Bayerns Robert Lewandowski Mehr als 95 Prozent

Erst protestierten die Fans der Bayern gegen Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies. Dann bejubelten sie die Robert-Lewandowski-Show. Das Debüt von Philippe Coutinho ging da beinahe unter.

Zwei Spiele, fünf Tore - kann man so machen. Es läuft gerade richtig gut für Robert Lewandowski.
Martin Rose/REUTERS

Zwei Spiele, fünf Tore - kann man so machen. Es läuft gerade richtig gut für Robert Lewandowski.


Szene des Spiels: Es lief die 19. Spielminute, als Bayern Münchens Kingsley Coman mit viel Tempo und dem Ball am Fuß in den Strafraum zog. Gegenspieler Jonjoe Kenny reagierte einen Sekundenbruchteil zu spät und, als wäre das nicht ärgerlich genug, stolperte er anschließend über die eigenen Beine und in Coman hinein. Schiedsrichter Marco Fritz entschied auf Strafstoß, ihm blieb gar keine Wahl. Robert Lewandowski trat an und verwandelte, man hätte es ahnen können. Fortan nahm dieses Spiel eine Wendung, die den Schalkern sicher nicht gefallen hat.

Ergebnis des Spiels: Bayern München hat gegen Schalke 04 deutlich 3:0 (1:0) gewonnen. Hier geht es zum Spielbericht.

Die Lewandowski-Show: Damit hat Lewandowski im neunten Pflichtspiel in Folge gegen Schalke 04 getroffen. In der Bundesliga-Historie hat übrigens nur Gerd Müller (18) mehr Tore gegen Schalke erzielt als Lewandowski (16). Und der verwandelte Elfmeter sollte nicht Lewandowskis einziger Treffer an diesem Abend bleiben. Als das Spiel beendet war, sah seine Saisonbilanz so aus: Zwei Ligaspiele, fünf Tore - und damit einhundert Prozent aller Bayern-Treffer.

Die erste Hälfte: Viel war nicht, sieht man mal von Lewandowskis Treffer ab. Schalkes Trainer David Wagner hatte mutig aufgestellt und seinen Spielern zudem ein sehr frühes Pressing verordnet. Bis zum 0:1 ging dieser Plan auf, das Spiel der Bayern war zu statisch, um einen individuell unterlegenen Gegner zu kontrollieren. Es fehlte das kreative Element, das Fehlen des verletzten Strategen Thiago (Beschwerden an der Halswirbelsäule) sah man beinahe bei jedem Angriff.

Fans mit Meinung: Zweieinhalb Wochen sind vergangen, seit Schalkes Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies mit rassistischen Äußerungen auffiel. Anhänger von S04 hatten Tönnies daraufhin beim DFB-Pokalspiel bei Drochtersen/Assel symbolisch die Rote Karte gezeigt. Proteste gegen Tönnies gab es auch diesmal, nun waren es vor allem die Anhänger der Bayern, die sich positionierten.

Die zweite Hälfte: Wurde dominiert von Lewandowski, von wem auch sonst. Zwei weitere Tore erzielte er, eines schöner als das andere: Erst schlenzte er einen Freistoß aus 22 Metern genau links oben ins Eck, Schalkes Torhüter Alexander Nübel flog schön, aber er flog auch vergeblich (50.). Tor Nummer drei gelang Lewandowski, nachdem ihn Coman freigespielt hatte. Der Rest war Weltklasse: Annahme aus der Drehung, Flachschuss rechts unten ins Eck (75.).

Erfolgreiche Verhandlungen: Lewandowski hatte dann noch einen Auftritt, den die Bayern-Fans gerne gesehen haben werden. Als Lewandowski im Interview mit Sky gefragt wurde, ob denn demnächst mit der Bekanntgabe seiner Vertragsverlängerung in München zu rechnen sei, sagte er: "Ja, zu 95 Prozent."

Hadernde Schalker: Schalke spielte auch noch mit, und das gar nicht mal so schlecht. Doch in den entscheidenden Situationen entschieden sie sich oft für die falsche Option, manchmal hatten sie auch einfach Pech. Mehrfach forderten die Schalker Strafstoß, zweimal hätten sich die Bayern nicht beschweren dürfen, wenn Schiedsrichter Fritz gepfiffen hätte. Einen Schuss von Weston McKennie bekam Benjamin Pavard an die Hand (56.), dann wehrte Ivan Perisic einen Freistoß von Daniel Caligiuri mit demselben Körperteil ab (63.). Es hat schon Schiedsrichter gegeben, die in vergleichbaren Situationen auf Handelfmeter entschieden haben.

Bayerischer Debütantenstadl: Falls Sie gerade über den Namen Perisic gestolpert sind: Ja, der hat mitgespielt, ab der 57. Minute. Und er war nicht der einzige Debütant: Bayern-Trainer Nico Kovac brachte ihn gleichzeitig mit Philippe Coutinho, dem Münchner Signaltransfer dieses Sommers. Prompt stellte Kovac auf ein 4-2-3-1 um, mit Coutinho auf der Zehn. Es ist, das hatte Kovac schon vor dem Spiel bei Sky gesagt, die Position, auf der er Coutinho am stärksten sieht. Gegen Schalke tasteten sich beide Neuzugänge vorsichtig heran, um es nett auszudrücken. Die auffälligste Szene hatte Coutinho, als er Caligiuri tunnelte, sich dann aber fallen ließ. Kann ja noch werden.

FC Schalke - FC Bayern München 0:3 (0:1)
0:1 Lewandowski (20., Foulelfmeter)
0:2 Lewandowski (50.)
0:3 Lewandowski (75.)
Schalke: Nübel - Kenny, Stambouli, Nastasic, Oczipka - McKennie, Mascarell (59. Sané) - Caligiuri, Harit (85. Mercan), Raman (51. Kutucu) - Burgstaller
Bayern: Neuer - Pavard, Süle, Hernandez (77. Martínez) - Kimmich, Alaba - Gnabry (57. Perisic), Müller (57. Coutinho), Tolisso, Coman - Lewandowski
Zuschauer: 62.271 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Fritz
Gelbe Karten: - / -



insgesamt 74 Beiträge
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Seite 1
CancunMM 24.08.2019
1.
ich verstehe die Handregelung nicht mehr. Jetzt geht es wieder los. Also wenn das keine Elfmeter waren. Und ich bin bestimmt kein Schalkefan.
m01 24.08.2019
2. Weltstar
Was genau macht Coutinho zum Weltstar? Das unprofessionelle rausstreiken bei Liverpool? Oder das sich nicht durchsetzen können in Barcelona? Oder ist mittlerweile jeder Brasilianer ein Weltstar? Sehr komische Voraussetzungen in Deutschland um als Weltstar kategorisiert zu werden...
grafjoster 24.08.2019
3. Kirmesveranstaltung
Die Bundesliga wird immer mehr zur Lachnummer:-) Wie beim Wrestling weiß man schon vorher wer gewinnen soll und das die"Schiedsrichter"die Augen zumachen:-D
rainer82 24.08.2019
4. Nicht nur die Bayern-Fans
haben gegen die rassistischen Ausfälle des Herrn Tönnies demonstriert, sondern zum Glück auch (wie auch schon letzte Woche beim Auswärtsspiel) unzählige Schalker. Tönnies wird's hoffentlich gesehen und gehört haben und die Konsequenzen ziehen.
eltajin 25.08.2019
5. Danke, Bastian Dankert!
Du hast als Videoschiedsrichter beim Spiel Schalke gegen Bayern wieder ganze Arbeit geleistet. Gerade als das Spiel zu kippen drohte, wurden zwei klare Handspiele der Bayern von Dir gnädig übersehen. Dank auch an den DFB, der es immer wieder hinkriegt, den Basti als zwölften Mann unserer geliebten Bayern auflaufen zu lassen. Basti ist einfach der Beste und toppt bei weitem Felix Zwayer und andere, obwohl die sich auch alle erdenkliche Mühe geben.
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