Bayern-Skandal Hoeneß mimt den Unschuldigen

In der Affäre um den Geheimvertrag zwischen dem FC Bayern und der Kirch-Gruppe stellt sich Uli Hoeneß unwissend. Er könne die Aufregung überhaupt nicht verstehen, entgegnete der Münchner Manager seinen Kritikern und warf diesen Scheinheiligkeit vor. Der Ligaverband sieht jedoch einen Verstoß gegen die Bestimmungen.

München - "Insgesamt sind 42 Millionen Mark an den FC Bayern geflossen", gab Hoeneß am Freitag auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz zu. Rund die Hälfte der Summe "hat Herr Eichel in Berlin bekommen", so der Bayern-Manager. Gleichzeitig verwies Hoeneß im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Affäre auf seine Kollegen in der Chefetage des Clubs: "Alle haben mitgearbeitet. Ich habe keine Lust, als Chefangeklagter des Vereins zu gelten."

Hoeneß widersprach den Kritikern, die den 17-maligen deutschen Meister wegen des Kirch-Vertrags der Wettbewerbsverzerrung und Bestechlichkeit beschuldigen. "Ich glaube nicht, dass es irgendeinen gibt, der den FC Bayern an der Moral packen kann. Wir haben in dieser Saison sieben Benefizspiele gemacht", so der 51-Jährige, "so zu tun, als ob wir irgendjemandem eine Mark weggenommen hätten, ist eine Riesensauerei. Wir haben nur Herrn Kirch Geld weggenommen. Der ist der Einzige, der sich beschweren könnte."

DFL sieht viele Fragen offen

So locker sieht es die Deutschen Fußball Liga anscheinend nicht. "Aus der vorläufigen Einsicht und nach erster schneller Prüfung leiten sich mehrere Fragen der Liga an den FC Bayern München ab, unter anderem die, ob und inwieweit die Bundesliga als Gruppe durch den Vertragsabschluss belastet wurde", sagte DFL-Chef Werner Hackmann nach einer außerordentlichen Sitzung des Ligavorstands in Frankfurt am Main. Der Ligaboss betonte, dass der Vertrag im Rahmen des Lizenzierungsverfahrens "nach Ansicht der DFL vorlegungspflichtig gewesen" sei.

Der FC Bayern habe den Vertrag nicht öffentlich gemacht, da die Kirch-Gruppe um Geheimhaltung gebeten hatte, sagte Hoeneß. Beim Lizenzierungsverfahren musste der damals nicht mit dem Gesamtverein, sondern mit der Tochterfirma Sportwerbe-GmbH geschlossene Kontrakt nicht gemeldet werden, betonte Hoeneß. Die DFL hätte ja nur nachfragen müssen. "Dann wären wir bereit gewesen, die Beträge zu nennen", so der Bayern-Funktionär.

Beckenbauer gibt Fehler zu

Gleichzeitig ging Hoeneß mit den Kritikern hart ins Gericht. "Alle Scheinheiligen dieser Welt, die sagen, sie hätten den Vertrag nicht gemacht, möchte ich kennen lernen." Besonders ärgerten den Bayern-Manager offenbar Pressekommentare, wonach die Münchner die Kirch-Einkünfte in neue Stars investiert haben könnten. "Wir haben 2001 und 2002 so viel Gewinn gemacht, dass wir voll Steuern bezahlen. Wir hätten uns diese Spieler auch ohne dieses Geld leisten können", sagte Hoeneß.

Keine Sorgen macht sich der Bayern-Manager wegen der Anzeige eines Berliner Rechtsanwalts. "Dem sehen wir gelassen entgegen", sagte er der "Welt". Anders als Hoeneß sucht Franz Beckenbauer die Schuld nicht nur bei anderen. "Im Nachhinein muss man sagen: Es war verkehrt, dass wir das nicht bekannt gemacht haben. Das war ein Fehler", sagte der Vereinspräsident und Aufsichtsratschef der Bayern AG in der "Süddeutschen Zeitung".

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