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Bayern-Profi Breno: Der Fall des Superverteidigers

Foto: A2609 epa efe Guillermo Legaria/ dpa

Bayern-Spieler Breno Talent am Tiefpunkt

Beim FC Bayern sollte Breno zu einem Weltklassespieler reifen - nun sitzt der 21-Jährige in Untersuchungshaft, ihm wird Brandstiftung vorgeworfen. Der Club kämpft für den Spieler, der beim Rekordmeister nie wirklich ankam. Chronologie einer jahrelangen Leidenszeit.

Hamburg/München - Die Vorschusslorbeeren fielen üppig aus: Er könne "einer der besten Innenverteidiger der Welt" werden, sagte der heutige Bayern-Präsident und frühere Manager Uli Hoeneß 2008 über seinen brasilianischen Neueinkauf Breno Vinicius Rodrigues Borges, genannt Breno. Ein Riesentalent, so hoffte es der Rekordmeister, habe man da für gut zwölf Millionen Euro in den Kader geholt.

Seit einer Woche sind alle sportlichen Ziele für Breno in den Hintergrund gerückt, der 21-Jährige steht vor dem Scherbenhaufen seiner noch jungen Karriere. Wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr sitzt er derzeit in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft München wirft ihm schwere Brandstiftung vor. Ein Feuer hatte die gemietete Villa des Bayern-Profis vergangenen Montag völlig zerstört. Es entstand ein Schaden in Millionenhöhe.

Vom Hoffnungsträger zum mutmaßlichen Brandstifter - nicht nur die Verantwortlichen in München fragen sich jetzt: Wie konnte es zu dem Absturz kommen?

Es sieht düster aus für Breno. Sein Anwalt Werner Leitner hat bei der Staatsanwaltschaft München I am Sonntag einen Haftprüfungstermin beantragt, nach Auskunft der Ermittlungsbehörden wurde dieser aber noch nicht festgelegt. "Wir gehen davon aus, dass dies nach Einsicht der Akten in den nächsten zwei Wochen passieren wird. Bis dahin werden die Ermittlungen normal weiterlaufen", sagte Oberstaatsanwältin Barbara Stockinger. "Wenn es bis zum Haftprüfungstermin keinen neuen Ermittlungsstand gibt, wird der Haftbefehl aufrechterhalten bleiben", fügte Stockinger hinzu.

Breno verweigert nach einer polizeilichen Vernehmung die Aussage. Der Brasilianer, zunächst als Opfer und Zeuge vernommen, gilt nun als mutmaßlicher Täter. Viele Spekulationen sind im Umlauf, von privaten Sorgen des Fußballprofis ist die Rede. Offenbar sorgte sich Breno angesichts vieler Verletzungen um seine Karriere. Doch wird man deswegen zum Brandstifter? Die Verantwortlichen suchen nach Erklärungen.

"Der Junge geht kaputt"

Uli Hoeneß, der sich vehement für seinen Spieler einsetzt und die Staatsanwaltschaft massiv angriff, wies auf die problematische "Gesamtsituation" im Leben des Brasilianers hin. "Einen jungen Mann ins Gefängnis zu stecken, der depressiv ist, schlägt dem Fass den Boden aus. Der Junge geht kaputt", so der FCB-Präsident.

Laut Brenos Anwalt Werner Leitner gäbe es hingegen keine Hinweise auf Depressionen des Spielers. Dem Brasilianer gehe es allerdings nicht gut, räumt der Verteidiger ein. "Er ist sehr betrübt. Wie ich es sehe, ist er krank und braucht Hilfe", so Leitner, der den schweren Hausbrand vom vergangenen Montag als ein "wenn überhaupt von Krankheit bestimmtes Geschehen" bezeichnete.

Fest steht, dass sich Brenos gesundheitliche und berufliche Situation am Tag vor der Brandnacht erneut verschlechtert hatte. Sein Knie bereitete "wieder Probleme", sagte Bayern-Trainer Jupp Heynckes. "Es wurde wieder dick. Ich kann mir vorstellen, dass das der Auslöser war", mutmaßt der Coach. Auch Brenos brasilianischer Kollege Rafinha sagte: "Es war nicht einfach für ihn, dass er so lange nicht gespielt hat." Dem Brasilianer stand die dritte Knieoperation seit eineinhalb Jahren bevor. Nach einem Kreuzbandriss in der vergangenen Saison musste er zuletzt Operationen an Knie- und Sprunggelenk über sich ergehen lassen.

In dieser Spielzeit hatte der Verteidiger noch kein Match bestritten. "Wir sind ein Team, und Breno gehört dazu", sagte Torhüter Manuel Neuer zwar am Samstag, der Blick auf die vergangenen drei Jahre zeigt aber, dass Breno nur schwer Anschluss fand. Bis heute spricht er kaum Deutsch, suchte vor allem den Kontakt zu seinen Landsleuten Luiz Gustavo und Rafinha. Die in den vergangenen Monaten nicht enden wollende Reha tat ihr Übriges dazu, dass das Riesentalent, um das einst Top-Clubs wie der AC Florenz, Juventus Turin und Real Madrid buhlten, in der Bundesliga keinen richtigen Durchbruch hatte.

Heynckes förderte den Brasilianer

Seit 2008, als die Bayern den damals 18-Jährigen für 12,3 Millionen Euro verpflichteten, wartet Breno bereits auf den großen Durchbruch. Unter Jürgen Klinsmann und vor allem unter Louis van Gaal spielte er jedoch kaum eine Rolle. In Nürnberg, wohin Breno für ein halbes Jahr ausgeliehen wurde, erlitt er dann früh eine schwere Knieverletzung. Schon vor einem Jahr gestand Breno, der bisher in dreieinhalb Jahren nur 21 Mal für den FC Bayern in der Liga auflief, in der "Bild am Sonntag": "In Brasilien hatte ich weniger Geld und weniger Luxus, aber ich war ein glücklicher Mensch. Hier habe ich Geld, aber mir fehlt alles andere."

Trainer Heynckes zumindest wollte ihm bis Vertragsende 2012 eine Chance geben, förderte das Sorgenkind seit seinem Amtsantritt im Juni - aber das Knie spielte nicht mit. Zumindest Bayern München steht nach wie vor hinter ihm: "Wenn es eine Möglichkeit gibt, ihn gegen Kaution freizubekommen, werden wir mit Sicherheit alles dafür tun", versprach Hoeneß.

Mit Material von sid und dapd
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