Champions-League-Sieg 1993 Neue Korruptionsanschuldigungen gegen früheren Marseille-Präsidenten

Olympique Marseille hatte 1993 in der ersten Saison der Champions League triumphiert. Doch neue Vorwürfe gegen den damaligen Präsidenten werfen einen Schatten auf den Erfolg.
Bernard Tapie (2.v.l.)

Bernard Tapie (2.v.l.)

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Beate Mueller / Getty Images

Rudi Völler hat besondere Erinnerungen an das Jahr 1993: "Für mich war es im Spätherbst meiner Karriere ein wunderbares Highlight, den berühmten Henkelpott in den Händen zu halten", hat er vor einiger Zeit "RP Online " erzählt. Ganz Marseille habe Kopf gestanden: "Die Straßen waren voll und in unserem Stadion haben uns 50.000 Menschen empfangen."

Völler sprach vom Champions-League-Sieg mit seinem damaligen Klub Olympique Marseille. 1993 lief die erste Saison des neugegründeten Wettbewerbs, der den Europapokal der Landesmeister ablöste und der bis heute als wichtigster Klubwettbewerb im Weltfußball gilt.

Doch auf der damaligen Saison - und damit auch auf dem Triumph der Franzosen in der Champions League - liegt seit jeher ein Schatten. Es geht um Korruptionsvorwürfe und Matchfixing, mittendrin: der damalige Präsident von Marseille, Bernard Tapie.

Das angebliche Ziel: keine Gelbe Karte für den Starspieler

Der heute 76-jährige Franzose hatte in der Saison, in der OM die Königsklasse gewann, nachweislich ein Spiel der heimischen Ligue 1 manipuliert, die nationale Meisterschaft war dem Klub deshalb aberkannt worden, der Verein musste zwangsabsteigen - und Tapie wurde später sogar zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt.

Nun gibt es neue Vorwürfe, die diese Saison betreffen. Diese drehen sich allerdings um die Königsklasse: Der in Rumänien bekannte, ehemalige Trainer von Dynamo Bukarest und der Nationalmannschaft, Cornel Dinu, erhebt nach Informationen der französischen Internetzeitung "Mediapart " und der rumänischen Zeitung "Gazeta Sporturilor " in seiner am Sonntag erscheinenden Biografie schwere Anschuldigungen.

Cornel Dinu

Cornel Dinu

Foto: Tim De Waele/ Getty Images

Dinu beschreibt dort, wie er selbst dabei geholfen habe, den Schiedsrichter der Champions-League-Partie der Franzosen, ebenfalls ein Rumäne, im entscheidenden abschließenden Gruppenspiel gegen den FC Brügge  zu bestechen. Das Ziel: Der Referee sollte dem Marseille-Starspieler Basile Boli unter keinen Umständen eine Gelbe Karte zeigen, da er sonst für das Endspiel in München gesperrt gewesen wäre .

Dinu will sich als Geldbote betätigt haben

Am 20. April, dem Abend vor der Partie, habe Tapie Dinu in einem Hotel empfangen. Dort habe ihm dieser eröffnet, dass er sich um den Ausgang des Spiels keine Gedanken mache, der "sei geklärt". Allerdings brauche Tapie Dinus Hilfe, um sich um den Schiedsrichter zu kümmern. Laut Dinu soll er dem Referee 20.000 US-Dollar Belohnung in Aussicht gestellt haben, sollte Boli unbeschadet durch die Partie kommen.

Dinu will sich am Spieltag laut eigener Aussage in einem Wald mit dem Schiedsrichter Ion Craciunescu getroffen und ihm das Angebot unterbreitet haben. Dieser sei überrascht gewesen, dass nicht mehr von ihm verlangt wurde, behauptet Dinu. Das Spiel gewann Marseille 1:0 und konnte sich über den Einzug ins Finale freuen. Boli wurde nicht mit einer Gelben Karte bestraft.

Dinu betätigte sich laut eigener Aussage später auch als Geldbote. In der Zentrale von Olympique Marseille habe er die Summe demnach von einem Klubmitarbeiter ausgehändigt bekommen und dem Schiedsrichter in Rumänien überreicht.

"Dieser Unsinn wird niemals aufhören"

Die Beschuldigten, der Ex-Präsident Tapie und Referee Ion Craciunescu, bestreiten die Vorwürfe vehement. "Dieser Unsinn wird niemals aufhören", teilte Tapie "Mediapart" mit und nannte die Vorwürfe lächerlich. "Es ist verrückt, dass jeder einen beschuldigen kann, ohne Beweise oder Zeugen."

Craciunescu sagte "Gazeta Sporturilor": "Ich schenke dem, was Cornel Dinu sagt, keine Beachtung. Er kann bellen wie er will. Wenn er es beweisen will, sollte er sich an einen Lügendetektor anschließen. Hoffentlich fälscht er den nicht auch."

Das Finale gegen den AC Mailand gewann Olympique Marseille übrigens 1:0. Das einzige Tor der Partie schoss: Basile Boli .

bka
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