Bochum - Dortmund 1-1 Solidarität mit der Katze

Obwohl der abstiegsbedrohte VfL beim Remis gegen den reichen Lokalrivalen zwei Punkte verschenkte, gab es im Anschluss an die Partie Rückenstärkung für Bochums Coach Ralf Zumdick.


Zwei mit Tunnelblick: Bochums Yildiray Bastürk (l.) und Dortmunds Miroslav Stevic
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Zwei mit Tunnelblick: Bochums Yildiray Bastürk (l.) und Dortmunds Miroslav Stevic

Bochum - "Danke, Illi. Danke, Sebastian. Danke, Zdravko. Danke, Rein." Bochums Stadionsprecher bedankte sich nach dem 1:1 (0:0) gegen Borussia Dortmund über die Lautsprecheranlage bei jedem VfL-Spieler persönlich und vergaß dabei fast symptomatisch Trainer Ralf Zumdick. Auch der Coach des von Platz neun ans Tabellenende abgestürzten Aufsteigers ist sich nach sechs Spielen ohne Sieg in Folge seiner problematischen Lage bewusst: "Unter meiner sportlichen Leitung haben wir zu wenig Punkte geholt."

Das Eingeständnis des Trainers ist für VfL-Präsident Werner Altegoer allerdings kein Grund, über personelle Konsequenzen aus der Talfahrt nachzudenken: "Ralf Zumdick stand und steht bei uns nicht zur Diskussion. Kann man nicht einmal drei Spiele hintereinander verlieren, ohne dass sofort der Kopf des Trainers gefordert wird?" Altegoer fordert mehr Zeit für Zumdick: "Wir lassen uns keine Trainerdiskussion einreden."

Dabei hatte Zumdick selbst schon vor dem Derby seine Situation als "prekär" bezeichnet. Dortmunds später Ausgleich durch Nationalspieler Jörg Heinrich (87.) nach der glücklichen VfL-Führung durch Zdravko Drincic (75.) dürfte die Position des Ex-Profis vor dem nächsten Nachbarschafts-Duell am Freitag beim Tabellenzweiten Schalke 04 denn auch nicht verbessert haben. Bochums Manager Klaus Hilpert hat bereits erkannt: "Erklärungen sind doch alles Floskeln. Wenn du unten stehst, dann zählen nur Punkte."

Deshalb half dem Bochumer Lager Dortmunds Eingeständnis von Heinrichs Abseitsstellung beim Ausgleich nur wenig. "Wir hätten uns nicht beschweren können, wenn der Linienrichter die Fahne gehoben hätte", gab BVB-Trainer Matthias Sammer zu. Der Europameister von 1996 ergriff aber gleichzeitig Partei für Zumdick und beklagte die "perverse" Medien-Hetze gegen Bundesliga-Trainer: "So macht das Arbeiten wirklich keinen Spaß."

Das gilt wohl auch für Bochums Profis. Die ackerten vor 33.000 Zuschauern 90 Minuten und verpassten dennoch den dringend benötigten Befreiungsschlag. "Scheiße, so ein Spiel müssen wir nach Hause schaukeln", ärgerte sich Bochums Torwart Rein van Duijnhoven, der seine Mannschaft zuvor mehrfach vor einem Rückstand bewahrt hatte.

Auch die überlegenen Dortmunder, die zunehmend den Anschluss an die Tabellenspitze verlieren, hatten Grund zum Ärgern: "Wir sind teilweise in Schönheit gestorben", monierte Sammer. Seine Spieler, bei denen Präsident Gerd Niebaum nach dem 2:0 gegen Hertha BSC Berlin in der vorangegangenen Woche Selbstzufriedenheit befürchtet hatte, suchten auch keine Ausreden. Mittelfeldspieler Lars Ricken: "So viele vergebene Torchancen dürfen wir uns nicht erlauben. Das zeigt, dass wir noch keine Spitzenmannschaft sind."

Von Marcel Grzanna und Jörg Mebus, sid


VfL Bochum - Borussia Dortmund 1:1 (0:0) 1:0 Drincic (75.)
1:1 Heinrich (87.)
Bochum: Van Duijnhoven - Mamic - Ristau, Meichelbeck (69. Fahrenhorst) - Bemben, Schindzielorz, Dickhaut, Mandreko (57. Freier) - Bastürk - Maric, Drincic
Dortmund: Lehmann - Wörns, Kohler, Heinrich - Evanilson, Nerlinger (83. Krontiris), Stevic, Ricken - Addo (78. Tanko), Ikpeba, Reina
Schiedsrichter: Aust (Köln)
Tore: 1:0 Drincic (75.), 1:1 Heinrich (87.)
Zuschauer: 33.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Dickhaut (5), Bemben (3), Bastürk (2), Ristau - Stevic (4), Reina (2)



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