelstürmer vor Philipp Lahm.

Perfekte Dramaturgie in der zweiten Halbzeit

In der 68. Minute schickte ihn der kurz zuvor eingewechselte Franck Ribéry auf die Reise Richtung Wolfsburger Tor. Der trockene Schuss landet im Netz hinter Benaglio. Als er zwölf Minuten später, erneut nach Vorarbeit von Ribéry, die Wolfsburger Deckung überlief und das 3:0 einschob war klar: Dieser Mann bringt mit seinen überfallartigen Attacken eine neue Qualität ins Offensivspiel der Bayern. Mit Ribéry bildet er ein läuferisch und technisch überragendes Offensivpaar, das wild kreuzt, die Abwehr überläuft und mit hohem Tempo von den Flügeln Richtung Tor strebt.

24 bis 25 Millionen Euro soll Robben die Bayern gekostet haben, damit wäre er der drittteuerste Zugang nach Mario Gomez, der gegen Wolfsburg das 1:0 schoss und Franck Ribéry, den zweifachen Vorbereiter.

Robben war mit Eindhoven einst Meister in den Niederlanden, mit Chelsea Meister in England und mit Real Madrid Meister in Spanien. Die Bayern haben ihn verpflichtet, um die offensive Abhängigkeit von den Künsten eines Ribéry zu reduzieren. Mit dem Spiel in der zweiten Halbzeit haben sie angedeutet, wie die sogenannte Flügelzange mit Ribéry und Robben aussehen kann. Und wie sich das Spiel auf zwei kongeniale Partner verlagert.

Das Comeback der Spielkultur beim FC Bayern

Auch die stark kritisierte Abwehr stand gegen den Wolfsburger Meistersturm mit Grafite und Dzeko gut. Holger Badstuber machte gegen Dzeko ein starkes Spiel. Jörg Butt, der den unglücklichen Michael Rensing erneut aus dem Bayern-Tor verdrängt hatte, war ein sicherer Rückhalt.

Dennoch könnte den Bayern nach dem Robben-Transfer für die Defensive ein weiterer Coup gelingen: Eine Verpflichtung des Brasilianers Rafinha vom FC Schalke noch vor Ende der Transferperiode am Montag steht immer noch im Raum. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge dementierte die Nachricht, eine Verstärkung wäre Rafinha aber allemal. So könnte auch Philipp Lahm wieder auf seine linke Seite zurückkehren.

Die Zuschauer würden auch Rafinha willkommen heißen. Selten hat man sie in letzter Zeit so euphorisch erlebt wie an diesem Samstag. Applaus zur Halbzeit. stehende Ovationen nach 90 Minuten. Und das im 100. Pflichtspiel der Bayern in der Arena. Dennoch: Es ist Arjen Robben, der die Bayern schnell wieder in die Realität zurückholt: "Wir haben erst fünf Punkte auf dem Konto." Nach vier Spieltagen ist das noch immer keine gute Bilanz, ebenso wenig wie Tabellenplatz sieben die Verantwortlichen zufrieden stellen wird. Doch die Spielkultur ist zumindest an diesem Abend zurückgekehrt nach München.

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Matyaz 04.08.2009
1. Was für eine gewagte Prognose!
Tolle Prognose: man nehme alle Aufsteiger sowie die 2 schlechtplatziertesten Bundeligisten der letzten Saison, die noch die Klasse halten konnten -und komplett sind die Abstiegskandidaten. Dass Nürnberg und Freiburg eingespielte und spielstarke Mannschaften sind bleibt da ebenso unberücksichtigt wie der stattliche Gladbacher Etat, der immer noch den ein oder anderen Noteinkauf zulässt, sollte es brenzlig werden. Meiner Meinung nach werden neben Mainz und Bochum eher Vereine wie Hannover,Frankfurt, Köln oder gar Berlin erhebliche Probleme mit dem Klassenerhalt haben.
frubi 04.08.2009
2.
Zitat von MatyazTolle Prognose: man nehme alle Aufsteiger sowie die 2 schlechtplatziertesten Bundeligisten der letzten Saison, die noch die Klasse halten konnten -und komplett sind die Abstiegskandidaten. Dass Nürnberg und Freiburg eingespielte und spielstarke Mannschaften sind bleibt da ebenso unberücksichtigt wie der stattliche Gladbacher Etat, der immer noch den ein oder anderen Noteinkauf zulässt, sollte es brenzlig werden. Meiner Meinung nach werden neben Mainz und Bochum eher Vereine wie Hannover,Frankfurt, Köln oder gar Berlin erhebliche Probleme mit dem Klassenerhalt haben.
Frankfurt und Hannover sind bei mir auch die ersten Kandidaten für eine Trainerentlassung. Ich hoffe zwar, dass so viele Trainer wie möglich im Amt bleiben aber man kennt ja das beliebte Trainerhopping. Skibbe und Hecking sind definitv die schwächsten Trainer. Viele schwerer ist die Frage: Wer wird der neue "Spieler der Saison"?? Wenn Carlos Eduardo seinen Nerven ein bisschen besser im Griff hat könnte er den Platz von Diego einnehmen. Özil könnte ebenfalls einschlagen. Aber ansonsten fällt mir aussser Ribery keiner mehr ein, der dieses Jahr richtig einschlagen könnte. Spannend wird der Kampf um die Plätze zur WM 2010. Für mich stehen bisher nur 5-7 Spieler fest. Der Rest kann sich noch Grundlegend ändern. Wie entwickeln sich unsere U21 Europameister? Werden Marin und Özil das neue Mittelfeld-Traumpaar?
yoshitsune 04.08.2009
3. SGE wird nicht absteigen
Ich glaube kaum, dass die Eintracht absteigen wird. Der Derby-Pokal-Erfolg wird fuer genuegend Aufwind bis zum Ende der Saison reichen. Wobei man aber ja auch aus leidvoller Erfahrung weiss, dass eine stark beginnende Eintracht meistens zum Ende der Saison zum Katastrophalen tendiert. Sagte der Eintracht-Fan. ;-)
Tail on the Donkey 04.08.2009
4.
Tja, da kann ich mir meinen Beitrag ja fast sparen: Hannover, Frankfurt und Köln sind auch bei mir ganz heiße Kandidaten auf einen Ausflug in die Zweitklassigkeit. Was Mainz angeht, nun, da scheinen Prognosen selbst von 12 Uhr bis Mittag zu weit gegriffen, zwischen gesichertem Mittelfeld und "am 11.11. bereits rechnerisch abgestiegen" erscheint alles möglich. Bochum seh ich auch stark gefährdet, Nürnberg und Freiburg haben dagegen das Potenzial, mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben. Da die Saison ja nun unmittelbar vor der Tür steht und die wesentlichen Transferentscheidungen durch sein dürften, könnte sich das Ganze am Ende so darstellen: 1. München (akzeptabler Start, in der Rückrunde nicht zu stoppen) 2. Hamburg (es kommen leichtere Aufgaben als Düsseldorf) 3. Stuttgart (die Osteuropa-Fraktion schlägt voll ein) 4. Bremen (Wundertüte, allerdings diesmal mit direkter int. Quali) 5. Dortmund (auf dem Weg nach oben) 6. Wolfsburg (Niveau der letzten Saison kann nicht ganz gehalten werden) 7. Schalke (Altintop schießt zu viele Freistöße) 8. Leverkusen (kann ehrlich gesagt auch 2ter werden) 9. Hoffenheim (kennt die eigentlich noch jemand? Und was ist Rangnick?) 10. Nürnberg (die spielen einen tollen Kombinationsfußball) 11. Berlin (mehr ist kaum drin) 12. Gladbach (die Verstärkungen sehen auf den ersten Blick tauglich aus) 13. Freiburg (gemeinsam mit Nürnberg auf jeden Fall Buli-tauglich) 14. Frankfurt (hier wirds dagegen ganz eng) 15. Köln (Poldi wird sogar einschlagen, am Rest allerdings haperts) 16. Mainz (irgendwas von 14-18, Tendenz Abstiegskampf pur) 17. Hannover (ich hab da ne verdammt miese Saison im Urin) 18. Bochum (die Unabsteigbaren sind mal wieder dran) Irrtümer um 1-2 Positionen nicht ausgeschlossen, allerdings sei der Kreis der Titelanwärter mit den ersten 2, der int. Plätze mit einschließlich Wolfsburg + Leverkusen und der Abstiegskandidaten ab Frankfurt umrissen. Und jetz wird's Zeit, dass' endlich wieder los geht! :-)
Toradac 04.08.2009
5. In erster Linie erwarte ich...
Zitat von sysopMission Titelverteidigung in Wolfsburg, das Magath-System auf Schalke und die verstärkten Bayern: Was erwarten Sie von der neuen Bundesliga-Saison? Wer holt den Titel? Wer steigt ab? Diskutieren Sie mit.
...eine spannende Saison, auch wenn mir klar ist, daß die letzte kaum zu wiederholen sein wird. Titelfavoriten sind für mich der FC Bayern (schon fast ein Naturgesetz), der Vfl Wolfsburg (der es geschafft hat, seine Meistermannschaft zusammenzuhalten und sogar noch zu verstärken), der Hamburger SV (der m.E. gut eingekauft hat) sowie eine Überraschungsmannschaft (könnte in diesem Jahr Leverkusen oder Werder Bremen sein). Um die internationalen Startplätze kämpfen außerdem noch der VfB Stuttgart, Schalke (wenn Magath einschlägt), Hoffenheim und vielleicht auch noch Borussia Dortmund. Die "Weder-Fisch-noch-Fleisch-Franktion", bei der nach oben nichts geht und die mit dem Abstieg nicht viel zu tun haben, besteht aus Köln, Hertha, Nürnberg und Frankfurt. Außer Nürnberg (die ich für sehr spielstark halte) haben naturgemäß die Aufsteiger die größten Probleme, den Abstieg zu verhindern, bei Mainz wird es durch den gestrigen Trainerwechsel noch verschlimmert, Freiburg schätze ich etwas stärker ein, aber auch die müssen sich strecken. Auf Hannover und den Vfl Bochum kommt eine ganz schwere Saison zu, beide müssen ebenfalls bis zum Ende zittern. Am wenigsten kann ich in dieser Saison Mönchengladbach einschätzen, entweder früh im gesicherten Mittelfeld oder aber auch kämpfen bis zum Schluß um den Klassenerhalt. Lassen wir uns überraschen - Freitag geht's endlich wieder los!
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