Bayerns Niederlage Tränen statt Triple

Inter war einfach besser. Das ist das schlichte Fazit nach der Niederlage der Bayern im Finale der Champions League. Den Münchnern fehlten Reife, Cleverness - und eine gute Innenverteidigung. Mailands Trainer Mourinho schlug seinen Lehrmeister van Gaal mit einer taktischen Meisterleistung.

dpa

Aus Madrid berichtet Sebastian Winter


Nicht nur den Spielern des FC Bayern blieb an diesem warmen Frühlingsabend der undankbare zweite Platz, sondern auch ihren Fans, bei denen vielen die Tränen kamen. Vor dem Champions-League-Finale in Madrids Bernabéu-Stadion hatten die 20.000 Sympathisanten des deutschen Rekordmeisters Folien mit den Vereinsfarben über sich gehalten. Gegenüber rollten die Tifosi ein spektakuläres Banner mit dem Emblem ihres Clubs aus. 1:0 für Mailand. In der Halbzeitpause, Mailand war auch auf dem Rasen in Führung gegangen, wedelten die Italiener auf den Rängen Tausende gelb-blaue Mini-Flaggen in einer hübschen Choreografie. Bei den Bayern hingegen hingen die Fahnen schlaff herunter: 2:0. Als dann in der 70. Minute Mailands Stürmer Diego Milito sein zweites Tor machte und an die linke Eckfahne lief, mussten die Ordner Mailands Fans zurückhalten, sonst wären sie dem Argentinier dutzendfach um den Hals gesprungen. Da waberten noch Rauchschwaden der bengalischen Feuer durch die Arena, die ein paar Bayern-Anhänger kurz nach Thomas Müllers größter und zugleich Bayerns bester Chance gezündet hatten: 3:0 für Mailand.

Die kleine Niederlage für die Bayern-Fans, die ihre Mannschaft dennoch begeistert feierten, hatte durchaus Parallelen mit der weitaus schlimmeren 0:2-Finalpleite ihres Clubs. Mailand wirkte nicht nur auf den Tribünen, sondern auch auf dem Rasen die gesamte Partie über ein wenig gewitzter, origineller und reifer als die Bayern. Die Internazionale machte in diesem Spiel um die europäische Fußballkrone einfach die bessere Figur.

Inter spielt effektiver und attraktiver

Das Finale der Landesmeister war als Duell der Systeme angekündigt worden. Mailands Defensivkunst und die Wucht schneller Konter auf der einen Seite, Münchens Ballbesitzschule und ihr mächtiger Offensivdrang auf der anderen Seite. Die Bayern gegen Inter, das war die Partie des Lehrmeisters Louis van Gaal gegen seinen früheren Schüler José Mourinho. "Mourinho spielt, um zu gewinnen, ich spiele attraktiv, auch für die Zuschauer", hatte van Gaal vor der Partie immer wieder betont. Diesen kleinen Seitenhieb konnte sich der Holländer nicht verkneifen. Nun fällt der Satz auf van Gaal zurück. Denn Mourinhos Mannschaft spielte effektiver und attraktiver als van Gaals Bayern. Der ehrgeizige Portugiese hat seinen Lehrmeister geschlagen. Kann es eine bessere Reifeprüfung geben?

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Champions-League-Finale: Trauer in München, Jubel in Mailand
Dass Mailand das Champions-League-Finale am Ende in einer beeindruckend dominanten Art und Weise gewann, lag jedenfalls nicht daran, dass sie destruktiv spielte, wie es ihr vor allem im Halbfinale gegen Barcelona vorgeworfen worden war. Der Erfolg basierte vielmehr auf einer taktischen Meisterleistung: Die Italiener ließen das Spiel der Bayern durch gezieltes Forechecking und eine hervorragende Deckung vor dem eigenen Tor nicht zur Geltung kommen, zugleich waren ihr Konterspiel und Milito, der zweifache Torschütze, entscheidend für den Erfolg.

Sympathien für die Bayern

Den Bayern fehlte dagegen noch die Reife und Cleverness, was auch der sehr enttäuschte Arjen Robben entschuldigend anmerkte: "Wir haben eine junge Mannschaft und noch nicht viel Erfahrung, vielleicht muss man das verstehen." Die Niederlage ist auch durchaus zu verschmerzen, da Spieler wie Badstuber oder Müller eine tolle Saison hinter sich haben und möglicherweise vor einer großen Zukunft bei den Bayern stehen. Außerdem haben gerade diese Spieler dazu beigetragen, dass den Bayern im Verlauf dieser Saison ungeahnte Sympathien zuflogen - und sie nun so etwas wie die Meister der Herzen dieser Champions League geworden sind. Es muss gar nicht schlecht sein für diese junge Mannschaft, dass sie das erste Triple so knapp verfehlte. Was hätte sie noch erreichen wollen nach einem Sieg gegen Mailand?

Innenverteidigung ist Mailand nicht gewachsen

Ein anderer Aspekt des Finales sollte den Bayern größere Sorgen machen: Mailands Milito offenbarte in einer entwaffnend einfachen Art und Weise, wo sich die Achillesferse des Bayern-Spiels an diesem Abend befand: Im Zentrum der Abwehr. Wie der Argentinier bei seinem 1:0 Bayerns Innenverteidiger Martin Demichelis schlecht aussehen ließ, wie er Abwehrchef Daniel van Buyten vor dem 2:0 mit einer kurzen Täuschung austanzte, das kann auch den Bayern-Bossen nicht gefallen haben. Ihre Innenverteidigung räumte auch an diesem Abend die Zweifel nicht aus, dass sie den allerbesten Gegnern nicht gewachsen ist.

Bayern München wird sich in diesem Bereich verstärken müssen, um im kommenden Jahr erneut eine wichtige Rolle in Europa zu spielen - und einen neuen Angriff auf den vierten Champions-League-Platz zu nehmen, den nun José Mourinho mit Mailand für Italien gesichert hat. Sein Sohn saß ihm nach dem Triumph auf den Schultern. José Junior stand auf seinem Trikot mit der Nummer 10. Mourinho wird wohl nach Madrid gehen , nachdem er mit Mailand nun das Triple gewonnen hat. Auch van Gaal kokettierte im Frühjahr damit, zu wechseln. Nach drei Titeln könne er schließlich nichts mehr verbessern. Nun bleibt van Gaal. Seit Samstagabend hat er einen neuen Auftrag.

Bayern München - Inter Mailand 0:2 (0:1)
0:1 Milito (35.)
0:2 Milito (70.)
München: Butt - Lahm, van Buyten, Demichelis, Badstuber - van Bommel, Schweinsteiger - Robben, Müller, Altintop (63. Klose) - Olic (74. Gomez)
Mailand: Julio Cesar - Maicon, Lucio, Samuel, Chivu (68. Stankovic) - Zanetti, Cambiasso - Sneijder - Eto'o, Milito (90.+2 Materazzi), Pandev (79. Muntari)
Schiedsrichter: Howard Webb (England)
Zuschauer: 74.954 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Demichelis, van Bommel - Chivu

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Mullaar 23.05.2010
1. Bravo Mailand!
Die bayern hatten ab dem achtelfinale nur mit glück das finale erreicht: duseltore in letzter minute gegen schwache gegner wie florenz, turin oder lyon. ich weiss nicht, woher sich van gaal die sicherheit nahm tatsächlich gegen mailand zu gewinnen. man hat gesehen, wie einfach die bayern im sturm auszubremsen sind. robben, dem immer nur das gleiche in all seinen spielen einfällt: von der flanke am sechszehner entlang laufen und in der mitte aufs tor zielen. so schiesst man vielleicht tore gegen gegner, die es nicht schnallen, dass er immer die gleichen spielzüge macht. mailand konnte ihn problemlos ausser kraft setzen. und dass man nin sagt, ribery hat an allen ecken und enden gefehlt ist eine schlichte ausrede. wann kapieren die bayern und wir deutschen, dass man nicht immer nach jedem spiel einen vorwand braucht, um die niederlage zu beweisen. lächerlich. lächerlich auch beckenbauer, der ribery vermisst haben soll. ich denke, dass nächstes jahr nicht wieder 3 gegner am stück gegen die bayern spielen. dann kann bayern froh sein, dass sie bis ins viertelfinale kommen. zum abschluss wird nun geschönredet, dass mourinho ja von gaal gelernt hat und deswegen erfolgreich gegen bayern war. wie dumm ist eigentlich die presse, die das behauptet? ich glaube eher, dass van gaal in barcelona gelernt hat, wie man fussball spielt. sicherlich auch ein stück von mourinho. bayern, haltet mal die bälle schön flach - ihr seid nur mittelmaß in europa!
Nikaia 23.05.2010
2. (leider) verdient
ich muss zugeben, ich habe selten so emotionslos ein spiel meiner mannschaft verfolgt. ich hatte zu keiner zeit wirklich das gefühl, dass bayern fähig war, chancen gegen inter zu kreieren. im endeffekt haben sich beide mannschaften mehr oder weniger gegenseitig neutralisiert, wobei inter leider diesen einen schuss effektiver war. 2 chancen + 2 fehler der IV = 2 tore. im endeffekt saß ich recht ratlos vorm fernseher. bayern war nicht in der lage, gegen die engmaschige verteidigungslinien inters wirklich gefährlich zu werden und inter hat sich von anfang an auf ein extrem unansehnliches (aber leider effektives) defensivspiel beschränkt. wirkliche vorwürfe kann ich hier weder den bayern machen (da ging gestern spielerisch anscheinend nicht mehr) noch inter. alles in allem leider gottes nicht der fußballabend, auf den ich mich wochenlang gefreut habe. die niederlage bayerns war vollkommen verdient, aber die art und weise inters fußball zu spielen mag effektiv sein, werbung für den fußball ist sie definitiv nicht.
perpendicle, 23.05.2010
3.
Zitat von sysopSouveräner Erfolg im Endspiel: Durch ein 2:0 gegen Bayern im Endspiel von Madrid hat das Team von José Mourinho Europas Fußballkrone erobert. Sind die Italiener die verdienten Sieger? Diskutieren Sie mit anderen SPIEGEL-ONLINE-Lesern.
Ja! die waren einfach porfessioneller. Robben hat sich m. M. echt reingehängt, war das ganze Spiel über fleißig und der beste Spieler des FCB. Bei van Bommel mussten die Gegner zumindest mal eine ihrer Schwalben zum Besten geben. Schweinsteiger dagegen hat so gut wie nichts zerrissen-( außer die großen Sprüche vorher).Es war so, als ob er gar nicht dabei gewesen wäre. Von Stehgeiger Klose sieht man ja immer so gut wie nichts, außer er bekommt mal einen Kopfball passend vorgelegt. So klein ist er ja auch wieder nicht, dass man ihn bei der Übertragung übersehen würde. der Rest des FC bayern hatte permanent als Verteidiger zu tun und die Zeit zwischendurch hat man sich damit totgeschlagen, sich gegenseitig den Ball zuzukicken. Während der FC Bayern ansonsten so verkrampft wirkte wie sonst nur die N11 , hat man bei den Standardübungen wie Ballsicherheit bei van Gaal deutlich dazugelernt. Auf Basis eines solchen soliden Grundkönnens besteht Hoffnung, dass so ein Spiel dann auch mal locker und in realtime angegangen wird und das wichtigste umgesetzt wird was es zum Erfolg braucht. Improvisieren ( so nennt es JBK) bzw.die Chancen im hier und jetzt zu erkennen.
momost 23.05.2010
4. Titel
Hätte Bayern ein vergleichbares Spiel wie zuvor gegen Bremen/Lyon/ManU aufgezogen, das Match wäre offen gewesen. So hat Inter verdient gewonnen, deren Konter und vereinzelten Vorstöße waren erschreckend präzise und immer gefährlich. Bayern war zu ideenlos und ängstlich, die unendlichen Versuche mal durchzukommen sind regelmäßig in der Diagonalen versackt. Da war kein Zug drinne und es kam einfach keine Gefahr vorm Tor auf. Allerdings denke ich nicht, dass Ribery da eine Bereicherung gewesen wäre. Eher glaube ich, dass dann auf der linken Seite mächtig die Hütte gebrannt hätte. Altintop ist zumindest nach hinten deutlich präsenter. Und die Abwehr war, bis auf den Aussetzer von VanBuyten, nicht so schlecht, wie sie jetzt gemacht wird. Demichelis fand ich eigentlich ganz gut. Das erste Tor geht mE nicht auf seine Kappe allein. Eher ist das große Loch im Mittelfeld beim Umschalten ein Problem, die Inter-Staffel stand da wesentlich kompakter. Dass Einige jetzt gerne die gesamte Klasse der Mannschaft zerreden wollen, ist der pure Niederlagenaktionismus. Das war eine Hammer-Saison, auch ohne CL-Sieg. Gestern war kein guter Tag, es war aber auch nicht das volle Leistungsvermögen der Bayern zu sehen.
Mr.Matze, 23.05.2010
5.
ein einziger weiter Abschlag der sein Ziel findet und nicht verstolpert wird reichte aus um Bayern ihre Defizite aufzuzeigen Bayern hatte über 62% Ballbesitz lag aber schon 0:1 hinten dies zeigt eindrucksvoll das Sie nix effizentes mit dem Ball machen konnte Gerecht verloren wer schreibt eigentlich Lahm als Weltklasseverteidiger hoch,der spielte gestern Kreisklasse,nur Sicherheitsfußball hinten rum,sag dem mal einer wo das Tor steht
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