BGH-Urteil 1. FC Köln darf Randalierer zur Kasse bitten

Der Bundesgerichtshof hat nach jahrelangem Verfahren ein Grundsatzurteil gefällt: Profiklubs dürfen von identifizierten Einzeltätern anteilig Schadensersatz für Geldstrafen verlangen, die gegen den Verein verhängt wurden.
Feuerwerkskörper im Köln-Block (Archivbild von 09/2017)

Feuerwerkskörper im Köln-Block (Archivbild von 09/2017)

Foto: Kirsty Wigglesworth/ dpa

Bundesligist 1. FC Köln hat im Rechtsstreit mit einem randalierenden Zuschauer nach einem Urteil des Bundesgerichtshof (BGH) Anspruch auf eine Regresszahlung in Höhe von 20.340 Euro. Dies entschied der BGH, nachdem er sich ausführlich mit dem Fall vom 9. Februar 2014 befasst hatte. Ursprünglich hatte der Verein 30.000 Euro verlangt.

"Nachdem der BGH bereits im September 2016 in unserem Sinne geurteilt und grundsätzlich die Zulässigkeit von Regressen gegen die Verursacher von Verbandsstrafen festgestellt hatte, gibt das heutige Urteil uns nun auch bei der Berechnung der Höhe von Regressforderungen die erhoffte Rechtssicherheit", teilte der Verein zur Sache mit.

Während des Zweitligaspiels des FC gegen den SC Paderborn hatte der Beschuldigte im Februar 2014 einen Knallkörper gezündet und in den Unterrang des Kölner Stadions geworfen. Dieses Fehlverhalten hatte neben anderen Vorfällen zu einer vom Verein zu zahlenden Verbandsstrafe von insgesamt 60.000 Euro geführt. Über mehrere Instanzen war der Sachverhalt beim Oberlandesgericht Köln gelandet, der den Beschuldigten am 9. März 2017 zur Zahlung verurteilt hatte.

Der genaue Betrag setzt sich aus dem Verhältnis der Strafe des Einzeltäters zur Summe der für die einzelnen Vorfälle in der Verbandsstrafe angesetzten Einzelstrafen zusammen. Insgesamt war Köln wegen vier Vergehen zu 118.000 Euro verurteilt worden, wovon allerdings nur 60.000 Euro tatsächlich zu zahlen gewesen waren. Die Installation eines Videoüberwachungssystems wurde dem Klub beim Gesamtbetrag angerechnet. Die Rechtmäßigkeit der anteiligen Forderungssumme bestätigte nun der BGH.

Fananwälte und Rechtshilfeorganisationen hatten bislang den Standpunkt vertreten, eine vollständige Weitergabe der Strafen an Einzelpersonen dürfe nicht möglich sein. Begründet wurde dies mit dem Hinweis darauf, dass dabei auch das Mitverschulden der Klubs wegen "nicht ausreichendem Ordnungsdienst" (§ 7 Nr. 1 c der Verfahrensordnung des DFB) berücksichtigt werden müsse. Zudem seien private Stadionbesucher keine Mitglieder im DFB, weshalb eine Übertragung der Finanzstrafen nicht in vollem Umfang vorgenommen werden dürfe. Diese Frage thematisierte das Gericht in seinem Urteil  nicht.

lst/sid