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03. Oktober 2013, 15:50 Uhr

Bayern-Star Müller

Mister Überall

Aus Manchester berichtet Sebastian Winter

Links, rechts, vorne, hinten: Thomas Müller ist die Allzweckwaffe von Bayern-Trainer Pep Guardiola. Beim Sieg gegen Manchester City ragte der Nationalspieler aus einer starken Münchner Elf noch heraus. Kaum einer spielt variabler, kaum einer verwirrt den Gegner mehr.

Als der Schiedsrichter das Champions-League-Spiel von Manchester City gegen Bayern München abgepfiffen hatte, da riss Torwart Manuel Neuer die Arme hoch, um sich über den 3:1-Auswärtssieg des Deutschen Meisters zu freuen. Thomas Müller schaffte dies dagegen nicht mehr, er war alle. Zu laufintensiv war die Partie gewesen, so wie von Bayern-Trainer Pep Guardiola gewünscht. Unter dem Spanier gibt es keinen gemütlichen, entspannten Fußball bei den Münchnern mehr.

Vor allem Müller hatte den 45.000 Zuschauern ein famoses Spiel geboten, wie in den vergangenen Begegnungen der Bayern auch. Dabei war die Frage vor dem Flug nach Manchester eigentlich gewesen, wer nun auf der Bank Platz nehmen würde - der zurzeit überragende Arjen Robben oder Müller selbst. Guardiola entschied, Zentralstürmer Mario Mandzukic zum Ersatzspieler zu degradieren und Müller nach ganz vorne zu beordern, was sich als richtiger Schachzug entpuppte. "Wir brauchen mehr Bewegung", erklärte Guardiola die taktische Maßnahme nach der Partie. Und das sagt schon einiges.

Mandzukic ist keineswegs ein Spieler, der sich wenig bewegt. Er arbeitet viel nach hinten, weicht auch auf die Außenpositionen aus, um sich Bälle zurückzuerobern. Aber der Kroate ist letztlich doch ein Strafraumstürmer, der seine Chancen genau dort sucht. Müller dagegen ist Mister Überall. Seine Spezialität sind kreuzende, schnelle Diagonalläufe ohne Ball von der Seite in den Strafraum, wo er dann das Spielgerät empfängt.

Der 24-Jährige hat eine glänzende Antizipation, das ist seine große Stärke. Man hat das bei seinem Treffer zum 2:0 gegen Manchester schön beobachten können: Wie Müller vor Dantes Diagonalpass von der rechten Seite die City-Verteidigungslinie hinterlief, dann urplötzlich nach vorne brach, den Ball annahm. Wie er ihn dann noch an City-Torwart Joe Hart vorbeispitzelte, das war frech und wirkte zugleich sehr souverän.

Bislang hatten Experimente Guardiolas mit der sogenannten falschen Neun, der nominell einzigen Spitze also, die durch ihr flexibles Spiel im Raum immer wieder Überzahlsituationen kreiert und als Bindeglied zwischen Mittelfeld (Kroos, Schweinsteiger) und Flügelspielern (Robben, Ribéry) dient, nicht so richtig gefruchtet. Gegen ManCity, deren Spieler viel zu weit von den gegnerischen Spielern wegstanden, war es genau das richtige Rezept. "Wir haben heute ganz gut gespielt, auch gegen den Ball", sagte Müller selbst. "Und wir haben den Ball super laufen lassen. Das musst du erst einmal machen hier in Manchester."

Guardiola liebt Spielertypen wie Müller, den er in der Offensive fast überall einsetzen kann. Der Nationalspieler ist das beste Beispiel für Guardiolas Rotationsprinzip, in dem es nicht mehr nur die eine Position gibt, die ein Spieler auszufüllen hat. Seit Philipp Lahm auf der Sechs spielt, muss sich nun auch Bastian Schweinsteiger umstellen und vor seiner eigentlichen Lieblingsposition neben Kroos agieren.

Guardiola sieht Lahm als komplettesten Spieler an. Er betont immer wieder, dass der Bayern-Kapitän auch im Sturm spielen könne. Eine verwegene Aussage, aber Lahm ist so etwas wie Müllers passendes Gegenstück im hinteren Bereich des Feldes. Nicht so sehr Cowboy wie Müller, kontrollierter, mehr auf Sicherheit bedacht.

Wie sehr Müller zwischen den Räumen und gegnerischen Linien schwebt, das zeigen seine drei Großchancen: Nach einer halben Stunde verpasste er eine Robben-Flanke am Fünf-Meterraum nur um einen Schritt. Bei seinem Tor zog er fast von der rechten Seitenlinie in den Sechzehner. In der 76. Spielminute setzte er sich von links im Strafraum durch, traf aber nur zunächst City-Keeper Hart und dann den Pfosten.

"So schnell geht das. Gegen Wolfsburg war es noch eine Katastrophe. Jetzt gegen City werde ich gefragt, 'geht's noch besser?'", sagte Müller: "Wir wissen, dass wir eine super Mannschaft sind. Deswegen war nicht zu erwarten, dass wir hier komplett unterlegen sind."

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