Dortmunds Matchwinner Hakimi, der unwahrscheinliche Torjäger

Dortmunds Defensivmann Achraf Hakimi trifft gegen jede Wahrscheinlichkeit. Da auch noch Joker Paco Alcácer half, gelang dem BVB gegen Inter ein Sieg, wie ihn der Klub in der Champions League noch nicht erlebt hat.

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Der Joker half schnell, sehr schnell: Nach 63 Minuten und 13 Sekunden gab Schiedsrichter Danny Makkelie das Spiel nach der Einwechslung von BVB-Angreifer Paco Alcácer wieder frei, sieben Sekunden später lag der Ball im Tor. Entscheidenden Einfluss auf den Ausgleichstreffer der Borussia hatte das lange Bein von Alcácer, der einen Einwurf von Matías Vecino zu Julian Brandt weiterleitete. Dieser drang von links in den Strafraum ein und schloss ins lange Eck ab. Mehr Joker geht nicht.

Das Ergebnis: Borussia Dortmund hat erstmals in seiner Klubgeschichte in der Champions League einen 0:2-Rückstand drehen können und Inter Mailand 3:2 (0:2) besiegt. Hier geht es zum Spielbericht.

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BVB-Sieg gegen Inter: Die Aufholjäger

Die erste Hälfte: Manuel Ankanji verschätzte sich im Luftduell gegen Lautaro Martínez und der Argentinier nahm Fahrt Richtung Dortmunder Tor auf. Mats Hummels konnte ihn nicht mehr stoppen, Julian Weigl nicht entscheidend stellen und Roman Bürki blieb gegen den Abschluss aus zentraler Strafraumposition machtlos - das 0:1 nach fünf Minuten. Taktisches Gold für den Konterfußball von Inter-Trainer Antonio Conte. In der 40. Minute setzte sich Marcelo Brozovic gegen mehrere Dortmunder durch, Martínez passte auf den rechten Flügel zu Antonio Candreva, dessen flaches Zuspiel in den Rücken der Abwehr Vecino ins lange Eck versenkte. Ein Traumtor.

Lautaro Martínez (Mitte) war in der ersten Hälfte Weltklasse - und in der zweiten nicht mehr zu sehen
Lars Baron/Getty Images

Lautaro Martínez (Mitte) war in der ersten Hälfte Weltklasse - und in der zweiten nicht mehr zu sehen

Zweifelhafte Choreo: Vor der Partie setzte die Dortmunder Südtribüne ein Zeichen, das man sich besser gespart hätte: Der BVB-Ultragruppe "Desperados" wurde zum 20-jährigen Bestehen gratuliert. Ausgerechnet jener Gruppierung, die in den vergangenen Jahren immer wieder mit homophoben Spruchbändern aufgefallen war.

Die zweite Hälfte: Hakimi gewann den Ball in der gegnerischen Hälfte, gab ihn weiter zu Hummels, der auf rechts zu Mario Götze passte. Dieser fand den zwischenzeitlich durchgelaufenen Hakimi, der fein ins lange Eck vollendete (51.). Jetzt war der BVB wach und drängte auf den Ausgleich. Nach Brandts 2:2 spielten die Gastgeber weiter druckvoll nach vorne und erneut war es Hakimi, der in der 77. Minute nach einem tollen Messer-durch-die-Butter-Pass von Jadon Sancho Inter-Keeper Handanovic überwinden konnte.

Adieu Harmlosigkeit: In sechs ihrer vergangenen acht Champions-League-Partien waren die Dortmunder torlos geblieben. Und wie im Hinspiel zeigte Inter zunächst, wie der Hase international so läuft. Hinten räumten die kantigen, aber erfahrenen Verteidiger nahezu alles ab, offensiv brachten Romelu Lukaku und Martínez Klasse auf den Platz, beim BVB mühte sich Götze als sehr falsche Neun. Ohne Marco Reus und Alcácer wirkten die Gastgeber gehemmt und ungefährlich. In den zweiten 45 Minuten spielte der BVB endlich seine Geschwindigkeitsvorteile gegen die Italiener aus, brachte den aus einer Verletzungspause kommenden Stürmer - und wurde belohnt. Das gab es schon lange nicht mehr.

Der Hakimi-Faktor: Fünf Tore hat Dortmund in dieser Champions-League-Saison bislang erzielt, vier davon gingen auf das Konto von Hakimi. In der kompletten letzten Spielzeit hatte er in allen Wettbewerben insgesamt drei Treffer geschafft. Ein Mysterium, das sich nicht allein mit den häufigeren Offensivmomenten des Marokkaners in dieser Saison erklären lässt.

Emotionaler Favre: Es lief die 90. Minute. Gerade hatte der eingewechselte Stefano Sensi Dortmunds Torhüter Bürki noch einmal mit einem Schuss von der Strafraumkante in Bedrängnis gebracht. BVB-Trainer Lucien Favre schrie und fuchtelte und stand dabei mehrere Meter auf dem Spielfeld. Der vierte Offizielle musste den Schweizer, der sich im emotionsbewussten Dortmunder Umfeld sonst häufig des Vorwurfs der Apathie ausgesetzt sieht, mit sanftem körperlichen Druck zurück in seine Coachingzone bugsieren. Eine Szene, die ihn wie das Ergebnis näher ans schwarz-gelbe Herz rücken wird.

Und nun? Wenn der BVB in drei Wochen beim FC Barcelona einen Punkt holt, reicht ein Sieg gegen Slavia Prag am sechsten Gruppenspieltag definitiv zum Achtelfinaleinzug. Ein Szenario, das nach der ersten Hälfte noch so weit entfernt schien, wie ein tobender Gewinner Favre kurz vor Abpfiff.

Borussia Dortmund - Inter Mailand 3:2 (0:2)
0:1 Martínez (5.)
0:2 Vecino (40.)
1:2 Hakimi (51.)
2:2 Brandt (64.)
3:2 Hakimi (77.)
Dortmund: Bürki - Hakimi, Akanji, Hummels, Schulz - Witsel, Weigl - Sancho (82. Piszczek), Brandt, Hazard (88. Guerreiro) - Götze (64. Alcácer)
Inter: Handanovic - Godin, de Vrij, Skriniar - Brozovic - Candreva, Vecino (68. Sensi), Barella, Biraghi (66. Lazaro) - Lukaku (73. Politano), Martínez
Schiedsrichter: Danny Makkelie
Gelbe Karten: Hazard / Biraghi, Skriniar, Candreva
Zuschauer: 66.000



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Kalif78 06.11.2019
1. Favre und Emotionen
Wer hätte gedacht, das er auch mal aus sich rauskommt. Da scheint ihn der westfälische Geist doch noch erreicht zu haben. Und bei aller Kritik, die auch ich gegenüber Favre immer wieder habe, scheint es als würde die Mannschaft seit Wochen, sich wirklich den allerwertesten für ihren Trainer aufreißen. Zwei Punkte, spielt doch bitte von Spielbeginn an für den Sieg, und nicht immer erst nach Rückstand. Und natürlich sollte man über diesen Götze nachdenken.
K:F 06.11.2019
2. Hut ab BVB
Hätte ich nicht gedacht. Nach dem 0:2 war für mich Sense. Die Nachtruhe war mir wichtiger als den BVB anzusehen. Heute Morgen die Überraschung.
ossibomber 06.11.2019
3. das ist ein super....
.... beispiel, für die macht der spieler gegenüber dem trainer. genau wie kovac war ja auch favre angezählt. als ich den halbzeit stand sah, dachte ich "favre jetzt kannst du auch einpacken"
lesheinen 06.11.2019
4.
@#2: Ich hatte den BVB auch schon abgeschrieben, aber die Hoffnung stirbt zuletzt, war mein Gdanke. Ich wurde belohnt. Da Barca schon im letzten Jahr Schwächen zeigte und gegen Slavia auch nicht gerade geglänzt hat, bin ich bei beiden guten Mutes und bitte Sie, bei diesen Partien durchzuhalten.
michael_siebert 06.11.2019
5. Borussia Dortmund vs. Inter Mailsnd
Ein Klasse-Spiel! So will der Zuschauer diesen Sport erleben. Noch vor dem Spiel war ich skeptisch, ob ich tatsächlich wieder Geld für den Pay-tv-Sender investieren soll. Dieses Mal wurde ich endlich belohnt, wenngleich auch der Beginn des Spiels aus Dortmunder Sicht sehr spannend bis ungünstig verlief, aber das ist Fussball. Immer wieder nachdetzen und nicht aufgeben!!!
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