Bayern-Skandal "Die können nicht alles alleine einsacken"

Ein neuer Fußball-Skandal erschüttert Deutschland. Heimlich zahlte der - inzwischen insolvente - Kirch-Konzern Millionen an den FC Bayern. Der vertrauliche Deal empört die anderen Bundesliga-Vereine. Die ersten Verantwortlichen fordern von den Münchnern, die eingeheimsten Millionen aufzuteilen.


Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge: Viel Ärger für den Rekordmeister
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Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge: Viel Ärger für den Rekordmeister

Hamburg - Der Bericht schlug ein wie eine Bombe: Damit Leo Kirch die Fernsehrechte an der Bundesliga behalten konnte, zahlte er über einen stillen Kanal 40 Millionen Mark. Die "Stillhalte-Prämie" wurde exklusiv an den FC Bayern München überwiesen. Dafür setzte der Topverein eigene Vermarktungspläne nicht in die Tat um.Nachdem das "manager magazin" am Vormittag über den Geheimvertrag aus München berichtet hatte, geriet der FC Bayern München in Erklärungsnot. Ja, es habe einen Vertrag zwischen dem Verein und der KirchMedia AG gegeben, bestätigten die Münchener nach dem Vorab-Bericht des "manager magazins".Dass aufgrund dieses Vertrages etwa 40 Millionen Euro von Kirch an den Top-Bundesligaverein geflossen seien, wurde ebenfalls nicht bestritten. Allerdings handele es sich um einen gewöhnlichen Marketingvertrag, wie es ihn auch bei anderen Vereinen gebe. "Es war ein Riesenpaket" Auch Franz Beckenbauer verteidigte den umstrittenen Deal. "Ich weiß nicht, was daran ungewöhnlich sein soll. Jeder Verein hat doch einen Vertrag mit einem Vermarktungspartner", sagte der Münchener Vereinschef, "damals hat der Tabellen-18. mitunter mehr kassiert als Spitzenclubs. Wir haben uns gegen diese Form der Zentralvermarktung gewehrt, weil wir einen gerechteren Verteilerschlüssel haben wollten. Der jetzige ist in Ordnung." Details kenne er jedoch nicht, betonte Beckenbauer. Der Vertrag sei aber geschlossen worden, als das Kirch-Unternehmen noch "in der Blüte" stand: "Es war ein Riesenpaket."Auf eine Blitzumfrage unter den 18 Vereinen der Bundesliga wollten die Offiziellen vorerst nicht eingehen. Intern aber sorgte der Bericht für reichlich Aufruhr. So soll es beim Ligaverband DFL eine eiligst einberufene dreistündige Sitzung gegeben haben. Ergebnis: DFL-Präsident Werner Hackmann ("Der Bericht hat mich überrascht") fordert schleunigst Einsicht in den Vertrag. Üblich sei, dass die Vereine ihre Vermarktungsverträge beim Ligaverband unaufgefordert vorlegen. Konkurrenz tobt und fordert Teil der Bayern-Beute Als erster Vereinsverantwortlicher machte Bayer Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser seinem Ärger Luft: "Ich kenne keinen Verein, der eine Vereinbarung mit KirchMedia abgeschlossen hatte", stichelte Holzhäuser. Genau das hatte der FC Bayern München in seiner Pressemitteilung zur Affäre behauptet. Bayer-Manager Reiner Calmund kritisierte ebenfalls das Vorgehen der Bayern: "Wenn das stimmt, wäre das gegenüber der Solidargemeinschaft der Bundesliga nicht in Ordnung. Unser Verein hat nichts extra verdient", so der Leverkusener Funktionär in der Donnerstag-Ausgabe des "Tagesspiegel".Michael A. Roth, Präsident des 1. FC Nürnberg, fuhr sofort eine Breitseite gegen den Tabellenführer der Bundesliga: "Die Bayern können das Geld nicht alleine einsacken. Das ist ein Betrag, der unter den Bundesligavereinen aufgeteilt werden muss." Der 1. FC Nürnberg bestreitet am kommenden Sonnabend sein nächstes Bundesligaspiel bei Bayern München. Rummenigges merkwürdige Aussagen über Kirch In einem neuen Licht erscheinen nach dem Bekannt werden des Geheimvertrags einige Aussagen des Vorstandschefs der Bayern München AG. So sagte Karl-Heinz Rummenigge noch am 24. Februar 2002 gegenüber Presse-Agenturen: "Der Wert einer Partnerschaft zeigt sich in der Krise. Die Bundesliga hat ein essentielles Interesse an Kirch. Wir müssen Ideen entwickeln, welche Möglichkeiten die Bundesliga hat, um Kirch zu unterstützen."In einem Interview mit der "Bild am Sonntag" hatte Rummenigge darauf verwiesen, dass in der Nach-Kirch-Ära andere europäische Ligen stärker getroffen seien: "… die deutschen Clubs [sind] mit 15 bis 18 Prozent Einnahmeminderung durch die Kirch-Krise noch in einer kommoden Situation. Die Bundesliga ist der große Profiteur der nächsten Jahre, nicht nur wegen der tollen Stadien, die im Vorfeld der WM entstehen."Im "Sportstudio" des ZDF hatte Rummenigge sich nach Bekanntwerden der Kirch-Insolvenz noch generös geäußert. Der FC Bayern München, so Rummenigge damals, werde seinen Teil dazu beitragen, das Überleben der finanzschwächeren Vereine in der Liga zu sichern. Gut möglich, dass der Topclub jetzt dazu gezwungen wird.

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