Bielefeld ade Rapolder geht nach Köln
Köln/Bielefeld - Bei den Rheinländern unterschreibt Rapolder einen Einjahresvertrag bis 30. Juni 2006 mit einer beidseitigen Option auf eine weitere Saison. "Ich hatte eine schöne Zeit in Bielefeld. Es ist selten, dass man im Erfolgsfall geht, aber ich hatte Bedenken, nicht mehr die Kraft für einen Neuaufbau zu haben", sagte der Fußballlehrer. "Ich habe mit meiner Familie jetzt dreieinhalb Jahre in Ahlen gelebt. Es war Zeit für einen Cut und eine neue Umgebung."
Rapolder war nicht nur bei den Kölnern im Gespräch, sondern soll auch von Borussia Mönchengladbach, dem VfL Wolfsburg und dem 1. FC Kaiserslautern umworben worden sein. In Köln tritt er die Nachfolge von Aufstiegstrainer Huub Stevens an, der aus privaten Gründen am Saisonende die Kölner verlässt, um sich verstärkt um seine kranke Ehefrau zu kümmern. Allerdings ist Stevens weiterhin als neuer Trainer bei Roda Kerkrade im Gespräch.
FC-Präsident Wolfgang Overath hatte zwar immer Ex-Coach Christoph Daum als "Wunschtraum" bezeichnet, allerdings ließ sich dessen Rückkehr offiziell aus finanziellen Gründen nicht realisieren. Für Rapolder sollen die Kölner offiziell eine Ablösesumme von 300.000 Euro zahlen.
Manager Andreas Rettig war "froh und erleichtert", dass Rapolder dem FC die Zusage gab: "Er ist ein excellenter Trainer, der sich die Entscheidung bis zuletzt schwer gemacht hat. Er ist eben kein Coach, der von Ast zu Ast springt. Seine Handschrift, seine Spielideen sind bei Arminia Bielefeld zu sehen."
Rapolder hatte die Arminia nach seinem Amtsantritt am 1. März 2004 in die erste Liga geführt und dort schließlich zum vorzeitigen Klassenerhalt sowie ins Halbfinale des DFB-Pokals. Durch die Abgänge der "halben Mannschaft" - Delron Buckley (Borussia Dortmund), Patrick Owomoyela (Werder Bremen), Ervin Skela (1. FC Kaiserslautern), Benjamin Lense (1. FC Nürnberg), Matthias Langkamp (VfL Wolfsburg) und Bernd Rauw (Alemannia Aachen) werden den Verein verlassen - sah Rapolder in Ostwestfalen jedoch nur wenig Perspektiven für eine erfolgreiche Zukunft. Er verlässt die Arminia nun trotz einem erst im Dezember bis 2007 verlängerten Vertrages.
Mit der Entscheidung über seine Zukunft hatte sich der studierte Betriebswirt lange Zeit gelassen, schließlich sei er "so lange der Musik hinterhergelaufen" und "nie zur richtigen Zeit am richtigen Ort" gewesen. "Ich will zu einem Verein, bei dem wirklich was zu bewegen ist. Ich bin der Arminia sehr dankbar, aber ich habe auch alles zurückgezahlt", hatte er schon frühzeitig angekündigt.
In Bielefeld ist man sauer über die Entscheidung und vor allem die vorherige Hinhalte-Taktik Rapolders. Dennoch will die Arminia nach einem der besten Jahre der Vereins-Geschichte den Aufbau fortsetzen. "In elf Jahren hier haben wir schon viele wichtige Spieler verloren und immer wieder etwas aufgebaut", sagte Sport-Manager Thomas von Heesen.
Und Finanz-Geschäftsführer Roland Kentsch ergänzte: "Wir werden in der nächsten Saison eine Mannschaft haben, mit der jeder Trainer arbeiten kann." Als Nachfolger von Rapolder werden der frühere Arminen-Coach Ernst Middendorp sowie Peter Neururer (VfL Bochum), Bruno Labbadia (Darmstadt 98) und der frühere Ottmar-Hitzfeld-Assistent Michael Henke gehandelt.