BVB-Niederlage gegen den FC Bayern Es brodelt

Respekt gewonnen, aber wieder keine Punkte: Borussia Dortmund hadert mit der knappen Niederlage beim FC Bayern. Trainer Jürgen Klopp brachte das Spiel zwei neue Probleme ein.

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Aus München berichtet Sebastian Winter


Michael Zorc musste jetzt dringend zum Mannschaftsbus. Er war einer der Letzten, gerade war BVB-Spieler Sebastian Kehl fluchend an ihm vorbeigeeilt. Die Delegation wollte schnell weg aus dem Stadion, weg von dieser 1:2-Niederlage beim FC Bayern, die sich nach dem Führungstreffer von Marco Reus in der ersten Halbzeit und den späten Gegentreffern wie ein Schlag ins Gesicht anfühlen musste. Und dann wurde Borussia Dortmunds Sportdirektor noch mit einer Frage nach Reus und den Wechselgerüchten belästigt: "Wir haben da schon so viel drüber gesagt, das ist nur noch nervig", sagte Zorc. Dann ging er, ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch.

Das Thema Marco Reus war dem 52-Jährigen gerade völlig egal. Es gibt ja schon wieder neue Probleme. Zwei davon heißen Mats Hummels und Neven Subotic, die zugleich Schlüsselfiguren des aus Dortmunder Sicht so unglücklichen Abends in München waren.

Hummels spielte nach einer Formkrise gegen die Bayern zwar nicht fehlerlos, aber wieder solide in der Verteidigung. Er hatte gute Zweikampfwerte von mehr als 70 Prozent, doch dann musste er zur Halbzeit mit Schmerzen im Fuß ausgewechselt werden. "Mats ist mit einem Verband an mir vorbeigehumpelt, ich habe das vorher gar nicht gesehen", sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp. Die Szene ist bezeichnend dafür, dass in Dortmund zurzeit irgendwie alles aneinander vorbeiläuft.

"Mats ist gut im Aufbauspiel. Uns fehlte ein spielerisches Element", sagte Zorc über Hummels, der wohl wochenlang ausfällt. Ausgerechnet sein Ersatzmann Neven Subotic, der so erfahrene Serbe, machte dann die entscheidenden Fehler. In der 72. Minute klärte Subotic einen Ball am eigenen Strafraum genau in den Lauf von Robert Lewandowski, der Bayern-Stürmer traf zum 1:1-Ausgleich. 13 Minuten später verursachte Subotic einen Elfmeter an Franck Ribéry.

"Das ist extrem bitter, vor allem, weil wir das erste Tor geschossen haben", sagte der Innenverteidiger nach dem Spiel. "Für mich besonders, weil ich an den beiden Gegentreffern direkt beteiligt war und das auch hätte besser lösen können." Subotic wirkte ruhig, nicht verzweifelt. Aber auch ratlos.

Der 25-Jährige ist das Gesicht dieser Niederlage, auch er ist verunsichert, wie viele seiner Kollegen. Die Stimmung ist jedenfalls nicht besser geworden bei Dortmund nach diesem farbenprächtigen, rassigen Prestigeduell. Wenn Freiburg am Sonntag in Köln gewinnt, fällt die Borussia von Relegationsplatz 16 auf Rang 17 zurück. Auf einen Abstiegsplatz. Das ist die tabellarische Realität, auch wenn Dortmund in München in der ersten Halbzeit wie ein Champions-League-Team spielte.

Die Borussia zeigte ihre ganze Leistungs-Amplitude. Zwischen Weltklasse und amateurhaften Fehlern lagen nur 15 Minuten Pause. Ihren Trainer Jürgen Klopp erfüllt das langsam mit Besorgnis: "Es ist alles andere als gut, was bei uns passiert. Wir stehen nicht nur mit Pech da unten drin, das ist auch selbst verschuldet." Dortmund stand nach der Pause viel zu tief, die Offensivspieler wie Shinji Kagawa störten Alonso nicht mehr so früh wie vor dem Seitenwechsel. "Das eigentliche Problem ist, dass wir die Bälle zu schnell hergegeben und keine kompakte Formation gefunden haben", sagte Klopp.

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Das zu passive Spiel verursachte auch jene haarsträubenden Fehler von Subotic. Bayern-Trainer Josep Guardiola hatte ihn zuvor als Schwachpunkt bei Dortmund ausgemacht: "Franck Ribéry hat uns nach seiner Einwechslung sehr geholfen. Er sollte bei Subotic spielen und seine Stärken im Eins-zu-eins-Spiel zeigen", sagte der Bayern-Trainer.

Guardiola adelte Dortmund zugleich als beste Mannschaft der Welt im Umschaltspiel, was bei Klopp ein bitteres Schmunzeln auslöste. Denn für Dortmund hat mit der Niederlage gegen die Bayern der Abstiegskampf begonnen. Bevor mit Gladbach der nächste schwere Gegner am Sonntag nach Dortmund kommt, erwartet die Borussia Galatasaray Istanbul. Wieder mal ein Aufbaugegner aus der Champions League? Diese Rechnung hat sich schon häufiger als falsch erwiesen. Dortmund wirkt mental und auch körperlich erschöpft. Es ist ein Teufelskreis, aus dem die Borussia derzeit nicht fliehen kann. Selbst wenn sie gegen die Türken gewinnt.

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insgesamt 119 Beiträge
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Zorin 02.11.2014
1. Die
CL verblendet die Vereine. Aber wenn man realistisch ist, dann sind ausser Bayern und Real, dann ein wenig dahinter Barca, Paris und ein, zwei Briten, die meisten Vereine drittklassig. Und in der BL erwartet dich halt auch gegen Paderborn zumindest im Kampf Topniveau. Da fallen dann die limitierungen etwa bei Grosskreutz, Subotic oder Weidenwurst recht schnell auf. Da kommt dann Klopp mit seiner Motivationsmasche auch nicht weiter. Denn motivieren können andere inzwischen besser.
doc_dawson 02.11.2014
2. Die Niederlage
an subotic aufzuhängen ist schon grenzwertig. beim 1:0 ist die Grätsche extrem wichtig sonst geht der pass durch. das lewi dann mit einem Sonntagsschuss durch den grätschenden papa trifft ist halt unglücklich. und über den Strafstoß muss man ja nicht diskutieren. nettes Geschenk am Samstag abend von Gräfe. der Fehler war eher vorher als Subotic nicht richtig klären kann
deeco85 02.11.2014
3. Meine Borussia!
Mund abwischen weiter geht's!
spamfree 02.11.2014
4. Fallrückzieher?
Das Problem ist die Dominanz der Münchner für sie selbst: Für mich beginnt die Liga bei Platz 2. Andere werden das ähnlich sehen. Irgendwann wird etwas passieren, nennt man dann "tragische Fallhöhe"...
warndtbewohner 02.11.2014
5. Klopp weg...........
der hochbezahlte Mann versagt auf der ganzen Linie. Er erreicht das Team einfach nicht mehr. Muss der BVB erst noch tiefer sinken bis der Verein aufwacht. Klopp muss weg, er hatte seine Zeit aber jetzt muss mal ein anderer ran, sonst gibt es weitere Niederlagen. Diese Nibelungentreue zeugt von kompletter Realitätsverweigerung.... MfG
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