Beckhams Ende im Nationalteam Geknickter Kicker

"Er ist inzwischen ein wenig zu alt. Danke, David": Mit zwei knappen Sätzen hat Englands Trainer Fabio Capello die Nationalmannschaftskarriere von David Beckham beendet. Ein unrühmlicher Abgang für den Popstar des englischen Fußballs - aber ein Segen für das Team.


Der Mittelpunkt ist sein Leben. David Beckham. Ein Name, der in der Fußballwelt wie kein zweiter für Pop, Glamour und Schlagzeilen steht. Ein Mann, der bei seinen Clubs und in der englischen Nationalmannschaft immer mittendrin war, nie nur dabei. Doch damit ist es im Auswahlteam seines Landes jetzt vorbei. Beckham ist nicht mehr mittendrin, er ist nicht mal mehr dabei. Beckham ist raus.

"Ich denke, er ist inzwischen ein wenig zu alt. Danke, David."

Diese beiden Sätze von Englands Nationaltrainer Fabio Capello, gesprochen vor dem Freundschaftsspiel des Teams gegen Ungarn, reichten aus, um Beckhams Karriere bei den "Three Lions" zu beenden. Das Ende nach 115 Länderspielen, so viele hat kein anderer Feldspieler für England je bestritten. Das Ende für den wohl bekanntesten englischen Fußballer aller Zeiten, der die Medien benutzte und von den Medien benutzt wurde. Das Ende nach 14 Jahren im Dienste Englands.

Vor allem aber ist dieser Abschied, den Capello lieber im britischen Sender ITV bekanntgab, statt ihn dem 35-Jährigen persönlich mitzuteilen, ein Ende, das sich Beckham gänzlich anders vorgestellt hatte - und das damit sinnbildlich für seine Karriere im Nationaltrikot ist. Denn im englischen Auswahlteam lief es selten so, wie Beckham es sich gewünscht hatte.

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David Beckham: Stationen eines Fußball-Popstars

"Zehn Helden und ein Idiot", lautete die Schlagzeile der englischen Boulevardzeitung "Sun" 1998, nachdem England bei der WM in Frankreich im Achtelfinale gegen Argentinien rausgeflogen war. 3:4 gescheitert, im Elfmeterschießen, natürlich, ab da stand Beckham schon nicht mehr auf dem Platz. Wegen einer Tätlichkeit war er damals in der 47. Minute beim Stand von 2:2 vom Platz geflogen. Rot, weil er von Argentiniens Diego Simeone gefoult worden war und sich mit einem Tritt gegen die Wade revanchierte.

Beckham war in Frankreich erst 23 Jahre jung, die WM sein erstes großes Turnier, und doch war der Youngster der Buhmann einer ganzen Nation. Wer wollte, konnte Pfeile auf Beckham abfeuern, denn der "Daily Mirror" druckte im Zuge der medialen Hetzkampagne eine Dartscheibe mit Beckhams Konterfei ab.

Schon damals polarisierte Beckham wie kein anderer Fußballer. Auf dem Platz zeigte er teilweise geniale Leistungen, seine Flanken und Freistöße waren Weltklasse. Schlagzeilen produzierte er aber vor allem mit seinem Privatleben.

Entweder man liebt Beckham oder man hasst ihn

Die Liason mit Victoria Adams, berühmt geworden als Mitglied der Pop-Gruppe Spice Girls, war der Anfang. Es folgten die im großen Stil vermarktete Hochzeit, der Umzug auf eine schlossähnliche Festung nahe London und ständig wechselnde Luxuskarossen. Das Privatleben der Beckhams war öffentlich, worüber sich das Paar mehr als einmal echauffierte. Andererseits nutzten beide die so zustande gekommene Popularität gnadenlos für lukrative Werbeverträge aus.

Wäre David Beckham bloß ein hervorragender Fußballer gewesen, wohl ganz England hätte ihm zu Füßen gelegen. Aber er war eben auch immer der Popstar, der wegen seines Privatlebens, wegen seiner vielen Tätowierungen und seiner ständig wechselnden Frisuren eine riesengroße Angriffsfläche bot. Die "Süddeutsche Zeitung" schrieb einst über Beckham: "Man liebt oder hasst ihn." Dazwischen gab es nichts.

Bei der EM 2000 in den Niederlanden und Belgien ging Englands Nationalteam unter, der Hass der Fans richtete sich aber vor allem gegen einen: Beckham. Der wurde beim 2:3 gegen Portugal von den eigenen Anhängern beschimpft und beleidigt und zeigte ihnen daraufhin den Mittelfinger.

Zur Versöhnung mit den Fans kam es ein Jahr später. Im entscheidenden WM-Qualifikationsspiel gegen Griechenland benötigte das Team mindestens ein Unentschieden, um sich direkt für das Turnier in Japan und Südkorea zu qualifizieren. Kurz vor dem Abpfiff lag England 1:2 zurück, als Beckham, mittlerweile Kapitän der englischen Auswahl, einen Freistoß aus rund 25 Metern direkt verwandelte und seine Mannschaft nach Asien schoss. Es war vielleicht der einzig wirklich große Moment des David Beckham im Nationalteam.

Beckham verschießt, England scheitert bei der EM 2004

Bei der WM 2002 scheiterte Beckham mit England im Viertelfinale 1:2 am späteren Weltmeister Brasilien, bei der EM 2004 kam das Aus in der gleichen Runde gegen Gastgeber Portugal. 5:6 hieß es nach Elfmeterschießen, Rui Costa verschoss auf Seiten von Portugal, bei England vergaben Darius Vassell - und Beckham.

Zwei Jahre später folgte bei der WM 2006 in Deutschland das Déjà-vu-Erlebnis: Wieder Viertelfinale, wieder gegen Portugal, wieder Elfmeterschießen und wieder das Aus. Dieses Mal jedoch ohne Beckham, der verletzungsbedingt kurz nach der Halbzeit ausgewechselt worden war, die 1:3-Niederlage nur von der Bank aus erlebte und einen Tag nach dieser Enttäuschung als Kapitän zurücktrat. Der Anfang vom Ende im Nationalteam.

Der neue Auswahlcoach Steve McClaren berücksichtigte Beckham fortan nicht mehr, wollte seinem Team eine "andere Richtung" geben. Zwar gab der Verbannte am 1. Juni 2007 sein Comeback, für die EM 2008 konnte sich das Team aber nicht qualifizieren, unterlag im entscheidenden Spiel Kroatien daheim 2:3.

Maskottchen bei der WM 2010

Beckham war zu diesem Zeitpunkt bereits ein Auslaufmodell. Bei Real Madrid sukzessive aussortiert, ausgerechnet vom damaligen Trainer Capello, versuchte der Mittelfeldspieler sein Glück bei den Los Angeles Galaxy in den USA, von wo er jeweils ab Januar 2009 und 2010 zum AC Mailand ausgeliehen wurde. Doch an die alten Zeiten konnte er sowohl dort als auch im Nationalteam nur selten anknüpfen.

Im Milan-Trikot zog Beckham sich im März dieses Jahres auch die bislang schlimmste Verletzung seiner Karriere zu. Achillessehnenriss, WM-Aus. Zwar reiste er mit dem Team nach Südafrika, saß im Anzug auf der Bank und feuerte seine Mitspieler an. Aber Beckham war, anders als in den vorangegangen 14 Jahren im Nationalteam, nur noch dabei, nicht mehr mittendrin. Schon da wirkte er eher wie ein Maskottchen.

Capello hat jetzt Beckhams Karriere bei den "Three Lions" endgültig beendet. "Ich werde ihn nicht mehr für Pflichtspiele nominieren", machte der Italiener unmissverständlich klar. So unrühmlich Beckhams Abgang dadurch ist - für das englische Team ist es ein Segen, den 35-jährigen Altstar nicht mehr bis zum nächsten großen Turnier mit durchschleppen zu müssen. Und es ist nach dem WM-Aus gegen Deutschland eine Chance für einen Neuanfang. Genau darauf setzt Capello wenn er sagt: "Für die Zukunft brauchen wir neue Spieler." Aber Beckham ist nicht die Zukunft, Beckham ist Vergangenheit.

Dabei hatte er kurz zuvor, bei einem Auftritt in Los Angeles, noch erklärt, dass er trotz seiner Verletzung und seiner 35 Jahre weiter für England spielen möchte. "Ich habe immer gesagt, dass ich nicht in den Ruhestand gehen werde, wenn es darum geht, für mein Land zu spielen. Ich stehe zur Verfügung."

David Beckham will noch, er glaubt, er kann noch - aber er darf nicht mehr.

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Seite 1
goethestrasse 12.08.2010
1. noch´n Kandidat
vielleicht ringt sich Bunde-Yogi ja auch zu diesen Worten bzgl. Michael Ballack durch.
Jettenbacher 12.08.2010
2. Auch andre Kicker haben schöne Frauen
Zitat von goethestrassevielleicht ringt sich Bunde-Yogi ja auch zu diesen Worten bzgl. Michael Ballack durch.
Das wünsche ich mir auch. Zudem er auch noch, na ja.... ich will ja nichts gesagt haben ;-)
Andreadeia 12.08.2010
3. Männlicher Neid
Zitat von sysop"Er ist inzwischen ein wenig zu alt. Danke, David": Mit zwei knappen Sätzen hat Englands Trainer Fabio Capello die Nationalmannschaftskarriere von David Beckham beendet. Ein unrühmlicher Abgang für den Popstar des englischen Teams - aber ein Segen für das Team. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,711412,00.html
Typisch respektloser und missgünstiger Artikel über David Beckham. Absolut billig, nur das Negative aufzulisten. Da spielt wohl der männliche Neid eine große Rolle. Was David alles geleistet hat, wird verschwiegen, ebenso sein vorbildliches soziales Engagement. Hauptsache man kann einem zu gut aussehenden, zu beliebten Fußballer noch zum Abschied in die Hacken treten, um mal im fußballerischen Jargon zu bleiben. Dabei möchte ich gar nicht beurteilen, ob die Entscheidung sachlich richtig ist. Kann durchaus sein, dass David aus objektiver Sicht nicht mehr gut genug für die NM ist. Aber ich hätte ihn gerne nochmal im Nationaltrikot spielen sehen.
Kanzleramt 12.08.2010
4. ...
Saß das Maskottchen bei der WM wirklich noch offiziell als Spieler auf der Bank, oder irgendwie als "Betreuer"? Wenn ja, wie kommt man darauf, für ein verletztes Maskottchen auf einen einsetzbaren Reservespieler zu verzichten?
Flowbama 12.08.2010
5. Ballack ist der Capitano
Zitat von goethestrassevielleicht ringt sich Bunde-Yogi ja auch zu diesen Worten bzgl. Michael Ballack durch.
ich wusste das sofort wieder sowas kommt. Warum sollte Jogi so etwas sagen??? Oh ja, stimmt. Ballack ist so schlecht, dass er jahrelang in einer der besten Club-Mannschaften der Welt gespielt hat. Er ist so schlecht, dass er sowohl Vereins- als auch Nationalmannschaften mit seinen Toren immer in die nächste Runde einzogen. Er ist so schlecht, dass er in der Nationalmannschaft als zentraler Mittelfeldspieler eine Torquote von 42 Toren in 98 spielen aufweist. Ich kann den Quatsch nicht mehr hören "er ist zu alt" bla bla bla... Er ist Kapitän und sollte es auch weiterhin bleiben bis zur EM. Wie könnte man denn den besten deutschen Feldspieler dieses Jahrzehnts einfach so absägen? Quasi aufgrund einer Verletzung aus der Nationalmannschaft werfen. Und das Argument, Ballack würde das Spiel verlangsamen ist totaler Unsinn. Seit wann spielt Chelsea langsam??? Ach ja, wer hat denn beispielsweise im EM-Viertelfinale gegen Portugal den entscheidenden Doppelpass mit Podolski gespielt woraufhin Schweinsteiger das Tor machte? Ja, der "langsame" Michi.
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