Bayern-Sieg Klose lobt Kroos, Hoeneß attackiert Rensing

Jubel, Trubel, Heiterkeit bei den Bayern nach dem Erfolg zum Auftakt der Uefa-Cup-Gruppenphase in Belgrad? Nicht ganz. Zwar lobte Miroslav Klose den Siegtorschützen Kroos, dafür hatte sich Manager Uli Hoeneß nach der Partie auf Michael Rensing eingeschossen.


Belgrad - "Ich weiß nicht, wie ich hier bei Roter Stern mit 17 Jahren aufgetreten wäre? Da muss man den Hut ziehen", sagte Klose über seinen jungen Team-Kollegen, der von Trainer Ottmar Hitzfeld beim Stand von 1:2 eingewechselt worden war und Bayern in den letzten zehn Minuten zu einem 3:2-Erfolg führte. "Jetzt müssen wir noch unsere zwei Heimspiele gegen Bolton und Saloniki gewinnen, dann sind wir durch", sagte Hoeneß, der wegen der katastrophalen Platzverhältnisse im Marakana-Stadion feststellte: "Das war eine richtige Schlacht, ein Glücksspiel."

Bayern-Talent Kroos: Trotz Siegtor kein Matchwinner
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Bayern-Talent Kroos: Trotz Siegtor kein Matchwinner

Kroos zeigte allerdings keine Nerven angesichts der Atmosphäre in der Arena. Seinen ersten Freistoß köpfte Klose zum 2:2 (85.) ins Tor, nachdem der Nationalstürmer schon in der ersten Halbzeit für den 1:1-Ausgleich (20.) gesorgt hatte. Der zweite Freistoß fand in der Nachspielzeit an Freund und Feind vorbei den direkten Weg ins Tor. Trotzdem wollte Hoeneß das Talent nicht als "Matchwinner" der Partie sehen. "Da hat er doch Glück gehabt, dass der Freistoß reingegangen ist. Den hätten wir zwei auch reingeschossen", blaffte der Manager einen Reporter an. Für Hoeneß waren vielmehr Abwehrchef Lucio, dem er "Weltklasse, eine 1 mit Sternchen", attestierte, und Klose die Bayern-Spieler des Abends.

"Wir müssen die Jungen ein bisschen im Zaum halten und aufpassen, dass sie nicht so hochgejubelt werden", polterte Hoeneß - und nahm sich statt der bemüht, aber glücklos auftretenden Nationalspieler Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski dieses Mal den von ihm selbst zum künftigen Nationaltorhüter hochgejubelten Michael Rensing vor. Der beim 1:0 von Ognjen Koroman (16.) machtlose Kahn-Vertreter hatte beim 30-Meter-Schuss von Nenad Milijas (74.) zum 2:1 keine gute Figur abgegeben.

"Natürlich war es ein Glückssieg"

"Es ist gut, wenn Michael sich wieder mehr auf Fußball konzentriert und nicht so viel ins Sportstudio geht", schimpfte Hoeneß; dabei war der TV-Auftritt am letzten Wochenende mit dem Verein abgesprochen. Beim Spiel im Heimatland von Rensings Mutter passte Hoeneß die Spielvorbereitung des 23-Jährigen nicht: "Den ganzen Tag saß er hier mit seinen Verwandten rum. Wir hatten hier aber ein Europapokalspiel und keine Familienzusammenführung."

Ottmar Hitzfeld hob derweil die Leistung des Teams hervor, die ohne die verletzten Franck Ribéry, Luca Toni und Martin Demichelis angetreten war. "Heute war nicht Schönspielerei angesagt, sondern harter Kampf. Das war eine absolute Willensleistung", sagte der Bayern-Trainer. "Kompliment an die Mannschaft, wie sie immer wieder zurückgekommen ist", ergänzte Klose: "Natürlich war es ein Glückssieg."

"Es war enorm wichtig, dass wir mit einem Sieg in die Gruppenphase gestartet sind", sagte Kroos, der schon bei seinem Bundesliga-Debüt gegen Energie Cottbus (5:0) Klose zwei Tore aufgelegt hatte. Dass ausgerechnet der Jüngste statt Schweinsteiger oder Zé Roberto die Freistöße schießen durfte, war für Hitzfeld keine Frage: "Es geht nicht nach Alter, es geht nach Können. Er ist da der Beste." Der Trainer ist nicht erst seit Belgrad ein absoluter Kroos-Fan: "Ich hab's ja schon mal gesagt, dass er Nationalspieler wird."

Vorerst sind andere Spieler noch wichtiger: Nach dem Kraftakt von Belgrad sollen am Sonntag im Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund wieder Ribéry, Toni und Demichelis Bayern einen Erfolg bescheren. "Uns ist allen wohler, wenn sie auf dem Platz stehen", sagte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge, der den müden Spielern weit nach Mitternacht beim Bankett im Ballsaal des Belgrader Hyatt-Hotels zurief: "In Dortmund müssen wir uns steigern. Wir müssen besser und engagierter spielen, wenn wir dort unsere Serie aufrechterhalten wollen."

mti/dpa



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