"#BILDnotwelcome" Fußball-Fans fordern Boykott von "Bild"-Aktion

Eine Provokation, die nach hinten losging? Oder ein bewusst herbeigeführter Eklat im Netz? "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann attackierte per Twitter den FC St. Pauli - und löste damit eine Welle von Unmutsäußerungen gegen seine Zeitung aus.
St.-Pauli-Fans: Kamen nicht erst durch "Bild" auf die Idee, Flüchtlingen zu helfen

St.-Pauli-Fans: Kamen nicht erst durch "Bild" auf die Idee, Flüchtlingen zu helfen

Foto: AP/dpa

Der FC St. Pauli wollte die Sache vertraulich behandeln. Die Entscheidung, sich nicht an der Kampagne "Wir helfen" der "Bild"-Zeitung, der DFL und des Sponsors Hermes zu beteiligen, sei in einem "vertraulichen Schreiben" an die Zeitung kommuniziert worden, schreibt der Zweitligaklub in einer Stellungnahme .

Doch "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann machte die Angelegenheit öffentlich: Bei Twitter unterstellte er St. Pauli, "kein Herz für Flüchtlinge" zu haben. In sozialen Medien ist daraufhin viel Kritik laut geworden. Diese richtet sich aber nicht an St. Pauli, sondern gegen die "Bild"-Zeitung. "#BILDnotwelcome" wurde zum trendenden Hashtag auf Twitter.

Dass die vermeintliche Goodwill-Aktion der Liga zugleich auch eine Werbemaßnahme für die "Bild" darstellte, darauf hatte das Fußball-Magazin "11 Freunde" schon am Vortag hingewiesen. Diekmanns Versuch, einen seit Jahrzehnten traditionell als links-alternativ wahrgenommenen Verein in die rechtspopulistische Ecke zu stellen, stieß daher auf erheblichen Widerstand.

Anhänger aller Bundesligisten forderten ihre Vereine auf, sich dem "Boykott" St. Paulis anzuschließen. Die Aktion "Wir helfen" wurde immer wieder als "heuchlerisch" bezeichnet, weil die "Bild"-Zeitung seit Jahren "gegen Flüchtlinge hetze". Sogar Anhänger des Lokalrivalen HSV bezeugten dem FC St. Pauli Respekt.

Bei Fans zahlreicher Klubs wurde das "authentische" Engagement des Vereins für soziale Zwecke und Integration als leuchtendes Beispiel gepriesen und den "Vermarktungsinteressen" der Zeitung gegenübergestellt.

Die Fanvereinigung "Unsere Kurve" forderte in einem über Facebook veröffentlichten Brief  alle Vereine dazu auf, der geplanten Aktion zu entsagen und "diese tolle Aktion ohne Vereinnahmung und Vorgaben von Verbandsfunktionären und Marketing-Experten durchzuführen". Es gehe darum, "der 'Bild'-Zeitung keine Plattform zu bieten".

Diese Plattform hat sich Diekmann durch seine gezielten Provokationen allerdings schon erfolgreich geschaffen.