Beckham-Vorstellung Los Angeles bejubelt den Fußball-Messias

Rockige Klänge, fliegende Papierschnipsel, Tausende Fans im Stadion: Los Angeles hat David Beckham einen rauschenden Empfang bereitet. Jedes Wort des Fußballstars wurde bejubelt - der Engländer begann seine Rede jedoch gleich mit einem Fauxpas.


Carson - Seine Antrittsrede vor den Anhängern der L.A. Galaxy im Home Depot Center eröffnete Superstar Beckham mit einem lapsus linguae: Als er über den Fußball sprechen wollte, sagte er ganz kurz "Football" - dann korrigierte sich der Engländer und wählte doch die amerikanische Form - "Soccer". Beckham lächelte kurz, dann johlte die Menge.

Dass Beckham Los Angeles sogar mit einem verbalen Ausrutscher begeistern kann, sagt einiges über die Hysterie, die um den neuen Heilsbringer des US-amerikanischen Fußballs entbrannt ist, nicht erst, seit er heute im Stadion der L.A. Galaxy vorgestellt wurde. Frank Yallop, der Trainer des MLS-Teams, lobte den von Real Madrid gekommenen und mit einem Fünfjahresvertrag ausgestatteten Engländer als "großartige Persönlichkeit auf und neben dem Platz, als Siegertypen".

Der Commissioner der Major League Soccer, Don Garber, sieht den ehemaligen Profi von Manchester United und Real Madrid gar als Hoffnungsträger für eine leuchtende Zukunft des US-Fußballs. "Wir hoffen, dass Beckham uns helfen wird, unseren Traum zu verwirklichen. Den, dass die MLS eines Tages zu den größten Fußballligen der Welt gehört." Beckham revanchierte sich später für das Lob, das auch in persona von Teammanager Alexi Lalas sehr üppig ("Das ist ein historischer Moment") ausfiel: "Ich möchte schnell noch sagen, wie sehr ich mich geehrt fühle, hier so viele Menschen zu sehen", so Beckham.

Seine Rolle spielte der 32-Jährige an diesem Tag schon mal perfekt. Er sei "stolz, ein Kalifornier zu sein", äußerte er pathetisch - und erneut war ihm der Jubel der Fans sicher. Seinen persönlichen Neuanfang hatte der in einen grauen Anzug gewandete Beckham auch mit einer neuen Haarfarbe unterstrichen. Fast weiß kommt die Kopfbehaarung nun daher, so weiß wie die Farbe des Galaxy-Trikots, das er mit Ex-Nationalspieler Lalas in die Kameras hielt. Beckham wird auch in den USA die Nummer 23 tragen. Eine Ziffer, die der als bester Basketballer der Geschichte geltende Michael Jordan berühmt gemacht hat.

In einem Interview mit dem Fernsehsender CNN erklärte Beckham, es sei schade, dass der Fußball in der größten Sportnation der Erde nicht unter den drei wichtigsten Sportarten rangiere. "Ich will meinen Teil dazu beitragen, dass sich daran etwas ändert." Er äußerte sich auch zur Position auf dem Spielfeld, die Coach Yallop für ihn vorgesehen habe. "Er würde mich gern im zentralen Mittelfeld sehen, und dort habe ich ja auch schon gespielt", sagte Beckham, der während seiner Zeit bei Manchester United regelmäßig auf der rechten Außenbahn agiert hatte, bei Real Madrid dann in die defensive Zentrale rückte.

Beckhams Verdienst wird in ähnlichen Dimensionen liegen wie die früheren Einkünfte der Basketball-Ikone Jordan. Etwa 250 Millionen Dollar wird der Fußballer kassieren binnen fünf Jahren, wobei den Großteil der gigantischen Summe Werbeeinnahmen ausmachen. In Los Angeles verdient Beckham die vergleichsweise bescheidene Summe von sechs Millionen Dollar per annum. Sein Debüt wird "Becks" am 21. Juli beim Freundschaftsspiel gegen den FC Chelsea bestreiten.

goe/fs



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