Beiersdorfer-Aus beim HSV Platz frei für den Alleinherrscher

Es ging nicht mehr: Der HSV und Dietmar Beiersdorfer haben sich getrennt. Der Sportchef ist der Verlierer im Machtkampf mit Vorstandschef Bernd Hoffmann, der im sportlichen Bereich mitreden will. Als Nachfolgekandidat gilt Sergej Barbarez - der als Aufsichtsrat über die Trennung mit entschied.

Von und Mario Junck


Zwei Stunden für sieben Jahre. Zwei Stunden Diskussion, zwölf Aufsichtsratsmitglieder, ein Nobelrestaurant an der Alster. Sieben erfolgreiche Jahre des Hamburger SV unter dem Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer sind aufzuwiegen gegen ein zerrüttetes Verhältnis zu Clubboss Bernd Hoffmann - am Ende, um 23.05 Uhr, ist Beiersdorfer nur noch der ehemalige Sportdirektor.

Sie hätten es sich nicht leicht gemacht, man bedauere das Ganze, lange habe man diskutiert: Das ganze Repertoire der Weichspüler benutzt Horst Becker, der Aufsichtsratschef des HSV, als er vor die Medienvertreter tritt.

Und meint doch nur: Endlich ist es vorbei.

HSV-Größen Hoffmann (l.) und Beiersdorfer: Endlich vorbei
DPA

HSV-Größen Hoffmann (l.) und Beiersdorfer: Endlich vorbei

Hoffmann und Beiersdorfer hätten am Montag bei einem Treffen mit einem vierköpfigen Schlichtungsgremium des Aufsichtsrats ihre Ansichten noch einmal vorgetragen, erzählt Becker. Der Präsident bekam die Zustimmung. "Wir mussten Ruhe in den Verein bringen. Die Entwicklung hat sich in den letzten Tagen angebahnt. Man konnte es nicht mehr kleinreden", sagt Becker. Nun also die Trennung: "Wir haben einvernehmlich einer Auflösung des Vertrages zugestimmt."

Beim HSV ist am Dienstagabend ein Machtkampf endgültig entschieden worden, zugunsten von Vorstandschef Hoffmann. Wobei neben der Frage, wer der Nachfolger für Beiersdorfer wird, auch die nach der Art der Trennung unbeantwortet ist. Wurde Beiersdorfer nun gefeuert oder demissionierte er, müde der Querelen, schließlich freiwillig? "Wir haben ihn nicht rausgeschmissen", sagt Becker. Was dann?

Noch am Nachmittag hatte er mit dem Sportdirektor zwei Stunden zusammengesessen. "Es war auch sein Wunsch, schnell zu einer Lösung zu kommen", sagt Becker, "es ist mehr oder weniger seine Entscheidung gewesen." Fakt ist, dass Beiersdorfer mit allem Selbstbewusstsein vom Aufsichtsrat klare Richtlinien bezüglich seiner und Hoffmanns Befugnissen gefordert hat. Und sie nicht bekam. Beiersdorfer wusste, dass er das Ende seiner Tätigkeit beim HSV riskierte - aber er nahm es in Kauf. Zu tief ging der Konflikt.

Nun steht der HSV ohne Sportchef da und muss außerdem endlich die ersten Zugänge präsentieren. Becker beschwichtigt: "Der HSV ist handlungsfähig, das Trainerteam kann auch so beginnen." So ganz nebenbei wurde mit dem neuen Coach Bruno Labbadia zwar auch ein Wunschtrainer Hoffmanns, aber vor allem ein alter Weggefährte Beiersdorfers verpflichtet.

Über Planspiele, Beiersdorfer zu ersetzen, hatte SPIEGEL ONLINE schon vor Wochen berichtet. Und immer wieder taucht in den Nachfolgespekulationen Aufsichtsrat und Ex-Profi Sergej Barbarez auf. Mit ihm würde ein schwächerer Sportchef installiert, der wohl im Gegensatz zu Beiersdorfer auch nicht als Vorstand operieren dürfte. Es ist in diesem Zusammenhang eine nicht unwichtige Notiz, dass der Aufsichtsrat Barbarez am Dienstagabend über das Schicksal Beiersdorfers mit entschied.

Als zweiter Vorstandsvorsitzender hatte Beiersdorfer das ökonomische Prinzip à la Hoffmann stets konterkariert. Er wollte auf Nachhaltigkeit und die Jugendarbeit setzen statt auf die Verpflichtung gestandener Spieler. Es stand Perspektive gegen kurzfristigen Erfolg. Nun heißt es: alle Macht dem Präsidenten.

Trainer Martin Jol weg, Sportchef Beiersdorfer weg - der HSV wird nun allein regiert von Bernd Hoffmann. Einem Mann, dessen finanziellen Erfolge unbestritten sind. Der nun aber auch sportlich mitbestimmen will, obwohl seine Kompetenzen in diesem Bereich zumindest angezweifelt werden dürfen.

Was wird nun dem Club, der zuletzt mit viel Glück Platz fünf in der Bundesliga erreichte und fünf Jahre in Folge Europacup spielte? National ist der HSV wieder eine Größe, zudem gelten die Nachwuchs- und die Scouting-Abteilungen der Hamburger als beispielhaft.

Sie wurden von Beiersdorfer aufgebaut.



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