BVB-Sieg gegen Gladbach Dortmund kann auch dreckig

Eine knappe Führung. Zwei aberkannte Tore. Der BVB lässt sich in die Defensive drängen. Und dann kommt die 89. Minute mit der Riesenchance auf den Gladbacher Ausgleich. Doch diesmal gewinnt Dortmund.
Mats Hummels (links) bleibt Sieger im Luftduell

Mats Hummels (links) bleibt Sieger im Luftduell

Foto: SASCHA STEINBACH/EPA-EFE/REX

Der BVB und die Schlussphasen: Borussia Dortmund stand vor dem achten Bundesligaspieltag auf dem achten Tabellenplatz, weil die Spiele gegen Frankfurt, Bremen und Freiburg jeweils nur 2:2 geendet hatten. In Frankfurt und Freiburg fielen die Ausgleichstore in der 88. und der 90. Minute. Gegen Borussia Mönchengladbach lag der BVB erneut in Front und diesmal war es die 89. Minute, als eine Flanke durch den Strafraum segelte und Florian Neuhaus am zweiten Pfosten aus kurzer Distanz hätte treffen müssen. Doch diesmal tauchte der für den angeschlagenen Roman Bürki eingewechselte Torhüter Marwin Hitz ab, warf sich in den Schuss und verhinderte den Ausgleich.

Das Ergebnis: Der BVB hielt den Vorsprung auch in der sechsminütigen Nachspielzeit und gewann 1:0 (0:0). Hier lesen Sie den Spielbericht.

Marwin Hitz rettet

Marwin Hitz rettet

Foto: Leon Kuegeler/ REUTERS

Der Brite Sancho testet Grenzen: Für die Harmonie im Kader verzichtete der BVB auf seinen besten Vorlagengeber. Jadon Sancho soll Medienberichten zufolge verspätet von der Länderspielreise mit der englischen Nationalmannschaft zurückgekehrt sein. Deshalb wurde der 19-Jährige von Trainer Lucien Favre aus dem Kader geworfen. "Er testet ab und zu die Grenzen aus", sagte Manager Michael Zorc vor dem Spiel bei Sky. "Und dann sind wir dafür da, die Grenzen zu setzen." Die Entscheidung sei alternativlos gewesen - "für die Hygiene in der Mannschaft".

Zwei falsche Neunen: Neben Sancho standen auch Mario Götze und Paco Alcácer nicht zur Verfügung, die offensiven Möglichkeiten des BVB waren somit erheblich reduziert. Weil die beiden zentralen Stürmer im Kader ausfielen, entschied sich Favre für eine flexible Lösung mit Marco Reus und Julian Brandt als Doppelspitze. Brandt und Reus liefen viel, ließen sich abwechselnd fallen und suchten sich häufig, um zu kombinieren. Das sah zum Teil gefällig aus, doch den Dortmundern fehlte - wie auch in Spielen mit Götze in der Spitze - eine dauerhafte Anspielstation im Zentrum.

Erste Hälfte: Favre hatte auch die Defensive umgestellt. Innenverteidiger Manuel Akanji rückte auf die rechte Seite, dafür spielte Julian Weigl zentral. Es brauchte eine halbe Stunde, ehe der BVB besser ins Spiel fand und Gladbach über einen längeren Zeitraum in die Defensive drängte. Torchancen gab es auf beiden Seiten, das torlose Remis entsprach insgesamt dem Spielverlauf.

Millimeterentscheidung: Es wäre die "Ausgerechnet"-Geschichte des Spieltags gewesen. Der ehemalige Gladbacher Thorgan Hazard erzielte mit einem abgefälschten Distanzschuss die vermeintliche Führung für den BVB (33. Minute). Der Belgier, im bisherigen Saisonverlauf noch seine Bestform suchend, traf zum ersten Mal für seinen neuen Klub und jubelte - anders als viele andere Fußballprofis - so ausgelassen, als hätte es die fünf Jahre in Mönchengladbach nicht gegeben. Da sich Reus in der Entstehung des Angriffs aber mit einer Ferse im Abseits befand, wurde dem Treffer nach der Prüfung des Videoassistenten die Anerkennung verweigert. VAR-Gegner liefen im Anschluss heiß, weil es eben sehr knapp war und die Entscheidung recht lange auf sich warten ließ. Aber letztlich ist nur eines entscheidend: Es war Abseits.

Thorgan Hazard freut sich über ein Tor, das wenig später nicht mehr zählt

Thorgan Hazard freut sich über ein Tor, das wenig später nicht mehr zählt

Foto: Leon Kuegeler/ REUTERS

Zweite Hälfte: Dank Axel Witsels Laufweg, Hazards Pass in die Spitze und Reus' Beinschuss gegen Yann Sommer lag der BVB ab der 58. Minute in Führung. Was folgte, war eine Blaupause der vergangenen Wochen. Dortmund hatte gute Chancen auf den zweiten Treffer, war vor dem Tor aber nicht entschlossen genug und hatte Pech, als Reus bei Brandts Tor vor Sommer herlief und ihm im Abseits stehend die Sicht nahm (84.). Gladbach wiederum spürte die Verunsicherung der Gastgeber. Bei einer Grätsche von Mats Hummels gegen den eingewechselten Patrick Herrmann hätte es Elfmeter für die Gast-Borussia geben müssen. Am Ende drängte Gladbach Dortmund phasenweise tief in die eigene Hälfte. Für den BVB wurde es ein Zittersieg.

Gewinner des Spieltags: Für manchen Experten war der BVB nach den drei Remis in Folge schon aus dem Titelrennen geflogen. Nun stehen die Dortmunder nach den Punktverlusten von Bayern, Wolfsburg, Leipzig, Freiburg und Leverkusen auf dem vierten Platz - punktgleich mit den Münchnern und nur einen Zähler hinter Mönchengladbach an der Spitze. Favre braucht vermutlich aber noch ein paar Siege mehr, um wieder uneingeschränktes Vertrauen im gesamten Klub zu genießen.

Borussia Dortmund - Borussia Mönchengladbach 1:0 (0:0)
1:0 Reus (58.)
BVB : Bürki (70. Hitz) - Akanji, Weigl, Hummels, Schulz - Witsel, Delaney, Hakimi, Hazard (90.+6 Piszczek) - Reus, Brandt (90.+2 Zagadou)
Gladbach: Sommer - Lainer, Elvedi, Jantschke, Wendt (78. Stindl) - Kramer, Zakaria, Thuram, Bénes (64. Neuhaus), Pléa - Embolo (63. Herrmann)
Gelbe Karten: Delaney / Jantschke, Neuhaus, Rose (Trainer)
Schiedsrichter: Stegemann
Zuschauer: 81.365 (ausverkauft)

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.