Befristeter Vertrag Ex-Torhüter Müller gewinnt Prozess gegen Mainz

Fußballprofis unterschreiben bei ihren Vereinen befristete Verträge - doch das könnte sich ändern. Der ehemalige Torhüter Heinz Müller hat gegen Mainz 05 nun einen Prozess gewonnen, der weitreichende Folgen haben könnte.
Heinz Müller: Sieg vor dem Arbeitsgericht

Heinz Müller: Sieg vor dem Arbeitsgericht

Foto: Fredrik von Erichsen/ dpa

Hamburg - Der ehemalige Bundesliga-Torwart Heinz Müller hat vor dem Arbeitsgericht einen Prozess gegen seinen Ex-Klub FSV Mainz 05 gewonnen - und das Urteil könnte weitreichende Folgen für Vereine und Verbände haben.

Der 36 Jahre alte Müller hatte gegen die Befristung seines Vertrags in Mainz geklagt und Recht erhalten. Folglich besteht der Kontrakt des Keepers weiter, FSV-Präsident Harald Strutz kündigte jedoch an, gegen das Urteil Rechtsmittel einzulegen: "Es wird definitiv in ein Berufungsverfahren gehen", sagte Strutz, der selbst Rechtsanwalt ist.

Das Thema könne laut Strutz "eine weitreichende Bedeutung wie das Bosman-Urteil haben - wenn es von den nächsthöheren Instanzen bestätigt wird". 1995 hatte der Europäischen Gerichtshof im Fall des belgischen Fußballprofis Jean-Marc Bosman entschieden, dass Fußballer der Europäischen Union nach Ende des Vertrages ablösefrei wechseln dürfen.

Sollte das Urteil im Fall Müller auch vor dem Landesarbeits- und Bundesarbeitsgericht rechtskräftig bleiben, dürften befristete Verträge, die derzeit gängige Praxis im Profifußball sind, der Vergangenheit angehören.

Das Arbeitsgericht veröffentlichte am Dienstag eine Erklärung zu seinem Urteil und berief sich dabei auf Paragraf 14 des Gesetzes über Teilzeitarbeit und befristete Arbeitsverträge. "Es gibt nach dem Gesetz nur zwei Möglichkeiten für eine Befristung: entweder eine Gesamtdauer von maximal zwei Jahren oder weil ein Sachgrund dafür vorliegt", sagte Gerichtssprecherin Ruth Lippa.

"Bei unbefristeten Verträgen hätten wir 50, 60 Profis im Kader"

Die Höchstbefristungsdauer war im Fall Müller bereits überschritten, weil der Torwart bei den Mainzern zuvor schon einmal einen Dreijahresvertrag von 2009 bis 2012 unterschrieben hatte. "Einen Sachgrund haben wir auch nicht für gegeben erachtet", sagte Lippa. Denn: "Die Eigenart der Arbeitsleistung als Profifußballspieler rechtfertigt als solche nicht eine Befristung des Vertrags", heißt es in der Erklärung des Gerichts.

Genau in diesem Punkt liegt die mögliche Sprengkraft des Urteils. Denn laut Strutz vertreten die Vereine die Auffassung: "Sachliche Gründe für eine Befristung sind im Profifußball immanent. Nehmen Sie nur den Bereich der Personalplanung", erklärte der Mainzer Präsident. "Wenn wir jeden Spieler mit einem unbefristeten Vertrag ausstatten würden, hätten wir ja 50, 60 Profis im Kader."

Konkret hatte Strutz in dem Verfahren mit genau dieser "Branchenüblichkeit" und noch einem anderen Punkt argumentiert: Mainz 05 hätte dem damals 34 Jahre alten Müller keinen unbefristeten Vertrag anbieten können, weil aufgrund seines Alters eine "Ungewissheit der Leistungserwartung" bestand.

"Aus unserer Sicht gibt es eine Vielzahl von Berufungsgründen. Bislang ist dieses Urteil nur die Rechtsauffassung einer einzelnen Richterin, die anderen Entscheidungen in diesem Kontext widerspricht", sagte Strutz.

Gerichtssprecherin Lippa hält dagegen: "Das Urteil kann durchaus eine Bedeutung über diesen Einzelfall hinaus haben", sagte sie. Natürlich könnten sich ein Verein und ein Spieler jederzeit auf einen Drei- oder Vierjahresvertrag einigen, "wenn der Spieler ausdrücklich die Flexibilität eines solchen befristeten Vertrags haben will". Aber auch solche Einigungen müssten auf dem Boden des Gesetzes erfolgen.

Zusammengefasst: Der ehemalige Mainzer Torhüter Heinz Müller hat gegen die Befristung seines Vertrags geklagt und Recht bekommen. Sollte das Urteil auch vor den weiteren Instanzen Bestand haben, geriete die gängige Praxis im Profifußball ins Wanken.

luk/sid/dpa