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Verletzter Bayern-Profi: Van Bommel am Boden

Foto: MICHAEL KOOREN/ REUTERS

Bayern-Streit eskaliert Der humpelnde Holländer

Zwischen dem FC Bayern und dem niederländischen Fußballverband herrscht Eiszeit. Der verletzungsbedingte Ausfall von Kapitän Mark van Bommel hat den Vereinsvorstand auf die Barrikaden gebracht. Für Hollands Medien ist die Empörung kalkulierter Teil einer Münchner Verschwörung.

Der Club sei niederländisch geprägt - auch damit hat der FC Bayern München seine Triumphe der vorigen Saison begründet. Trainer Louis van Gaal, Kapitän Mark van Bommel und Stürmerstar Arjen Robben waren Garanten des Erfolgs. Ein halbes Jahr später sollte man als Niederländer das Vereinsgelände an der Säbener Straße besser meiden. Nach der verletzungsbedingten Zwangspause van Bommels im Anschluss an die Länderspielreise des Kapitäns, ist das Verhältnis zwischen dem FC Bayern und dem niederländischen Verband auf dem Tiefpunkt angelangt.

Vokabeln wie "ungekannte Brutalität", "Kriegserklärung" oder "bodenlose Unverschämtheit" machen mittlerweile auf beiden Seiten die Runde. Bayern-Präsident Uli Hoeneß und Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge waren nie für diplomatische Zurückhaltung bekannt, wenn es um die Interessen des Vereins geht. Aber zurzeit holt die Vorstandsetage die gröbsten Keile aus ihrem Arsenal.

Denn nach Robben, auf den die Bayern die komplette Hinrunde verzichten müssen, steht jetzt auch van Bommel zumindest für zehn Tage nicht zur Verfügung. Er wurde trotz einer vermeintlichen Blessur aus der Partie in Moldau im folgenden EM-Qualifikationsspiel gegen Schweden eingesetzt. Das wird in München als äußerst unfreundlicher Akt des niederländischen Fußballverbandes KNVB gewertet. Die örtlichen Zeitungen leisten Schützenhilfe. Die "Abendzeitung" titelt das Hoeneß-Zitat: "So kann es nicht weitergehen", die "tz" spricht von "üblen Beleidigungen" der holländischen Seite.

Holländer unterstellen ausgeklügelten Bayern-Plan

In den niederländischen Medien ist die Geschichte derzeit ebenfalls das Fußballthema Nummer eins - aber die Sichtweise natürlich komplett anders. Der Tenor ist eindeutig: Der Fall van Bommel werde von den Bayern instrumentalisiert, um Druck auf den KNVB in Sachen Robben auszuüben. Schließlich liegen der Verband und München seit Wochen wegen der Verletzung des 26-Jährigen im Clinch. Es geht um Schadensersatz, es geht um Gehaltszahlungen. Es geht also um Millionensummen.

Die niederländische Boulevardzeitung "De Telegraaf" unterstellt, die Aufregung über die Verletzung des Bayern-Kapitäns komme den Münchnern in Wahrheit sehr gelegen und sei Teil eines ausgeklügelten Plans. So wird in der Zeitung auch prominent darauf hingewiesen, dass die deutschen Medien früher über die Verletzung informiert wurden als der KNVB. "Natürlich hat das alles mit der Affäre Robben zu tun", wird auch KNVB-Boss Bert van Oostveen im "Telegraaf" zitiert.

Der KNVB hat derweil dem Mann, der van Bommel für fit erklärte, um gegen Schweden aufzulaufen, den Rücken gestärkt. Teamarzt Gerd van Goudswaard genieße einen exzellenten Ruf, so van Oostveen: "Es geht mir schrecklich gegen den Strich, wenn so ein Fachmann von den Bayern als Amateur dargestellt wird." Der KNVB weist darauf hin, dass der Arzt Stürmer Dirk Kuijt, der sich im Schwedenspiel früh eine Verletzung zuzog, sofort auswechseln ließ, obwohl Kuijt selbst signalisiert habe, weitermachen zu wollen.

Bayern will keine Spieler mehr abstellen

In München sind sie derweil zum Äußersten entschlossen. Während Rummenigge im "Kicker" bereits mit dem Einschalten von Uefa-Gremien wegen van Bommel droht, will Hoeneß künftig "auch bei kleinsten Verletzungen" überhaupt keine Bayern-Profis mehr zu Länderspieleinsätzen abstellen. "Ich bin der Meinung, dass man in Zukunft den Spieler zwingen können sollte, zu bleiben", sagte Hoeneß der Zeitung "tz" - selbst wenn der FC Bayern laut den Uefa-Statuten denjenigen Spieler dann in der nächsten Pflichtpartie für den Club auch nicht einsetzen dürfe. Wenn Hoeneß dies durchzieht, würde darunter allerdings am ehesten die deutsche Nationalelf leiden - in deren Reihen aktuell sieben Bayern-Akteure stehen.

Anders als im Fall des verletzungsanfälligen Robben gerät bei van Bommel auch die Eigenverantwortung des Spielers in den Fokus der Bayern-Wut. Während man in München unter der Hand Verständnis dafür aufbrachte, dass Robben um jeden Preis beim WM-Endspiel auflaufen wollte, kann man van Bommels Entscheidung zu spielen nicht akzeptieren. Der 33-Jährige müsse "sich fragen, wer sein Arbeitgeber ist: der Club oder der Verband", hatte Hoeneß gegrollt. Dass ein Spieler erst die Nationalelf und dann erst das Vereinsinteresse sehe - "das ist eine Haltung, die ich absolut nicht akzeptieren kann", so Hoeneß.

Der Bayern-Kapitän selbst ist in einer schwierigen Situation. Nationaltrainer Bert van Marwijk hat ihn in die Auswahl zurückgeholt, er hat ihm die Kapitänsbinde im Oranje-Team überlassen. Zudem ist van Bommel durch familiäre Bande dem Bondscoach nah. Er ist mit van Marwijks Tochter verheiratet. Auch so etwas verpflichtet.

Der Spieler hat nach dem Schweden-Spiel, in dem er nach 72 Minuten ausgewechselt wurde, davon gesprochen, die Auseinandersetzung um seine Person sei eine "Soap zwischen dem KNVB und dem FC Bayern", und er selbst stehe genau zwischen den Konfliktparteien. Dann hatte er noch angefügt, er könne Samstag in der Bundesliga ganz normal spielen.

Nach seiner Rückkehr in München gab es dann keinen Kommentar des Spielers mehr. Für die holländische Fachzeitschrift "Voetbal International" liegt der Fall klar: "Bayern hat über van Bommel einen Maulkorb verhängt."

Das bayerisch-niederländische Verhältnis war schon mal entspannter.

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