Belgiens Kapitän Vermaelen Mit Sicherheit gefährlich

Deutschland hat nur leichte Gegner in der EM-Qualifikation? Von wegen: Im ersten Spiel trifft die DFB-Elf auf Thomas Vermaelen. Der junge Kapitän der belgischen Nationalmannschaft gehört zu den besten Innenverteidigern der englischen Liga - und ist auch noch torgefährlich.

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Von Frieder Schilling


Thomas Vermaelen lag auf Mauritius am Strand, als sein Handy klingelte. Die Nummer unbekannt, es meldete sich ein gewisser Arsène Wenger. Vermaelen, Fußballprofi von Ajax Amsterdam, vermutete einen Scherz: "Einige Jungs aus der Nationalmannschaft rufen gerne mal an und geben sich als jemand anderes aus." Sein Berater, der frühere dänische Nationalspieler Sören Lerby, hatte ihm vor dem Urlaub zwar vom angeblichen Interesse des FC Arsenal berichtet, aber konnte es wahr sein? "Ich hörte sehr vorsichtig zu, aber nach einigen Sekunden wusste ich, er ist es wirklich." Wenige Wochen und eine Überweisung von rund zwölf Millionen Euro später war Vermaelen Teil des Arsenal-Kaders.

Auf der Insel wurde er von Fans, Presse und Experten mit Zweifeln empfangen. Der nur 1,80 Meter große Belgier sollte die Innenverteidigung Arsenals verstärken? Ein 23-Jähriger ohne Premier-League-Erfahrung den zu Manchester City abgewanderten Kolo Touré ersetzen? "Ich denke, er ist noch nicht bereit für Arsenal", sagte beispielsweise Vereinslegende Tony Adams, "ich glaube nicht, dass die Fans noch einen kleinen Spieler wollen."

Doch Vermaelen bewies allen das Gegenteil und spielte eine überragende Saison im Trikot der "Gunners". Bereits in seiner ersten Premier-League-Partie erzielte er ein Tor gegen Everton, am sechsten Spieltag sogar deren zwei gegen Wigan. Zudem traf er zum Auftakt der Champions League beim 3:2-Sieg gegen Standard Lüttich - wohlgemerkt, Vermaelen ist Verteidiger. Nach zwei Monaten nannte ihn der "Daily Telegraph" den "besten Deal des Sommers". Am Ende der Saison hatte Vermaelen insgesamt acht Treffer erzielt, stand 45-mal für Arsenal auf dem Platz, öfter als jeder andere Spieler im Kader. Die Belohnung: Er wurde in die Liga-Elf des Jahres gewählt.

Ein "Verminator" als Nationalelf-Kapitän

Nach wenigen Partien in England machte der "Verminator", wie ihn die Arsenal-Fans getauft hatten, auch in der belgischen Nationalmannschaft den nächsten Schritt. Im Oktober des vergangenen Jahres führte er das Team erstmals als Kapitän auf das Feld. Als 23-Jähriger. Auch in der EM-Qualifikationspartie am Freitag gegen Deutschland (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) wird er die Binde tragen. Welchen Stellenwert der Defensivmann in der belgischen Auswahl hat, verdeutlicht ein Zitat seines Nationaltrainers: "Ich hole den erfahrenen Timmy Simons zurück", sagte Georges Leekens der Zeitung "De Standaard", "aber Vermaelen bleibt natürlich unser Kapitän."

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Von Bailly bis Vermaelen: Die belgischen Stars
Auf dem Platz beeindruckt der Innenverteidiger vor allen Dingen durch seine Vielseitigkeit. "Ich finde", sagt Trainer Wenger, "er hat eine gute Mischung aus Physis und Technik." Zudem sei es immer von Vorteil, einen Linksfuß in der Mannschaft zu haben, so der Franzose. Vermaelen gilt als starker Zweikämpfer und gut in der Balleroberung, hat in der zurückliegenden Saison in der Premier League außer einer Roten nur drei Gelbe Karten kassiert. Er geht nicht nur, wie so viele Innenverteidiger, bei Standardsituationen nach vorne, sondern schaltet sich auch regelmäßig aus dem Spiel heraus in die Angriffe seiner Mannschaft ein. Seine Tore hat er sowohl mit links, rechts als auch dem Kopf erzielt.

"Ich weiß nicht, warum sie wiederkamen"

Aufgewachsen ist Vermaelen in Stabroek, einem Dorf in der Nähe von Antwerpen. "Es ist das Gegenteil zu London", sagt er, "man kennt jeden." Seine Eltern interessierten sich nicht für Sport, doch sein Großvater hatte Fußball gespielt und sein Onkel war Jugendtrainer bei Germinal Ekeren in Antwerpen (heute Germinal Beerschot - d. Red.). Dort begann Vermaelen seine Laufbahn, bevor er als 17-Jähriger zu Ajax Amsterdam ging. In seiner ersten Saison konnte er nicht überzeugen, wurde für ein Jahr an den niederländischen Provinzclub Waalwijk ausgeliehen. Nach seiner Rückkehr zu Ajax setzte Vermaelen sich jedoch durch, wurde mit 20 Jahren auch erstmals in die Nationalelf berufen.

Ein Training bei der belgischen Auswahl sollte auch letztlich für seinen Wechsel zu Arsenal sorgen. Die Scouts des englischen Teams hatten Vermaelen zuvor zweimal am Ende der Saison der niederländischen Eredivisie beobachtet. Beide Begegnungen verlor Ajax, eine 2:6 und eine 0:4. Trotz der vielen Gegentreffer der Abwehr um Vermaelen, damals als Außenverteidiger eingesetzt, blieb das Interesse der Engländer vorhanden. Vermaelen selbst war verwundert: "Ich weiß nicht, warum sie wiederkamen", sagte Vermaelen einst dem "Daily Telegraph".

Während eines anschließenden Trainingslagers der belgischen Nationalelf im Vorfeld eines Spiels in Japan überzeugte Vermaelen Arsenals Chefscout Steve Rowley dann. "Wir waren zu sechst, trainierten auf diesem schlechten Platz und fragten uns, warum zum Teufel wir dort waren", erinnert sich Vermaelen. Als er dann während einer Übung immer wieder deutlich höher sprang als seine Mitspieler, sollte es um Rowley geschehen sein.

Einige Tage später klingelte auf Mauritius das Telefon.



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Seite 1
Kanzla87 02.09.2010
1.
Belgien: Eine Mannschaft der Unbekannten, ohne große Namen - dafür aber große Stolpergefahr für Deutschland. Türkei: Sicherlich so ziemlich der unangenehmste Gegner, den man sich wünschen kann. Kampfstark und technisch beschlagen - es werden hitzige Duelle. Aserbaidschan: "Es gibt keine Kleinen mehr" lasse ich nicht gelten. Hier muss ein klarer Sieg her! Österreich: Vielleicht der Geheimfavorit der Gruppe. Haben schon oft bewiese, große Gegner ärgern zu können. Enge Sache. Kasachstan: Hier müssen 2x3 Punkte her, wenn man sich Qualifizieren will. Könnten jedoch die eine oder andere Überraschung parat haben. Fazit: Schwere Gruppe, die ersten vier Mannschaften werden eng beieinander liegen - hoffentlich mit gutem Ende für den DFB.
LocoGrande 02.09.2010
2.
Gegen Österreich und Türkei je 4 Punkte Gegen alle anderen je 6 Punkte. Gruppensieg vor der Türkei. Das muss der Anspruch sein.
gelegenheitsposter, 02.09.2010
3. nie wieder Angsthasenfussball
Moin, jetzt brauchen wir noch keine Vizekapitän, der den Angsthasenfussball gegen Spanien vergessen macht. 2006 gab es die Achse Ballack/Frincks, die eine Mannschaft stabilisiert hat .... Frincks war leider im entscheidenden Moment gesperrt weil er einem Argentinier das Kinn poliert hat .... Aber das ist immer noch besser als der Angsthasenfussball der Nationalmannschaft gegen Spanien 2010 .... Die Euphorie nach den Siegen gegen England und Argentinien ist unbegründet, wenn auch für den Moment sehr berauschend. Argentinien hatte schon Probleme in der Qualifikation .... und Englands Swingerclub war doch durch den Wind ... Beide Mannschaften waren doch aus der Spur. Der Umgang mit Frincks und Ballack ist erst gerechtfertigt wenn die Krabbelgruppe sich gegen einen ernstzunehmenden Gegner in guter Verfassung (also nicht Argentinien und England 2010) ... durchsetzt, egal wie .... Es wäre schade wenn Völler der letzte Bundestrainer mit Finalteilnahme und ohne Bundesverdienstkreuz bliebe ....
Umberto, 02.09.2010
4.
Zitat von Kanzla87Belgien: Eine Mannschaft der Unbekannten, ohne große Namen - dafür aber große Stolpergefahr für Deutschland. Türkei: Sicherlich so ziemlich der unangenehmste Gegner, den man sich wünschen kann. Kampfstark und technisch beschlagen - es werden hitzige Duelle. Aserbaidschan: "Es gibt keine Kleinen mehr" lasse ich nicht gelten. Hier muss ein klarer Sieg her! Österreich: Vielleicht der Geheimfavorit der Gruppe. Haben schon oft bewiese, große Gegner ärgern zu können. Enge Sache. Kasachstan: Hier müssen 2x3 Punkte her, wenn man sich Qualifizieren will. Könnten jedoch die eine oder andere Überraschung parat haben. Fazit: Schwere Gruppe, die ersten vier Mannschaften werden eng beieinander liegen - hoffentlich mit gutem Ende für den DFB.
Das ist bei der Mannschaft jeden Landes so, wenn man sich dafür nicht interessiert, also auch nicht damit beschäftigt.
Küchenbulle2010 02.09.2010
5.
Zitat von gelegenheitsposterMoin, jetzt brauchen wir noch keine Vizekapitän, der den Angsthasenfussball gegen Spanien vergessen macht. 2006 gab es die Achse Ballack/Frincks, die eine Mannschaft stabilisiert hat .... Frincks war leider im entscheidenden Moment gesperrt weil er einem Argentinier das Kinn poliert hat .... Aber das ist immer noch besser als der Angsthasenfussball der Nationalmannschaft gegen Spanien 2010 .... Die Euphorie nach den Siegen gegen England und Argentinien ist unbegründet, wenn auch für den Moment sehr berauschend. Argentinien hatte schon Probleme in der Qualifikation .... und Englands Swingerclub war doch durch den Wind ... Beide Mannschaften waren doch aus der Spur. Der Umgang mit Frincks und Ballack ist erst gerechtfertigt wenn die Krabbelgruppe sich gegen einen ernstzunehmenden Gegner in guter Verfassung (also nicht Argentinien und England 2010) ... durchsetzt, egal wie .... Es wäre schade wenn Völler der letzte Bundestrainer mit Finalteilnahme und ohne Bundesverdienstkreuz bliebe ....
Wenn man schon meckert, sollte man auch die Fakten kennen. Es gibt überhaupt nur EINEN ehemaligen Bundestrainer, der kein Bundesverdienstkreuz bekommen hat. Sein Name: Erich Ribbeck.
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