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03. Dezember 2013, 17:26 Uhr

Katar-Opfer Belounis

"Für Blatter war ich nur ein Kollateralschaden"

Von , Paris

Zahir Belounis beharrt auch nach seiner Rückkehr nach Frankreich auf seinem Recht. Der Fußballprofi, der eineinhalb Jahre in Katar festgehalten wurde, will das Emirat nun verklagen. Zugleich hat er Einzelheiten seiner Leidenszeit im Scheichtum enthüllt.

"Mir ist noch immer nicht richtig klar, dass ich wieder in Paris bin." Zahir Belounis legt die Hände auf die Tischplatte im Sitzungssaal der Fußballergewerkschaft Union Nationale der Footballeurs Professionels (Fifpro). Der 33-Jährige schaut auf seine Handflächen, die Geste wirkt hilflos. "Die Katarer haben mich ruiniert."

Belounis, der zusammen mit seinem Anwalt Franck Berton, Fifpro-Präsident Philippe Piat und seinem Kicker-Freund Abdes Ouaddou vor die Presse tritt, soll erzählen von seinem mehr als eineinhalbjährigen Kampf gegen seine "Geiselhaft" in einem System, das im Emirat jeden ausländischen Angestellten zum "Besitz seines Arbeitgebers, zum Sklaven seines Clubs macht".

Auch jetzt, fast eine Woche nach seiner Heimkehr, die Fifpro-Chef Piat als "Befreiung" beschreibt, fällt Belounis das Reden schwer. Er ist angeschlagen und verbittert. Enttäuscht über den schleppenden Einsatz von Frankreichs Regierung, desillusioniert wegen der fehlenden Unterstützung durch den Weltfußballbund Fifa und seinen Präsidenten. "Joseph Blatter ist in Katar mit Leuten zusammengetroffen, die mich binnen eines Tages hätten ausreisen lassen können", sagt Belounis: "Aber für ihn war ich nur ein Kollateralschaden."

"Das dauerte nicht einmal 30 Sekunden"

Und dann, zögernd und in Bruchstücken, rekapituliert er das böswillig-absurde Verfahren, dessen Opfer er im Scheichtum wurde: Erst der Rauswurf aus seinem Verein, für den er 2010 in Katar angeheuert hatte. "Du bist nicht mehr Teil des Clubs", wird ihm im Juni 2011 beschieden, zurück von einem Auswärtsspiel in Brasilien. Keine Erklärung, nur eine Abfuhr, "das dauerte nicht mal 30 Sekunden". Bald darauf wird ihm sein Gehalt gesperrt, im Oktober des folgenden Jahres, erstattet der Sportler Anzeige bei der einheimischen Justiz. Prompt wird ihm das Ausreisevisum verweigert. Das Konsulat kann angeblich nicht helfen, "wegen des laufenden Verfahrens".

Der Sportler wendet sich an die Fifa und erhält dieselbe Antwort. Zuständig sei in solchen Fragen das Schiedsgericht, aber nur, wenn der Fall noch nicht vor Gericht verhandelt werde. Die Fifa empfiehlt ihm den Rückzug seiner Klage. Dann aber, wird Belounis von einem britischen Anwaltsbüro in Doha gewarnt, müsse er mit einer Gegenklage des Clubs rechnen: "Und als Angeklagter hätte ich für zwei, drei Jahre festgesessen", weiß der Fußballer. "Eine apokalyptische Situation", sagt Fifpro-Chef Piat. In solcher Lage kann man nicht sein Recht erstreiten: "Die Karten sind gezinkt."

Belounis' Verfahren vor der Justiz des Emirats verschärft seine Lage. Ohne Job, ohne Einkommen und ohne das nötige Ausreisevisum verfällt er in monatelange Depressionen. "Ich saß einfach zu Hause herum, ich konnte nichts mehr tun." Bei einem Treffen mit seinen Arbeitgebern und der zuständigen Konsulin in Doha üben die Katarer weiter Druck aus. Im Beisein der Diplomatin drohen sie offen: "Wir machen dich fertig."

Auch Hollande-Besuch brachte zunächst nichts

Hoffnung hingegen macht dem Kicker ein Besuch von Präsident François Hollande im Juni dieses Jahres. "Frankreich gilt ja immerhin als Freund von Katar." Tatsächlich treffen sich der Präsident, Innenminister Manuel Valls und Außenminister Laurent Fabius mit Belounis. "Wir saßen in einem kleinen Zimmer zusammen, die waren alle echt nett und versprachen Hilfe. Ich dachte - morgen kommst du hier raus."

Nichts dergleichen. Die Demarchen bleiben ohne Erfolg. Erst der Besuch von Rechtsanwalt Franck Berton bringt die Affäre ins Rollen. Seine Ankündigung in Paris, gegen die Verantwortlichen des Clubs Klage zu erheben, sorgt für Aufregung. Plötzlich schaltet sich auch der Botschafter vor Ort ein. Berton, der im Emirat drei weitere Mandanten vertritt - darunter einen weiteren Sportler -, setzt auf den Druck der Medien. Zugleich rät er Belounis, auf einen Teil seiner Ansprüche zu verzichten. "Und dann ging alles schnell: Keinen Aufschub für Verabschiedungen, binnen 24 Stunden mussten wir ausreisen - meine Frau, meine Kinder, wir alle sind traumatisiert."

Jetzt will Belounis vor Frankreichs Gerichten seine ausstehenden Gehälter einfordern. Ende der Woche wird Anwalt Berton in Paris Klage wegen "Betrug und erpresserischer Ausplünderung gegen einen Ausländer" erheben, gegen die Verantwortlichen des Vereins und die politischen Drahtzieher innerhalb des Königshauses: "Den Emir inklusive, selbst wenn das die bilateralen Beziehungen stören sollte."

Ob sich durch den Vorfall und angesichts der bevorstehenden Weltmeisterschaft 2020 etwas an den Praktiken Katars ändern wird? Fifpro-Chef Piat ist skeptisch. Bei einem Besuch eines Fußballgewerkschafters in Doha vergangene Woche versprachen die Behörden, dass "derartige Zustände" bei Sportlern künftig abgestellt würden. Piat: "Aber Versprechen binden nur den, der sie gibt."

Belounis, zusammen mit seiner Familie von der Fifpro in einem Hotel untergebracht, arbeitet derweil an seiner psychischen Genesung. "Vielleicht finde ich ja wieder einen Job als Sportler. Ich will wieder spielen. Vielleicht wird der Fußball ja meine Therapie."

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