Rassistische Ausfälle von Fans bei EM-Qualifikation Bulgariens Fußball-Verbandschef tritt zurück

Am Mittag gab er sich noch trotzig - jetzt ist Bulgariens Fußball-Verbandschef Boris Michajlow doch abgetreten. Er wich dem massiven Druck nach den rassistischen Ausfällen der Fans im Spiel gegen England.

Dann doch Rücktritt: Boris Michajlow weicht dem Druck
Aleksandar Djorovic/ imago images

Dann doch Rücktritt: Boris Michajlow weicht dem Druck


Nach den rassistischen Vorfällen im EM-Qualifikationsspiel zwischen den Fußball-Nationalmannschaften von Bulgarien und England (0:6) ist der bulgarische Verbandspräsident Boris Michajlow unter starkem öffentlichen Druck zurückgetreten. Das gab der Verband BFU am Nachmittag bekannt. Die Entscheidung resultiere "aus den Spannungen der letzten Tage, die sich nachteilig auf den bulgarischen Fußball und die bulgarische Fußballunion auswirken".

Nur Stunden zuvor hatte der bulgarische Premierminister Bojko Borissow den sofortigen Rücktritt Michajlows gefordert, der das Tor der bulgarischen Mannschaft beim sensationellen Erreichen des vierten Platzes bei der WM 1994 hütete.

Die Partie am Montagabend in Sofia stand zweimal (28. und 43. Minute) kurz vor dem Abbruch, weil einige bulgarische Zuschauer durch rassistische Rufe negativ auffielen und der Stadionsprecher die eigenen Anhänger mehrmals zur Mäßigung auffordern musste. Der kroatische Schiedsrichter Ivan Bebek hatte zuvor ein klares Signal gegeben. Zudem waren auf Bildern Zuschauer zu sehen, die den Hitlergruß zeigten.

Southgate nach rassistischen Vorfällen - "Wir haben ein Statement abgegeben":

REUTERS

Michailow und auch Nationaltrainer Krassimir Balakow, ehemaliger Bundesligaprofi, hatten vor dem Spiel beteuert, dass es in Bulgarien kein Problem mit rassistischen Fans gebe.

aha/sid

insgesamt 2 Beiträge
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guido.flohr 15.10.2019
1. Der Grund für den Rücktritt
Dass Michaijlow wegen der rassistischen Vorfälle der Rücktritt nahegelegt wurde, ist nicht ganz richtig. Das Originalstatement von Borissow in bulgarischer Sprache findet sich auf seiner Facebook-Seite. Dort fordert er den Rücktritt Mihaijlows wegen der "schändlichen Niederlage" und der schlechten Resultate im Fußball. Erst danach geht der Ministerpräsient auf die rassistischen Beleidigungen im Stadion ein. In seinem folgenden englischsprachigen Twitter-Statement wurde der erste Teil einfach gelöscht. Man darf sich schon fragen, ob Borissow sich mehr für die Neonazis auf den Rängen oder die Versager auf dem Platz schämt.
schorri 15.10.2019
2. Das reicht längst nicht
Gut, dass der Verbandspräsident geschasst wurde. Aber das reicht längst nicht. Der Nächste muss Balakov sein. Und diese rassistischen Dumpfbacken sind ja im Bild festgehalten. Da sollte es doch wohl ein Leichtes sein, sie dingfest zu machen und ihnen empfindliche Strafen samt Stadionverbot auf Lebenszeit bei allen Spielen zu verpassen - incl. massivster Strafandrohung bei Zuwiderhandeln.
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