Beinlich-Interview "Sogar der FC Bayern wollte mich haben"

Stefan Beinlich hat sich nach anfänglichen Schwierigkeiten inzwischen beim Hamburger SV durchgesetzt. Mit SPIEGEL ONLINE spricht der Mittelfeldspieler über seine Lehrzeit in England, verpasste Chancen und Begegnungen, auf die er gerne verzichtet hätte.

SPIEGEL ONLINE:

Herr Beinlich, mit 32 Jahren beginnt für Sie allmählich der Herbst Ihrer Karriere. Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Verlauf?

Stefan Beinlich: Sicher wäre die Deutsche Meisterschaft in der Saison 1999/2000 mit Leverkusen möglich gewesen, als wir am letzten Spieltag gegen Unterhaching 0:2 verloren haben. Das war ja meine einzige reelle Chance, einen Titel zu gewinnen. Ansonsten habe ich das Beste aus meinem Potenzial gemacht. Selbst der große FC Bayern wollte mich 2000 haben, ich bin dann aber zu Hertha BSC gegangen.

SPIEGEL ONLINE: Welche Ihrer bisherigen Stationen war für Sie die wichtigste?

Beinlich: Aston Villa war die wichtigste. Als ich 1991 mit 19 Jahren nach England nach Birmingham gegangen bin, wo wir in der Reserveliga Meister wurden, bekam ich das Rüstzeug für meine Profilaufbahn. Nur bei genügend Spielen auf konstant hohem Niveau entwickelt sich ein junger Fußballer weiter. Ich absolvierte sogar 16 Spiele in der Premier League. Zudem lernte ich in dieser Zeit, den Alltag selbstständig zu bewerkstelligen.

SPIEGEL ONLINE: Welches Erlebnis auf dem Fußballplatz würden Sie am liebsten rückgängig machen; welches war Ihr schönstes?

Beinlich: Verzichten können hätte ich natürlich auf das Spiel in Unterhaching. Schöne Partien gab es einige: Ein 9:1 mit Leverkusen gegen den SSV Ulm und ein 8:2 gegen Gladbach. Zudem haben wir mit Hertha einmal 6:0 gegen den HSV (lacht) gewonnen. Die größten Erfolge waren Hansa Rostocks Aufstieg in die Bundesliga und das Viertelfinale der Champions League mit Bayer gegen Real Madrid.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind in Ostberlin aufgewachsen. Kam für Sie die Wende zum richtigen Zeitpunkt?

Beinlich: Absolut. Ich spielte seit 1990 im Oberligateam von Bergmann-Borsig Berlin, nachdem ich 1988 wegen Westverwandtschaft für ein Jahr beim BFC Dynamo pausieren musste. Dann kam die Wende. Wir waren naiv und hatten von den Regeln der Marktwirtschaft nicht viel Ahnung. Es war damals gar nicht so einfach, den richtigen Spielerberater zu finden. Ich hatte mit Jörg Neubauer Glück, absolvierte Probetrainings bei Fortuna Köln, Bayer Uerdingen und sogar beim FC Bayern. Dann folgte im Oktober 1991 der Wechsel nach England.

SPIEGEL ONLINE: Ist es nicht das schönste Geburtstagsgeschenk (am 13.1.2004 feiert Beinlich seinen 32. Geburtstag, Anm. der Red.), dass Sie unter dem neuen HSV-Coach Klaus Toppmöller wieder Stammspieler geworden sind, nachdem Sie bei Kurt Jara nur noch Ersatz gewesen waren.

Beinlich: Sportlich ist es sicherlich das schönste Geschenk. Zudem habe ich die gesamte Saison ohne Verletzungen durchtrainiert. Das war bei mir nicht immer der Fall. Auch die vergangenen Partien gespielt zu haben, in denen wir sehr erfolgreich waren, ist toll gewesen. Mein super Tor gegen Eintracht Frankfurt im letzten Spiel der Hinrunde war dann die Krönung.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie Jara gegenüber nachtragend?

Beinlich: Nein. Ich bin auch mit ihm klargekommen. Es war einfach insgesamt eine schwierige Situation. Ich war der einzige Neue in einer Stammelf, die in der Vorsaison noch den vierten Platz belegt hatte. Jara hat dann die Defensive verstärkt, und ich musste raus aus der Startformation. So etwas gehört eben zum Fußball. Es bewegt sich immer in Wellen.

SPIEGEL ONLINE: Klingt bescheiden. Auch bei Hertha waren Sie, nachdem Coach Huub Stevens Ihre Leistung bemängelt hatte, in der Öffentlichkeit ruhig. Man sagt dem Steinbock nach, er sei introvertiert, emsig, zäh und bisweilen störrisch. Trifft das bei Ihnen zu?

Beinlich: Ich bin eher ruhig und ausgeglichen als der große Lautsprecher. Wenn mir etwas nicht passt, sage ich es aber trotzdem. Störrisch bin ich nicht. Und was das Durchhaltevermögen anbelangt: Das brauchst du in der Bundesliga, sonst ist ein hohes Level konstant nicht möglich. Immerhin habe ich mich bei drei Topclubs hintereinander behauptet. Leverkusen, Hertha und der HSV haben alle in letzter Zeit international gespielt.

SPIEGEL ONLINE: Welche Ziele verfolgen sie noch sportlich, wie sieht Ihre Karriereplanung nach dem Fußball aus?

Beinlich: Ich möchte mit dem HSV in den Uefa-Cup. Wir haben im Moment einen Aufwärtstrend, müssen uns aber noch steigern. Ein Titel nach einer langen Karriere wäre natürlich toll. Später möchte ich dann den Trainerschein machen und dem Fußball weiterhin verbunden bleiben.

Das Gespräch führte Martin Sonnleitner

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