Bayern-Torwart Kahn "Gott wollte nicht, dass wir ausscheiden"

Es war das verrückteste Europapokalspiel seiner Karriere. Ein wütender Oliver Kahn peitschte sein Team in letzter Minute nach vorn - und das Wunder geschah: Die Münchner zogen ins Halbfinale ein. Jetzt erzählt Kahn, wie er das Drama erlebte.


Frage: Oliver Kahn, das 3:3 nach Verlängerung beim FC Getafe war Ihr 140. Europapokalspiel. War es das verrückteste?

Oliver Kahn: Ja. Ich war schon überall in Europa, in Madrid, Manchester, Mailand und Barcelona. Das waren alles große Spiele, aber so etwas war noch nie da. Wir werden uns in zehn Jahren nicht über das Champions-League-Finale 1999 in Barcelona gegen Manchester United unterhalten, sondern über Getafe.

Bayern-Keeper Oliver Kahn: "Wir werden noch in zehn Jahren über Getafe reden"
REUTERS

Bayern-Keeper Oliver Kahn: "Wir werden noch in zehn Jahren über Getafe reden"

Frage: Es scheint so, als hätte jemand etwas dagegen gehabt, dass ihre internationale Karriere auf diesem Hinterhof des Fußballs endet ...

Kahn: Das Gefühl hatte ich auch. Der liebe Gott wollte nicht, dass wir hier ausscheiden.

Frage: Wie haben Sie die letzten Minuten erlebt?

Kahn: Das kann man gar nicht beschreiben, was da abgegangen ist. Es ist wirklich interessant, dass man 20 Jahre im Europacup spielt, und denkt, man habe alles erlebt. Und dann bekommt man so ein Spiel noch oben drauf gesetzt. Unglaublich.

Frage: Am Ende stürmten Sie mit und waren am 3:3-Ausgleich beteiligt. Wie groß war Ihr Anteil am Erfolg?

Kahn: Ich konnte der Mannschaft nicht allzu sehr helfen. Das einzige, was ich abgeliefert habe, war mein grandioser Sprint am Ende. Ob ich jemanden gefoult habe, kann ich nicht beurteilen. Ich bin da relativ unerfahren. Ich wollte für Verwirrung sorgen, dann kam die Superflanke von José Sosa und das Weltklassetor von Luca Toni. Es hat also wohl geklappt.

Frage: Als Sie vom Platz gegangen sind, hat Sie Ihr Trainer Ottmar Hitzfeld in den Arm genommen. Was hat er Ihnen gesagt?

Kahn: Dass es unglaublich ist, was wir beide auf unsere alten Tage noch so erleben müssen.

Frage: Ist das ersehnte Triple jetzt in Reichweite?

Kahn: Das Triple hängt von Kleinigkeiten ab, das haben wir in diesem Spiel wieder gesehen. Wir hatten großes Glück. So wie wir gespielt haben, hat man eigentlich international nichts verloren. Im Halbfinale müssen wir besseren Fußball spielen.

Frage: Was erwarten Sie sich für die kommenden, die letzten Wochen Ihrer Karriere?

Kahn: Da wird noch einiges kommen. Die Meisterschaft, dann das Pokalfinale gegen Borussia Dortmund, und der Uefa-Cup - ich bin gespannt, was der dramatische Topf für uns noch bereit hält.

aufgezeichnet von Marco Mader (sid)



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