Dortmunds Sieg über Bayer Der BVB braucht Reus. Aber eben auch Akanji

Borussia Dortmund kann auch ohne Marco Reus gewinnen. Gegen Leverkusen lag das unter anderem an der Rückkehr von Abwehrchef Manuel Akanji. Wie wichtig er für den BVB ist, zeigte er in der Schlussphase.
Julian Weigl (l.) und Manuel Akanji

Julian Weigl (l.) und Manuel Akanji

Foto: LEON KUEGELER/ REUTERS

Es begann mit einer Auswechslung aus Furcht vor einer Verletzung. Dann gab Borussia Dortmund bekannt, dass sich Marco Reus im Pokalspiel gegen Werder Bremen einen Muskelfaserriss zugezogen hatte. Es sei aber nur ein "leichter", wodurch die Hoffnung bestand, dass der wichtigste Spieler des BVB noch im Februar wieder auf dem Platz stehen kann. Andererseits sind die Muskeln von Reus so sensibel, dass aus der Furcht eine Angst wurde, es könne wieder etwas reißen, wenn die Rückkehr zu früh erfolge.

Da Reus auch noch ein - ebenfalls leichter - Infekt erwischte, fehlte er auch gegen Bayer Leverkusen. Das vergrößerte die Sorge der Dortmunder, im Februar ohne Sieg in einem Pflichtspiel zu bleiben. Als die Leverkusener dann auch noch eine Viertelstunde vor Schluss auf 2:3 herankamen, spukte in vielen Köpfen herum, dass im vorangegangenen Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim sogar eine 3:0-Führung verspielt wurde. "Natürlich hast du das im Hinterkopf. Das kannst du nicht komplett streichen", gab Sportdirektor Michael Zorc zu und sagte dann: "Am Ende haben wir es besser und konsequenter verteidigt als in den Wochen zuvor."

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Dortmund siegt gegen Leverkusen: Erst dominiert, dann brilliert

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Dieser Ansicht war auch einer, der eher als prognostiziert wieder spielte. "Im Frühjahr", so der BVB, hoffe er wieder auf Manuel Akanji, dessen Hüftverletzung ihn seit Mitte Dezember plagte. Das Frühjahr beginnt im Kalender am 21. März. Wenn für den Schweizer alles gut geht, hat er dann schon fünf Pflichtspiele absolviert. Bei der nächsten Partie am kommenden Freitag (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: Eurosport) beim FC Augsburg soll laut Zorc neben Akanji dann auch Reus wieder dabei sein. Der BVB will dann wieder die Stabilität der Hinrunde erlangen.

Akanji war gegen Leverkusen wieder dabei, zum siebten Mal in dieser Saison spielte er im Zentrum der Viererkette an der Seite von Dan-Axel Zagadou. Die Bilanz des Duos ist durchwachsen, gemessen an der Zahl der Gegentore: zehn. Dabei sprangen jedoch sieben Siege heraus, so gesehen dann doch eine makellose Rechnung für die beiden jungen Innenverteidiger.

"Ich habe der Mannschaft gesagt, dass wir ruhig bleiben sollen", so der 23 Jahre alte Akanji über die Zeit nach dem zweiten Leverkusener Treffer (75. Minute) durch Jonathan Tah: "Wir können nicht immer zurückschlagen, wenn wir ein Tor kriegen, manchmal müssen wir auch als Mannschaft verteidigen." Das gelang gegen nahezu über die gesamte Spielzeit überlegene Leverkusener deutlich besser als etwa gegen Hoffenheim.

Akanji und Weigl als Garanten für den Sieg

Zwar ergaben sich noch Chancen auf den Ausgleich, doch die Defensive des BVB wusste zumindest, was ihm geschah. "Es tut uns gut, wenn Manuel Akanji auf dem Platz steht. Er strahlt Selbstbewusstsein aus und versucht zu ordnen", sagte Zorc über den Abwehrchef der Dortmunder. Nebenmann Zagadou, 19 Jahre alt und Torschütze zum 1:0, sagte: "Es ist total wichtig für die Mannschaft, dass Manuel wieder da ist. Wir brauchen ihn."

Die Zeit, in der Julian Weigl in der Viererkette aushelfen musste, dürfte vorerst vorüber sein. Gegen Leverkusen spielte er wieder auf seiner gewohnten Position im zentralen Mittelfeld vor der Abwehrkette. Weigls Stärke kommt in Mannschaften zur Geltung, die häufig am Ball sind - so wie es Ex-Trainer Thomas Tuchel mag und Weigl zum Nationalspieler formte.

Entsprechend schwach war seine Leistung in der ersten halben Stunde, als Leverkusen den BVB vorführte und frustrierte. "Wir sind in den ersten Minuten extrem viel hinterhergelaufen. So habe ich das hier im Stadion schon lange nicht mehr erlebt", staunte Zorc. Trainer Lucien Favre quengelte: "Da standen wir zu tief." Er wollte nicht zugeben, dass es durchaus zu seinem Plan gehörte, Bayer den Ball zu überlassen.

Als die Dortmunder sich dann mehr nach vorne wagten und mutiger auf einen Ballgewinn aus waren, entpuppten sich zwei Spieler als wertvoll, die weder in die Kategorie Abräumer noch Malocher fallen: eben jener Weigl und Mario Götze. Zentral hinter dem Stürmer spielte Götze dort deutlich besser als in den Wochen zuvor Maximilian Philipp. Der Weltmeister erzielte sogar ein Tor, es war das letztlich vorentscheidende 3:1, das dann reichte zum einzigen Sieg im Februar. Der BVB geht mit drei Punkten Vorsprung auf den FC Bayern in den März, nach Augsburg heißen die kommenden Gegner Tottenham in der Champions League sowie Stuttgart, Hertha und Wolfsburg - ehe es dann am 6. April in München zum Spitzenspiel der beiden Meisterschaftskandidaten kommt.

Leverkusens Trainer Peter Bosz war enttäuscht, dass seine Mannschaft trotz der ansprechenden Leistung erstmals nach vier Siegen hintereinander in der Bundesliga wieder verlor. Gegenüber seinem ehemaligen Verein zeigte er sich jedoch in Gönnerlaune: "Ich gratuliere der BVB-Familie. In dieser Phase der Meisterschaft sind nur die drei Punkte wichtig. Ich hoffe ganz ehrlich, dass auch in den letzten Spielen die Punkte in Dortmund bleiben."

Borussia Dortmund - Bayer Leverkusen 3:2 (2:1)
1:0 Zagadou (30.)
1:1 Volland (37.)
2:1 Sancho (38.)
3:1 Götze (60.)
3:2 Tah (75.)
Dortmund: Bürki - Hakimi, Akanji, Zagadou, Diallo - Weigl, Witsel - Sancho, Götze (83. Dahoud), Guerreiro (76. Bruun Larsen) - Alcácer (90. Wolf)
Leverkusen: Hrádecky - Weiser, Tah, S. Bender, Jedvaj - Baumgartlinger - Aránguiz, Brandt - Havertz, Bailey (70. Alario) - Volland
Schiedsrichter: Dingert
Gelbe Karten: Guerreiro / Jedvaj, Tah
Zuschauer: 81.000

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