Rassistisch bepöbelter Torwart Onukogu-Verein kritisiert Verband

Ikenna Onukogu wurde wüst angefeindet, dann ließ er sich zu einem Flaschenwurf hinreißen. Dennoch sperrte der Fußballverband Niederrhein den Torwart bis Mitte Mai. Nun kritisiert Onukogus Verein die Vorgehensweise des Verbands, akzeptiert aber dennoch die Sperre.

Hamborn-Torwart Onukogu: Gerangel nach Flaschenwurf
WAZ FotoPool

Hamborn-Torwart Onukogu: Gerangel nach Flaschenwurf


Hamburg - Bezirksliga-Torwart Ikenna Onukogu soll Mitte März massiv rassistisch beleidigt worden sein, er reagierte daraufhin mit einem Flaschenwurf. Der Fußballverband Niederrhein sperrte den Nigerianer bis zum 16. Mai, die Rassismusvorwürfe gegen den gegnerischen Verein Dostlukspor Bottrop wurden fallen gelassen.

Onukogus Club SC Hertha Hamborn reagierte nun mit Unverständnis und stellte seine Sichtweise mit einem von Vereinschef Christian Birken, Trainer Aydin Erdal und Onukogu unterzeichneten offenen Brief (Hier in voller Länge) dar. Demnach sei das "von der Verbandsseite bekundete Interesse an der unvoreingenommenen Aufklärung der Rassismusvorwürfe" nicht immer zu erkennen gewesen. Dabei nennt der Verein drei konkrete Vorwürfe:

  • Der Verband sprach eine vorläufige Sperre "zur Sicherung des Sportverkehrs" aus, obwohl die Rassismusvorwürfe schon zuvor bekanntgeworden waren. Die Sperre wurde erst zwei Wochen später aufgehoben, als die Presse vermehrt berichtet hatte. Der Verband begründete dies mit "nachträglich bekanntgewordenen Begleitumständen".
  • Ein Verbandsmitarbeiter erklärte laut Hertha Hamborn, man könne zwar Einspruch erheben, "dieser sei jedoch kostenpflichtig und werde ohnehin keinen Erfolg haben". Der Verein beklagt nun, er hätte sich eine "deutlich sensiblere Herangehensweise gewünscht".
  • Die Bezirksspruchkammer sah keinen Anlass, Onukogu zu den Rassismusvorwürfen zu befragen. Er sollte sich stattdessen nur zum Flaschenwurf und dem anschließenden Handgemenge äußern. Erst der Rechtsanwalt Onukogus hakte zum Rassismusvorwurf nach, das Verhalten der Kammer sei "schlicht unverständlich".

Peter Hambüchen, Sprecher des Fußballverbands Niederrhein, sagte auf Nachfrage: "Nach wie vor sind wir davon überzeugt, dass das Verfahren korrekt und fair verlaufen ist." Zum Verfahren selbst dürfe man sich vor Ablauf der Rechtsmittelfrist in einer Woche nicht äußern.

Für vorläufige Sperre seien laut Hambüchen generell zunächst Spielbericht und Sonderbericht ausschlaggebend, die im konkreten Fall keine Anzeichen auf rassistische Äußerungen beinhaltet hätten. Andere Beweise sind in den "Spruchkammersitzungen vorzubringen, da ein Verband keine 'Ermittlungsbehörde' besitzt, die im Vorhinein Aussagen aufnimmt, Sachbestände prüft oder weitergehende Ermittlungen aufnimmt", so Hambüchen.

Obwohl Hertha Hamborn die Sperre für "enttäuschend und inhaltlich falsch" hält, verzichtet er auf die Einlegung von Rechtsmitteln. Die Begründung: "Ikenna Onukogu steht seit Wochen unter enormer psychischer und emotionaler Belastung." Dieser wolle man den Torwart nicht weiter aussetzen. Der nigerianische Keeper selbst hatte jüngst in einem Interview mit "Zeit Online" über die Sperre gesprochen: "Mir ist großes Unrecht getan worden. Ich schlafe und esse kaum. Ich habe keine Kraft mehr. Ich kann nur auf Gott hoffen."

leh



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