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16. Mai 2014, 10:25 Uhr

Fußballturnier 2022

Blatter nennt WM-Vergabe an Katar einen Fehler

Es ist ein spätes Schuldeingeständis des mächtigsten Mannes im Weltfußball: Fifa-Boss Joseph Blatter hat zum ersten Mal zugegeben, dass bei der Vergabe der WM 2022 an Katar Warnungen ignoriert worden seien.

Hamburg - Fifa-Präsident Joseph Blatter hat erstmals eingeräumt, dass die Vergabe der Fußball-WM 2022 an Katar ein Irrtum war. "Sicher war es ein Fehler! Aber wissen Sie, man macht viele Fehler im Leben", sagte der Präsident des Fußball-Weltverbandes in einem Interview mit dem Schweizer Fernsehsender RTS.

"Es war in einer Expertise klar angezeigt worden, dass die Temperaturen im Sommer zu hoch sein würden. Dieser Umstand hat das Exekutivkomitee der Fifa jedoch nicht davon abgehalten, die WM mit einer großen Mehrheit an das Emirat zu vergeben", sagte Blatter. Der 78-Jährige favorisiert einen Termin Ende 2022, um der teils brütenden Sommerhitze in Katar auszuweichen.

Mögliche Bestechung durch das Emirat an die stimmberechtigten Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees wollte Blatter nicht kommentieren: "Nein, nein, das habe ich nie gesagt." Unmissverständlich stellte der Schweizer jedoch fest, dass es offenbar "politischen Druck" aus Frankreich und Deutschland gegeben habe. "Man weiß gut, dass große Firmen aus Frankreich und Deutschland in Katar arbeiten, aber sie arbeiten nicht nur für die WM. Die WM ist eine relativ kleine Angelegenheit für Katar."

Angesichts der Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius und menschenunwürdiger Zustände auf Baustellen in Verbindung mit der WM 2022 kocht die Diskussion über die Gastgeberrolle Katars immer wieder hoch. Die Führungspersonen des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB) sprechen vor dem Hintergrund zahlreicher Todesfälle unter den Fremdarbeitern von "Sklaverei" und warnen, bis zur WM könnten bis zu 4000 Arbeiter sterben. Amnesty International dokumentierte im vergangenen Jahr in einem Bericht schwere Menschenrechtsverletzungen.

Bei der Vergabe durch das Exekutivkomitee der Fifa am 2. Dezember 2010 in Zürich hatte sich Katar gegen die USA, Japan, Südkorea und Australien durchgesetzt.

Blatter bestätigte in dem Interview zudem, dass er im Mai 2015 erneut als Fifa-Präsident kandidieren werde. "Ich habe nicht nur Lust, ich bin entschlossen weiterzumachen", sagte er. Seine Aussagen zu Katar sind daher auch als Attacke gegen Michel Platini zu deuten. Der Uefa-Chef hat sich Fußball-Funktionär offen zu seiner Katar-Unterstützung bekannt und gilt als einziger Konkurrent mit einer kleinen Chance, Blatters Wiederwahl zu verhindern.

psk/sid

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