BGH-Urteil Hoyzer-Anwälte prüfen Verfassungsbeschwerde

Fußball-Deutschland atmet auf: Nach der Verurteilung des Skandal-Schiedsrichters Robert Hoyzer herrscht Zufriedenheit beim DFB. Theo Zwanziger sprach von einem "wichtigen Urteil für die Gesellschaft". Hoyzers Anwälte prüfen eine Verfassungsbeschwerde als letzte Möglichkeit.


Hamburg - Nach der rechtskräftigen Verurteilung des ehemaligen Schiedsrichters Robert Hoyzer zu 29 Monaten und des Drahtziehers des Manipulationskandals, Ante Sapina, zu 35 Monaten Gefängnis äußerten sich die Verantwortlichen des DFB positiv über den Richterspruch des Bundesgerichtshofes (BGH) in Leipzig. Allen voran DFB-Präsident Theo Zwanziger hat das Urteil begrüßt. In einer ersten Stellungnahme nach der Urteilsverkündung sagte er: "Dieses Urteil macht deutlich, dass Manipulation im Fußball kein Kavaliersdelikt, sondern strafbar ist. Es hat daher für das Ansehen des deutschen Fußballs auch im Ausland eine positive Bedeutung."

Das Urteil sei laut Zwanziger wichtig für den Fußball sowie für die gesamte Gesellschaft. "Bei einem Freispruch wären die Menschen in die Orientierungslosigkeit geschickt worden", sagte der promovierte Jurist Zwanziger. "Wir waren von Anfang an überzeugt, dass die Revision keinen Erfolg haben kann. Das Urteil bestätigt die Auffassung des DFB, dass es sich bei den Manipulationen nicht um einen Bubenstreich oder eine Gaunerei, sondern um schweren Betrug gehandelt hat. Dieser muss bestraft werden", sagte Erwin Bugar vom DFB-Kontrollausschuss.

Auch Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser, der gleichzeitig Vizepräsident des DFB ist, zeigte sich erfreut: "Mein Zweifel am deutschen Rechtssystem ist beseitigt worden. Es wäre eine fatale Entscheidung gewesen, wenn Hoyzer freigesprochen worden wäre. Schließlich ist es erwiesen, dass Spiele manipuliert wurden - und mit Erfolg".

Zuspruch für die Verurteilung äußerte auch ein ehemaliger Kollege Hoyzers: "Ich finde es okay, dass das Urteil bestätigt wurde. Als Bundesanwalt Hartmut Schneider vor zwei Wochen einen Freispruch beantragt hatte, da sind mir doch die Gesichtszüge entglitten. Es tut mir zwar Leid für den Menschen Hoyzer, aber das Urteil ist nun ein Zeichen für alle", so Bundesliga-Schiedsrichter Knut Kircher.

"Viele Studenten gequält"

Der 5. Strafsenat des BGH in Leipzig hatte am Vormittag die Revisionen des früheren Schiedsrichters und der anderen zu Haftstrafen Verurteilten verworfen. Damit sind die Urteile des Landgerichts Berlin vom 17. November 2005 rechtskräftig, Hoyzer und der als Drahtzieher geltende Ante Sapina müssen ihre Haftstrafen antreten.

"Fußball ist in Deutschland eine sehr wichtige, die Öffentlichkeit beeindruckende Angelegenheit", hatte der Vorsitzende Richter Clemens Basdorf seiner Urteilsbegründung vorausgeschickt. Deshalb habe der Fall besonderes Interesse geweckt. "Betrug ist eines der schwersten Kapitel des Strafgesetzbuches", sagte Basdorf weiter. Mit der rechtlichen Würdigung des Fußball-Wettskandals seien in den vergangenen Monaten "viele Studenten gequält" worden.

Basdorf verwies darauf, dass Hartmut Schneider von der Bundesanwaltschaft bei der mündlichen Verhandlung am 28. November mit seinem Antrag auf Freispruch für die Angeklagten für eine Überraschung gesorgt hatte. Schneiders Antrag sei sehr mutig, weil ersichtlich unpopulär gewesen. "Ihre Ausführungen haben uns imponiert und zum Nachdenken gebracht", sagte Basdorf in Richtung Schneider. Der Oberstaatsanwalt hatte erklärt, die derzeitige Gesetzeslage und die bisherige Rechtsprechung des BGH erlaubten keine Verurteilung wegen Betrugs.

Anwälte der Verurteilten prüfen Verfassungsbeschwerde

Schneider zeigte sich als sportlicher Verlierer: "Es ging um offene Rechtsfragen, die das Gericht nun mit seinem Urteil geklärt hat. Begriffe wie Sieg, Niederlage oder Enttäuschung sind nicht angebracht. Jetzt ist klar, wie in solchen Fällen in Zukunft Recht gesprochen wird." Auch Generalbundesanwältin Monika Harms wollte nicht von einer Niederlage sprechen: "Die Entscheidung des BGH in Leipzig sei nach dem Verlauf der mündlichen Verhandlung "zu erwarten" gewesen. Dies hätten "die zahlreichen kritischen Fragen" der Richter des 5. Strafsenats gezeigt, sagte Harms in Karlsruhe.

Basdorf betonte zum Abschluss seiner Urteilsverkündung noch einmal, dass das Berliner Landgericht ohne Rechtsfehler festgestellt habe, dass Ante Sapina durch den Abschluss von Wettverträgen auf manipulierte Spiele sehr wohl Betrug begangen habe. Hoyzer hätte dazu Beihilfe geleistet. "Beim Abschluss einer Sportwette können beide Seiten davon ausgehen, dass der Wettgegenstand nicht manipuliert ist", erklärte Basdorf. Durch die Absprachen mit Schiedsrichtern und Spielern habe Sapina das Wettrisiko zu seinen Gunsten verschoben. Dem Wettanbieter Oddset sei dadurch erheblicher Schaden entstanden.

Hoyzers Anwalt Thomas Hermes sagte, die rechtskräftige Entscheidung des BGH komme nicht überraschend. Er habe ein solches Urteil erwartet. Für seinen Mandanten sei der BGH-Richterspruch aber "sehr bitter", da er mit seinem Geständnis zur Aufklärung des Falls beigetragen habe. Hermes geht davon aus, dass Hoyzer im nächsten Jahr die Haftstrafe antreten muss.

Für Cato Dill, der ebenfalls Hoyzer vor Gericht verteidigte, ist der Fall noch nicht ganz abgeschlossen: "Wir haben jetzt noch die Möglichkeit einer Verfassungsbeschwerde. Aber die Erfolgsaussichten sind nach dem Verlauf dieses Verfahrens als sehr gering zu beurteilen." Es sei eine historisch fast aberwitzige Situation, dass für Hoyzer in erster Instanz eine Bewährungsstrafe und in der zweiter Instanz sogar Freispruch gefordert wurde, so Dill. Auch Stefan Conen, Verteidiger von Ante Sapina, will nicht aufgeben: "Dieser Fall ist in der juristischen Fachwelt längst nicht abgeschlossen. Ich werde mit meinem Mandant die Möglichkeit der Verfassungsbeschwerde besprechen."

mig/sid/dpa/ddp/ap



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Seite 1
DJ2002dede, 15.12.2006
1.
---Zitat von sysop--- Gefängnisstrafe für Hoyzer: Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer muss wegen Beihilfe zum Betrug für zwei Jahre und fünf Monate hinter Gitter. Wie bewerten sie das Urteil des Bundesgerichtshofes? ---Zitatende--- Eine Bewährungsstrafe wäre m.E. ausreichend gewesen.
schizopath, 15.12.2006
2. Gerecht?
---Zitat von sysop--- Gefängnisstrafe für Hoyzer: Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer muss wegen Beihilfe zum Betrug für zwei Jahre und fünf Monate hinter Gitter. Wie bewerten sie das Urteil des Bundesgerichtshofes? ---Zitatende--- Einerseits eine Genugtuung, welche besonders für die Geschädigten "gerecht" erscheint. Andererseits finde ich es etwas eigenartig, wenn man es anderen Entscheidungen gegenüberstellt (Ackermann und Konsorten). Nach dem Motto: Die kleinen hängt man...
DJ Doena 15.12.2006
3.
Wie ich das bewerte? Er hätte sich nicht mit ein paar läppischen Zehntausend abspeisen lassen sollen, sondern mit Financiers ein paar Zehnmillionen verwetten. Dann hätte er seine 3 Mio. Strafe gezahlt und gut wärs gewesen.
DJ Doena 15.12.2006
4.
BTW: Wieviel Sinn macht ein neues Thema, wenn die Moderierten mangels Moderator (mal wieder) nicht freigeschaltet werden?
Dunedin, 15.12.2006
5.
---Zitat von sysop--- Wie bewerten sie das Urteil des Bundesgerichtshofes? ---Zitatende--- Viel interessanter ist doch die Frage warum Hoyzer jetzt dennoch verurteilt wurde, wo die Bundesanwaltschaft und auch andere Rechtsexperten keine Grundlage für eine Verurteilung sahen. Es sei zum damaligen Zeitpunkt (2004) kein Betrug gewesen, mangels Paragraf im Strafgesetz. Wie kann denn der Richter einen Paragraf sehen, wo keiner ist ? Ob Hoyzer nach einem moralischen Rechtsverständnis für die meisten nun schuldig scheint oder nicht, ist für meinen Geschmack unerheblich. Für mich stellt dieses Urteil klar eine Willkür dar, eine Auslegung der Strafgesetze nach Gutdünken und hinterlässt einen sehr schlechten Eindruck.
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