BVB-Sieg in Dresden Die Minimallösung

Borussia Dortmund hat die Pokalhürde Dresden übersprungen. Nach dem mühsamen Sieg stand aber nicht die Leistung im Vordergrund - sondern der Rasen.

AP/dpa

Aus Dresden berichtet


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Niemand würde auf die Idee kommen, einem Pianisten die Misstöne vorzuwerfen, wenn sein Klavier komplett verstimmt ist. Aber Kunst ist Kunst, und Fußball ist Fußball. Ein Torwart, der "flatternde Bälle" als Grund fürs Gegentor anführt, erntet deshalb ein mitleidiges Lächeln. Und ein Trainer, der über den Zustand des Rasens lamentiert, macht sich gleich komplett lächerlich. Schließlich müssen auf dem Rasen ja beide Mannschaften spielen. Und dann verdienen sie ja noch so viel Geld.

Als Jürgen Klopp am späten Dienstagabend in den Katakomben des Dresdner Stadions nach dem 2:0-Pokalerfolg seines Teams einigermaßen lange über das ("eine Frechheit") redete, was anderswo tatsächlich grün aussieht, nickte allerdings auch Dynamo-Coach Peter Nemeth.

Und als der Dortmunder Coach dann auch noch vom Spaziergang durch die "wunderschöne" Stadt Dresden erzählte und damit endete, dass "jeder, der will, dass Dynamo aufsteigt, dafür sorgen muss, dass man hier einen neuen Platz bekommt", hatte sich Klopp endgültig in die Herzen der sächsischen Gastgeber geredet.

Der Mann hatte ja auch nur das ausgesprochen, was jeder im Stadion gesehen hatte. Tatsächlich fragt man sich, wie eine Mannschaft aufsteigen soll, die in 19 von 38 Spielen auf einem Platz spielt, bei dem Flachpässe die Streuung einer kaputten Winchester haben müssen, weil auf 20 Metern 30 Erhebungen für aberwitziges Rollverhalten sorgen.

Dortmund konnte sogar froh über den Rasen sein

Man fragt sich aber auch, ob ein Bundesligist nach einer solch dürftigen Leistung nicht insgeheim ganz froh ist, dass die Bedingungen so miserabel waren. Schließlich war der Dortmunder Sieg zwar nicht unverdient, aber eben ein klassischer Pokal-Kampf, bei dem erst ein völliger Blackout des Dresdner Innenverteidigers Michael Hefele dafür herhalten musste, dass Dortmund kurz nach der Halbzeit durch Ciro Immobile in Führung ging (50. Minute).

In der Folgezeit traf eine Dresdner Mannschaft, die sich bis zum Schluss die Seele aus dem Leib rannte, auf ein Dortmunder Team, das nicht mehr tat, als man tun musste, wenn man als Bundesligist bei einem Drittligisten führt. Und tatsächlich kam dann kurz vorm Abpfiff noch die Konterchance, die Immobile mit seinem zweiten Treffer zum 2:0-Endstand nutzte. Richtig: Dazwischen war nichts, aber auch gar nichts, was den 4000 BVB-Fans hätte gefallen können. Keine Kombinationen, keine Geistesblitze der individuell deutlich überlegenen Individualisten, nicht eine einzige herausgespielte Torchance.

Aber ist es das, was man von einer Mannschaft erwarten kann, die nach einer völlig vergurkten Hinrunde gerade erst wieder den Kopf über Wasser streckt? Vielleicht nicht. Zumal mit Marco Reus der Dynamiker der Mannschaft nach 24 Minuten ausfiel - Gegenspieler Dennis Erdmann hatte ihn mit einem Foul verletzt. Und auch wenn Reus wohl mit einem Pferdekuss davongekommen ist und möglicherweise am Wochenende wieder spielen kann - er fehlte einer Mannschaft, die sowieso schon ohne Pierre-Emerick Aubameyang, Lukasz Piszczek und Nuri Sahin angereist war.

Ein Schwarzbrot-Sieg als Zeichen für den Aufschwung

Beim BVB nahmen sie den Sieg dennoch als weiteren Beweis für den Aufwärtstrend, den der Verein nach Weihnachten genommen hat. Vier Siege in Folge hat der BVB nun beisammen, im Pokal steht man im Viertelfinale, statt vom Abstieg reden sie im Pott längst schon davon, wie man wohl doch noch zum internationalen Startplatz kommen mag.

Entweder über die Liga, in der der Abstand auf die Ränge drei bis sechs Woche für Woche rasant zusammenschmilzt. Oder über den Pokal, wo man schon beim übernächsten Sieg im Finale stünde. "Der Pokal ist für uns natürlich die einfachste Chance, einen Titel zu gewinnen", erläuterte Marcel Schmelzer, der wie Kollege Sebastian Kehl ("haben uns alles abverlangt") viel Positives über Dynamo zu sagen hatte.

Der BVB hat in den vergangenen Wochen gezeigt, dass er fußballerisch wieder zum ersten Drittel der Liga gehört. Am Dienstag hat er gezeigt, dass er auch gewinnen kann, wenn vieles gegen ihn läuft. Gegen Schalke haben sie sich in jeden Zweikampf reingehauen und wie selbstverständlich eine spielerische Klasse ausgespielt, die man dem Team im November, Dezember gar nicht mehr zugetraut hätte. In Dresden haben sie so gut verteidigt, dass hinten nichts passierte. Und vorne reichten eineinhalb Chancen für zwei Tore.

Der BVB hat seit dem 7. Februar in Liga und Pokal alle fünf Spiele gewonnen und dabei 16:4 Tore erzielt. Der BVB ist zurück. Und wird am kommenden Samstag wieder mit Aubameyang, Sahin und ein paar anderen ganz guten Fußballern spielen können. Für den HSV muss das am Wochenende nichts Gutes bedeuten.

Zusammengefasst: Borussia Dortmund hat mit viel Mühe das Pokal-Achtelfinale bei Dynamo Dresden überstanden. Dabei hatte die Elf allerdings auch mit katastrophalen Platzverhältnissen zu kämpfen. Dennoch: Der Aufwärtstrend hält an.



insgesamt 49 Beiträge
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Seite 1
Strichnid 04.03.2015
1. ...
Ein widersprüchlicher Artikel. Einerseits wird eindrucksvoll beschrieben, dass auf dem Rasen kein Pass weiter als 10m einigermaßen sicher ankommen konnte, andererseits wird vorgeworfen, dass es kein elegantes Passspiel zu sehen gab (von beiden Mannschaften nicht). Wenn das erste stimmt, kann man das zweite nun einmal nicht vorwerfen, so einfach ist das. An den Hätte-Wäre-Wenn-Spielen sollte man sich dann nicht beteiligen.
rosaberg 04.03.2015
2. Dieser Italiener sollte
sollte seinen Namen in "Mobilissimo" ändern. Immobile passt nicht zu seiner Beweglichkeit. Tanti auguri a lui e BVB!
premiummails 04.03.2015
3. BVB-Aufwärtstrend
BVB-Aufwärtstrend - naja, oder zumindest Stabilisierung auf mittlerem Niveau. Das eine ist eben, einen Gegner dekorativ zu "zerlegen" der von der Spielanlage her "passt", so wie Schalke letztens, - das andere ist Pflichtspiele mit Gewinnzwang unter schwierigen Bedingungen erfolgreich zu gestalten. Das hat der BVB ganz gut gemacht Dresden war motiviert, (gegen Reus übermotiviert), der Rasen war schwierig, das Spiel war auswärts - da muss man zufrieden sein, auch wenn es nicht so überwältigend ausgesehen hat. Ich fürchte, Ende 2014 hätte BVB so etwas noch verloren.
bluestar2000 04.03.2015
4. BVB Quali zur Euroleague
"Oder über den Pokal, wo man schon beim übernächsten Sieg im Finale (und damit möglicherweise im internationalen Wettbewerb) stünde." Meiner Meinung nach reicht eine Pokalfinalteilnahme nicht mehr zur Quali der Euroleague aus, wenn der Meister auch Pokalsieger wird. Der BVB müsste also im Finale stehen und gleichzeitig 6. oder 7. der Liga sein!
drumitus 04.03.2015
5. hauptsache weiter...
...darum gehts, wenn Immobile aus 4 Chancen 2 Tore macht ist doch cool. Lewandowski war im ersten BvB Jahr auch Mr.Chancentod. Also einfach entspannt bleiben
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