Bayern-Sturmflaute Warten auf Retter Robben

Die Bayern kommen nicht in Tritt. Beim Unentschieden gegen Bremen versagten die Offensivkräfte erneut. Umso mehr wird der Langzeitverletzte Arjen Robben vermisst. Zudem stellt sich der niederländische Verband im Streit über eine Entschädigung stur.

dapd

Von Sebastian Winter, München


Wem man am Samstagabend nach der Nullnummer gegen Werder Bremen auch zuhörte, die Sätze gipfelten in derselben Erkenntnis: "Wir vergeben zu viele Chancen", sagte etwa Bayern-Kapitän Mark van Bommel. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge konkretisierte: "Speziell in der zweiten Halbzeit haben wir zu viel liegen lassen." Rechtsverteidiger Philipp Lahm zählte gleich noch die Mannschaftskollegen auf, die dafür verantwortlich waren: "Toni hatte zwei gute Chancen, Thomas eine und Mario eine." Die Bayern-Profis Kroos, Müller und Gomez werden es nicht gerne gehört haben, Lahm lag aber richtig.

In seinen drei ersten Ligaspielen hat der aktuelle Meister und Pokalsieger nur zwei Tore geschossen. Im Schnitt sind das rund 0,7 Treffer pro Partie, der Schnitt in der vergangenen Saison lag etwa dreimal so hoch. Eine Statistik, die die Bayern wurmt, zumal sie mit nur vier Punkten auf Platz elf der Tabelle stehen, hinter Vereinen wie Gladbach, Freiburg oder Mainz. Noch wird die Schuld am schwachen Start nicht den Spielern zugeschrieben, sondern eher den äußeren Umständen. Die Weltmeisterschaft und die Länderspielpause dienen als Argument, denn "wenn zwölf Spieler immer mal wieder bei der Nationalmannschaft sind, fehlt dieser Rhythmus, den wir letztes Jahr hatten, um das Tor zu machen", so Rummenigge.

Sicherlich gibt es noch einen weiteren Grund dafür, dass die Bayern sich eher in die Saison stottern als spielen: Arjen Robben. "Natürlich hätte ich ihn gerne dabeigehabt. Die Gegner haben Angst vor ihm. Er ist ein Ausnahmespieler, der Spiele alleine entscheiden kann", sagte van Bommel. Doch Bayerns rechter Flügelstürmer, der vergangene Saison so viele wichtige Tore schoss, fällt wegen einer schweren Muskelverletzung im linken Oberschenkel wohl noch bis zum Rückrundenstart aus.

Intensiver Streit wegen Robbens Verletzung

Zudem liefern sich Bayerns Verantwortliche seit Wochen mit dem Königlich-Niederländischen Fußballverband KNVB einen intensiven Streit. Es geht dabei weniger um den sportlichen Wert des Fußballers Robben. Debattiert wird über den finanziellen Schaden der Münchner. Robben als Investitionsobjekt gewissermaßen. Rund 25 Millionen Euro hatten die Bayern Ende August 2009 an Real Madrid für den 26-Jährigen überwiesen.

Am Samstag trafen sich Rummenigge, Finanzvorstand Karl Hopfner und Mannschafts-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt mit KNVB-Vertretern. Im Kern ging es den Verantwortlichen um eine finanzielle Entschädigung für Robben, der sich während der Vorbereitung der niederländischen Nationalmannschaft auf die Weltmeisterschaft in Südafrika verletzte, nach Ansicht der Bayern eine falsche Diagnose bekam und während der WM viel zu schnell wieder spielen durfte.

Robben kam mit einem Muskelriss aus seinem Urlaub zurück, den erst Müller-Wohlfahrt diagnostizierte. Bei dem Treffen sind Verein und Verband nun "so verblieben, dass wir uns zu einem zweiten Gespräch treffen werden. Ich kann nur hoffen, dass wir zu einer gütlichen und fairen Lösung kommen", sagte Rummenigge. Ansonsten wolle man klagen. Gütlich hört sich anders an.

Klare Regelungen der Fifa

Der Fußballweltverband Fifa hatte zuvor klare Regelungen geschaffen, um bei der Weltmeisterschaft in Südafrika einen möglichen Präzedenzfall zu vermeiden, der weitere Forderungen der Clubs nach sich ziehen könnte. Kern der Vereinbarung ist die Zusage der nationalen Verbände ihre Auswahlspieler selbst zu versichern. Auch der DFB hatte seine Zustimmung erteilt, die Regelung gilt mithin also auch für die Bundesligaclubs, die formal vom Ligaverband DFL vertreten werden. "Jetzt reklamieren die Bayern, aber es ist zu spät", sagte unlängst Fifa-Chef Sepp Blatter.

Dass die Münchner für Robben doch noch ein wenig Geld von der Fifa bekommen, liegt an den Abstellungsgebühren, die bei der WM 2010 erstmals an die Vereine gezahlt wurden. Auslöser war eine Schadensersatzklage des belgischen Erstligisten RSC Charleroi, dessen Spieler Abdelmajid Oulmers sich 2004 bei einem Länderspiel verletzte und acht Monate ausfiel. Die Fifa legte daraufhin bei der WM in Deutschland einen Fonds auf, in den die Teilnehmerländer einzahlen mussten. Nutznießer dieser Regelung, die von den Abstellungsgebühren abgelöst wurde, war auch Newcastle United: Dessen Stürmer Michael Owen zog sich während der WM einen Kreuzbandriss zu, sein Verein bekam 1,7 Millionen Euro Schadensersatz.

Bei der WM 2010 zahlte die Fifa von vornherein 1300 Euro pro Tag und Spieler, das sind 58.500 Euro für Robben. Allerdings muss der Deutsche Meister Robben laut "Sportbild" im Verletzungsfall laut einer Vertragsklausel drei Monate lang das volle Gehalt zahlen. Die gesetzliche Lohnfortzahlung endet nach sechs Wochen, dann springt die Berufsgenossenschaft ein. Angesichts von Robbens Millionengage ist die Fifa-Erstattung deutlich weniger, als die Bayern für ihren verletzten Spieler zahlen müssen.

Der FCB, der am Mittwoch (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) mit einem Heimspiel gegen den AS Rom in die Champions League startet, versucht den niederländischen Verband unter Druck zu setzen, indem er bei Robbens Behandlung von "grober Fahrlässigkeit" spricht. Zudem verweist der Club auf die Moral. Diese müsse, so Rummenigge, "in dieser Welt auch eine Berechtigung haben". Bayern-Kapitän van Bommel findet dies auch, allerdings aus einem ganz anderen Grund: "Ich höre von keinem, der an Arjen denkt und daran, wie er möglichst schnell wieder fit wird. Man denkt nur an das Geld."

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Kanzla87 05.07.2010
1.
Ich hoffe der BVB wird eine ähnlich couragierte Saison wie letztes Jahr spielen. Spannend werden die Fragen, wie der hochgelobte Neuzugang Robert Lewandowski mit Lucas Barrios harmoniert und wie die junge Mannschaft die dreifachbelastung kompensieren kann. Auf eine spannende Saison! PS: Freue mich schon auf das Duell am 1. Spieltag gegen Bayer Ballackkusen...
Klartext007 05.07.2010
2. Hallo?
Zitat von sysopInteressante Newcomer, versierte Veteranen und hochmotivierte Fans brennen auf den Start: Was bringt die kommende Saison 2010/2011 der Fußball-Bundesliga? Was kann Ihr Lieblingsverein erreichen?
Wir sind noch mitten in der WM! Es lebe die Schnelllebigkeit!
de.nada 05.07.2010
3. Hallo, hallo....
Zitat von Klartext007Wir sind noch mitten in der WM! Es lebe die Schnelllebigkeit!
das ist schon lange so... Die WM wird nicht wegen der Bundesliga unterbrochen, keine Sorge. Sie interessieren sich noch nicht so lange für Fußball ?
saul7 05.07.2010
4. ++
Zitat von sysopInteressante Newcomer, versierte Veteranen und hochmotivierte Fans brennen auf den Start: Was bringt die kommende Saison 2010/2011 der Fußball-Bundesliga? Was kann Ihr Lieblingsverein erreichen?
Ich hoffe nicht, dass die Bayern wieder die Liga dominieren und würde mich freuen, wenn es spannender zuginge!
Balla8872 05.07.2010
5. Wie letzte Saison
Zitat von saul7Ich hoffe nicht, dass die Bayern wieder die Liga dominieren und würde mich freuen, wenn es spannender zuginge!
Also so wie letzte Saison^^
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