Nach Kritik an Sonderrolle Bayern-Trainer Flick schimpft über Corona-Experten

Eigentlich hätte Bayern-Trainer Hans-Dieter Flick nach dem Gewinn der Klub-WM allen Grund zu guter Laune. Doch die Kritik an der Reise nach Katar ist ihm offenbar nahegegangen.
Hans-Dieter Flick wurde unwirsch beim Thema Corona

Hans-Dieter Flick wurde unwirsch beim Thema Corona

Foto: NOUSHAD THEKKAYIL/EPA-EFE/Shutterstock

Trainer Hans-Dieter Flick vom deutschen Rekordmeister Bayern München hat sich gegen die Kritik an der Sonderrolle des Fußballs in Pandemiezeiten gewehrt und »sogenannte Experten« aus der Politik scharf attackiert. »Sie sollen sich zusammensetzen und eine Strategie entwickeln, dass man irgendwann Licht am Ende des Tunnels sieht. Das ist aktuell zu wenig«, schimpfte Flick am Sonntag.

Die Bayern hatten am Donnerstag die Klub-WM in Katar gewonnen. Dass die Münchner für diesen Wettbewerb trotz der Pandemie angereist waren und anschließend ohne folgende Quarantäne nach Deutschland zurückkehren konnten, hatte Kritik ausgelöst. Thomas Müller war zudem für das Finale wegen eines positiven Corona-Tests ausgefallen. Auch das hatte das Bild der Katar-Reise getrübt.

Flick ließ die Kritik nicht gelten und ging zur Gegenattacke in Richtung Politik über. Er habe das Gefühl, »dass jeder aus der Situation seinen Profit schlagen will und darauf schaut: Wie kann er bei der nächsten Wahl ein paar Prozentpunkte mehr machen«, so Flick sichtlich aufgebracht: »Das ist weit an dem vorbei, was sie als Aufgabe haben: Gemeinsam zu arbeiten, dass es irgendwann zu einer Normalität kommt.«

»Unser Job, unser Business«

Angela Merkel nahm Flick bei seiner Kritik ausdrücklich aus. Die Bundeskanzlerin nehme sich »nicht zu wichtig«. Es sei aber »krass«, wie ihr Handeln von Experten und anderen Politikern andauernd bewertet werde. »Da sollte man ein Miteinander finden, um den Menschen wieder Zuversicht zu geben. Das ist aktuell nicht der Fall.«

Der Fußball genieße einen Sonderstatus, gab Flick zu. Aber Reisen wie zur Klub-WM nach Katar seien »unser Job, unser Business, eine Sache, die wir machen müssen«.

Kritik daran wie von SPD-Gesundheitspolitiker Lauterbach könne er nicht nachvollziehen: »Der Herr Lauterbach hat immer zu allem einen Kommentar abzugeben. Wenn ich nicht in der Verantwortung stehe und mir nur das Ergebnis anschaue, kann ich das immer leicht bewerten.«

Lauterbach reagierte via Twitter. »›Sogenannte Experten‹ äußern sich, weil Journalisten sie um Einschätzung bitten«, schrieb er. »Wenn Hansi Flick anderer Meinung ist, soll er einfach seine Argumente bringen. Dafür muss er nicht Experte sein. Auch andere Argumente zählen. Aber als Amateursportler sage ich: nicht unfair sein!«

aha/sid